Das Ensemble Piccoloco entführt die Konzertbesuchenden anlässlich des Herbstkonzertes in einen Garten voller Melodien. Eine Wohltat!
Der Saal der Christkatholischen Kirche in Allschwil ist jetzt nicht gerade der Inbegriff eines schönen und angenehmen Konzertsaales. Aber das Ensemble Piccoloco hat sich für diese Location entschieden um daraus einen Garten zu machen – den Piccolo Giardino.
Der Obergärtner Marcel Mundschin erklärt in einer sehr humorvollen und absolut passenden Form, wo wir uns befinden und was in der nächsten Stunde auf uns zukommt. Er führt uns zwischen den Märschen durch den Garten und beschreibt, was das Publikum zu sehen bekommt (Kompliment für diese Moderation. Etwas mehr Licht und Applaus am Schluss für diese Leistung wären angebracht gewesen).
Dann kommen die „Gärtner und Gärtnerinnen“. Das Ensemble besteht aus 10 Piccoli-SpielerInnen und zwei Tambouren. Diese trommeln – passend zu den Blasinstrumenten – mit einem sagenhaften musikalischen Gefühl und passen genial zu diesem Abend. Es muss neidlos gesagt werden: Es sind zwei Olymper. Moritz Frei und der Amerikaner Scott Mitchell stehen hinter den Trommeln und machen einen wirklich guten Job.
Das Programm besteht aus 11 Stücken (man kann nicht alle als „Märsche“ bezeichnen), darunter eine achtteilige, 12minütige Suite von Christopher D. Szpara, welcher seinem Stück den Namen „Bijoux du Jardin“ gegeben hat. Darin brilliert Walter Zandona auf seinem Basspiccolo.
Im weiteren Verlauf des Programmes hören wir ganz spezielle, wunderbare Leckerbissen. Zum Beispiel der „Baskilist“, ein Pfyffersolo mit wiederum einem Basspiccolo im Lead (Arrg. Fizzè Mensch und Cornelius Buser). Oder dann Stücke vom Komponisten Cornelius Buser aus Gelterkinden. Eine wunderschöne Ballade „Fleurs“ oder das von Buser mit seiner Guitarre begleitete „Coblossa“.
Als letztes „offizielles Stück“ darf man sich auf den „Balkanexpress“ freuen. Ein Stück von Cornelius Buser mit einem Trommeltext von Scott Mitchell. Rasant, humorvoll und – wie alles Stücke an diesem Abend – grossartig vorgetragen.
Das Ensemble bekam einen tosenden Schlussapplaus (weil u.a. dieser rasante Balkanexpress nichts anderes zuliess…) und gab – natürlich – eine Zugabe. Die von der pausierenden Sabine Freuler überreichten SiegerInnen-Rosen am Schluss waren hochverdient.
Der Moderator bedankt sich u.a. bei den „Angehörigen der Ensemblemitgliedern“. Und das ist ebenfalls verdient: Das Ensemble übt für ein solches Konzert stunden-, abend und wochenlang. Der Anspruch, dass alles erstens fehlerlos sitzt und dann zweitens auch noch musikalisch zu einem Gesamtkunstwerk zusammenkommt, braucht sehr viel Arbeit und Disziplin und manchmal kommt alles andere zu kurz. Für dieses Konzert hat sich das gelohnt…
Auf der Bühne stehen an diesem Abend: Hermine Gassler, Maria Gassler, Livia Haas, Corinne Mitchell, Patrick Meier, Rita Prétôt, Walti Zandona und Meister Gérald Prétôt an den Piccoli, Moritz Frei und Scott Mitchell an den Trommeln. Cornelius Buser und Fizzè Mensch mit Einzelauftritten. Bei den beiden „Mitchells“ ist speziell zu erwähnen, dass sie in Amerika leben und den grössten Teil der gemeinsamen Übungen mittels „Zoom“ absolviert haben. Sie sind eine Woche vor dem Konzert in der Schweiz angekommen.
Das nächste Konzert findet am Samstag, 29. November 2025 in der Kirche Sacre-Coeur, an der Feierabendstrasse 68 in Basel statt. Also: alle Liebhaber der Fasnachtsmusik, die beim ersten Konzert am Stadtlauf oder mit Kellerabsteigen beschäftigt waren, haben eine zweite Chance. Der Vorverkauf hat sehr gut begonnen. Aber – gemäss Gérald Prétôt – können in dieser Location immer wieder Sektionen geöffnet werden, sodass genügend Platz vorhanden sein wird. Die Tickets sind beim Ensemble erhältlich oder via e-mail info@piccoloco.ch. Das Ticket kostet 30.00. Das Konzert beginnt um 20.00.
Wenn eine Kritik doch noch erlaubt ist: Das Programmheft ist ausserordentlich kreativ und sehr orginell gestaltet. Alle Teilnehmenden sind als römische Statuen in einem Garten abgebildet und zu den einzelnen Komponisten finden sich informative Abhandlungen. Auf der Rückseite, man muss also nicht blättern, findet sich das Programm. Leider wurde eine Schrift verwendet, die, bei schummerigem Licht und ab Ü60 nicht oder nur noch ganz schwer (zu Hause) lesbar ist. Nehmen Sie also zum Konzert am 29.11. die Lesebrille und eine Lupe mit. Das Programmheft ist gratis.
Fazit: Ein wirklich wunderschöner Abend mit grossartiger Musik. Der Besuch im Piccolo Gardino ist eine Wohltat in einer Welt, die momentan etwas durchgerüttelt wird. Gönnen Sie es sich!


