Mit viel Leidenschaft hat das Fasnachts-Comité auf der Zürcher Pfalz (Lindenhof) dem Publikum gezeigt, wie Fasnacht geht. Die Übung kam bei den Besuchenden richtig gut an!
Nach unserer Ankunft in Zürich lief der farbige Umzug bereits, und wir versuchten die Umzugstrecke von der einen zur andern Seite zu durchbrechen, um die Basler Delegation besser ins Bild rücken zu können. Da haben wir die Rechnung ohne die Zürcher Cleverness gemacht: Auf der ganzen Strecke des Umzuges waren unüberbrückbare Sitzplätze aufgestellt, zudem Kordeln in der Mitte der Strasse! So haben wir die rasant marschierenden Basler Formationen, denen der Schweiss unter der Larve hervorran, aus Distanz gesehen. Dem Umzug voran der herausgeputzte und voll stolze Ladäärnemooler Christoph Knöll, der sein eben fertig gestelltes, wunderschönes Werk dem Zug zeigte. Grossartig und würdig! Dann kamen Pfyffer, Dambuure und eine Chaise! Und immer wieder – zwischen durch im Umzug der Zünfte – die eine oder andere Clique (d Märtplätz mit ihren wunderbaren Waggis-Goschdym). Schliesslich gelang die Überquerung doch noch: Bei einem polizeibewachten und geregelten Übergang (siehe Bildstrecke)!
Dann kletterten wir den Berg hinauf zum Lindenhof – eine Art Münsterplatz/Pfalz von Zürich mit einem unglaublich schönen Blick auf die Altstadt, das Grossmünster und den weiterführenden Umzug auf der andern Flusseite. Im hintersten, aber schönsten Teil hat sich das Fasnachts-Comité eingenistet. Da stand das Zelt, wo Christoph Knöll Tag und Nacht an seiner Lambbe gemalt hat. Dann schreitet man durch die UNESCO-Fasnachtsausstellung und trifft auf das von Pia Inderbitzin vorbereitete Zelt „Die 1. Lektion“ (An dieser Stelle „Gute Besserung“ an Pia, die aus gesundheitlichen Gründen das Management des Zelts an ihre Kollegin Kathrin von Bidder abtreten musste). In dem Zelt stand eine Fotobox, wo sich Kinder und Erwachsene in Goschdymen fotografieren konnten. In der Mitte des Zeltes ein Tisch mit den bekannten Piccolos und Böggli, wo Instruktoren geduldig erklärten, wie man damit Musik macht: „Uss de Handglängg uuse, nid uss den Ärm, das haltisch nie duure – Mammebabbemammebabbe“. Anna und Aron (mit einem A) übten geduldig, während ihr Vater Thomas die Instruktion beobachtet. Als Belohnung für die Übungsstunde gabs noch ein Foto mit Larve. Die Kids waren hell begeistert!
Weiter drüben ein Tisch, wo die Kinder Ladäärnewändli bemalen konnten (praktisch alle der 160 vorbereiteten Wändli gingen weg). Soraya aus Dübendorf malte eine wunderbare „Alti Dante“ und die Mutter zeigt sich begeistert.
Kathrin von Bidder vom Fasnachts-Comité erzählt, dass hier drei Tage der Bär los gewesen sein. „Wir hatten oft eine Moorgestraichdruggedde“. Die Fasnacht sei richtig gut angekommen und es seien spannende Gespräche aufgekommen. – Stimmt: Gerade eben kam eine Dame und erzählte, sie – als Zürcher Zöiftergattin – würde seit ihrer Kindheit „jedes Jahr drei Tage in Basel“ leben. Und vor vielen Jahren kam sie mit ihrer frisch geborenen Tochter vier Tage nach Basel. Oder der ältere Mann aus Zürich, der sich bitterlich beschwerte, weil „dieses Jahr in der NZZ keine Doppelseite mit Schnitzelbänggen erschienen sei“. Auch ihm konnte geholfen werden…„im Internet können sie alle Bängg nochmals hören oder sehen“.
Francoise – eine der vielen freiwilligen Helferinnnen beim Comité – erzählt, sie habe ein Mädchen am Stand betreut, welches den ganzen Tag da war und an ihrer Ladäärnesytte gemalt hat.
Tatsächlich gab es keinen Moment in diesem Zelt, wo nicht getrommelt, gepfiffe oder gemalt wurde. Kurz wagen wir einen Blick von der „Pfalz v/o Lindenhof“ über die Limmat nach drüben, an die Riverside des Niederdorfs, wo noch immer der Umzug vorbeirast. Wir erkennen die Märtplatz-Waggis, die in einem horrenden Tempo mit dem Saggodo vor dem zahlreichen Publikum vorbei marschieren. Ich kann mir vorstellen, dass die Jungs keine grossen Turnübungen mehr machen an diesem Abend…
Gegen 18 Uhr von diesem Säggsilyyte-Määndig versiegte der Strom der Besuchenden ganz plötzlich. Und es war klar, weshalb: Es „lüütet sächsi“ und neben den Münstertürmen, gut sichtbar vom Fasnachszelt aus, stieg eine dicke, weisse Rauchsäule empor. Von Elisabeth Ackermann angefacht, wie wir später erfahren. Und plötzlich standen da die Zürcher auf ihrer Pfalz und schauten andächtig und aufgeregt in Richtung Rauch – etwa so, wie die Basler auf dem Märtplatz stehen und auf den Vieri Schlag warten. Und erst als man nach 20 Minuten wusste, „de Chopf isch wägg“, kam wieder etwas Bewegung in die Masse auf dem Lindenhof und die Diskussion um den zu erwartenden, verschifften Sommer begannen.
Beim Verräumen des Zeltes wird resümiert. Kathrin von Bidder hat sich sehr über die Organisation auf dem Lindenhof gefreut: „Es war eine grosse Freude, hier zu wirken. Die Organisatoren seitens Basel und Zürich waren grossartig und das Publikum war so dankbar für diese abwechslungsreiche Präsentation des Gastkantons. Die üblichen Sprüch blieben aus. Und der Superstar war natürlich die Ladäärne.“
Dann kommen die Basler Cliquenteile langsam alle ins Festzelt auf den Lindenhofberg. Auch die Polizeimusik. Deren Präsident und ehemalige Drummeli-Chef Urs Weiss grüsst seine Comité-Kollegen mit einem gequälten Winken. Sprechen kann er kaum mehr. Denn musizierend zum Lindenhof zu marschieren ist etwa so, wie mit der Pfyffer-Retraite den Spaalebuggel hinauf….
Neben den Basler viele Zürcher, die bei Oggs-am-Spiess und Ueli Bier den fasnächtlichen Auftritt des Gastkantons nochmals hoch leben lassen. Wenn nun alle, die im Zelt versprochen haben: „Wänn isch d Fasnacht s nächscht Jaar? Mir chömmed!“ ihr Versprechen halten, dann muss die SBB am 11. März 2019 einen Wagen anhängen…


