Underwäggs …abseits der Route

10. März 2014 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Ich gebe zu, ich war bisher ein Routenfasnächtler. Die Montag- und Mittwochnachmittage waren dominiert von Comité-Durchmärschen und Pausen. Dieses Jahr habe ich die Chance zur Abwechslung!

Nach einem halbstündigen Aufenthalt am Theodorskirchplatz, wo d Revoluzer, die Agfrässene und – zum grossen Vergnügen meiner in Zürich studierenden Tochter – der respektable Zug der Basler Zepf Ziri in den Cortège einfädelten, habe ich mich also durch die Gassen Kleinbasels in Richtung Innerstadt gemacht. Die Mittlere Rheinbrücke war sehr verstopft,  nicht zuletzt wegen eines Quoten-Idioten, der mit seinem Hund sich durch die Masse quetschte. Dieser Hund war eine arme Sau. Der Besitzer eigentlich auch, wenn ich mir das nun so überlege…

Auf dem Fischmärt die ersten pausierenden Wägen. Sie stellen Festgarnituren raus, grillieren und feiern Fasnacht.  Schneidergasse hoch und –  wer hätte das nun gedacht: rund um den Rümelinsplatz ist der Teufel los! Während der Cortège auf dem Märtzplatz sich wacker Mühe gibt (und es – zumindest auf dem Märtplatz – keine Stehplätze mehr gibt), läuft vor dem Hotel Basel d Ohregribler-Gugge ein und alle Lääberli-Esser und Cübbli-Trinker vor dem Seppetoni-Stand sind begeistert. Auch die junge Frau, deren Ex bei den Ohrengriblern rockt, steht auf und ist happy. Fasnacht macht selig.

Hinter dem Hotel Basel sitzen Claudia und Anna vor ihrem Goschdym-Spittel und warten auf Kunden mit kaputtigem Goschdym. Wir setzen uns für ein paar Momente vor ihren Laden und staunen, wer hier alles – fern dem Cortège – vorbeizieht: Während es auf der offiziellen Route gefühlt immer weniger Cliquen, aber dafür bald nur noch Wagen und Guggen zu haben scheint, ruessen und pfyffen in den Gassen neben der offiziellen Strecke Dutzende von Pfyffer- und Dambuurengruppen jeder Grösse: Da kommen d Keerzedrepfli vorbei – ein grosser Haufen wunderbarer Pfyffer und Dambuuren mit einem sauber ausgespielten Sujet (Stadtbuure statt Dambuure). Auch d Querpfyffer, klein aber fein, ziehen vorbei. Dann, als Dessert, doch noch eine Gugge: Die Schotten-Abspaltung „d Highlander“ musizieren vorbei und alle sind begeistert. Ich verabschiede mich von den Goschdym-Doggtorinnen und steige den Spalebuggel hinauf.

Ich entdecke viele „Fasnachtsbeizli“, ganz versteckt oder direkt an dem Weg. Und plötzlich kommt er: Der lonley piper! Ein Piccolo-Spieler mit einem weltklassigen Ansatz. Der muss Lungen haben wie Anton: er pfeift sich gegen Trommelhunde und Pfyfferwellen, biegt ab ins Imbergässli wo er ganz alleine die Treppen runter steigt und es tönt wie im Himmel. –minu, wo bist Du? Hier braucht es Dich um sowas zu beschreiben…. Dann geht’s über den Andresenplatz, wo er untergeht und hinein in die Glockengasse, wo er aufgibt. Aber es war herrlich. Danke!

Ich gehe zurück ins Hotel Basel und kämpfe mich gegen die geschminkte, larvenlose Fasnachtsgesellschaft, die wahrscheinlich keine Ahnung haben, was auf dem Cortège passiert. Brauchen sie auch nicht, es kommt sowieso irgendwann mal alles hier vorbei. Vielleicht mit Ausnahme der Gugge „Öpfelstiilgrytte 2013“, die nicht wissen, dass es das Hotel Basel gibt… Nun den Artikel in die Tasten hauen. Das Fenster ist offen, es stinkt nach Lääberli, aber es tönt wie im Himmel veruss. Wenn der Artikel im Kasten ist, kurze Ruhephase (wenn das hier dann überhaupt geht) und dann ab in den ersten Fasnachtsabend.