Das Comité hat genug vom Cortège-Stau und den jährlichen Reklamationen von den Aktiven! Jetzt wird eine ziemlich resolute Massnahme durchgesetzt: Ein Pausenmodell – wie beim Drummeli – soll es richten: Zwei Jahre Cortège, dann ein Jahr Pause.
Die Fasnachtsteilnehmenden bekamen bei jeder Gelegenheit im Fasnachtsvorfeld vom Comité zu hören, dass es in diesem Jahr keinen Stau mehr geben würde. Man habe Massnahmen getroffen (Routenänderungen, schärfere Einfädel-Zeiten, Aufrufe etc.) und man sei zuversichtlich, dass der Stau beträchtlich weniger werde. Noch an der Medienkonferenz des Comités kurz vor der Fasnacht war der Verantwortliche für die Strassenfasnacht, Patrice Cron, überzeugt: „Jetzt hänn mir s im Griff!“.
Natürlich gab es ihn dann trotzdem, den Stau. Da gab es Formationen, die kamen ohne Stauminuten durch die beiden Nachmittage. Andere standen sich – vor allem im Glaibasel/Rotlicht-Quartier – die Beine in den Bauch. Eine Fasnächtlerin schreibt an fasnacht.ch: „Ganz schlimm wars von der Webergasse bis zur Greifengasse/Brückenkopf: 40 Minuten. Und es lag nicht daran, dass wir unsere männlichen Mitglieder immer wieder einsammeln hätten müssen…“.
Das Problem ist altbekannt. Und gefühlt alle Fasnachtstreibenden, die auf dem Cortège laufen (müssen), haben dafür Lösungsvorschläge. Die reichen vom „Verlängern der Route bis ins Joggeli“ über „eine Route für d Cliquene in dr Stadt, und eine für d Wääge und Guggene uff dr Fluughaafestroos“ bis hin zum anarchistischen Vorschlag: „Drei Daag Zyschtig“.
Mit letzterem Vorschlag würde die Abteilung „Stroosefasnacht“ beim Comité faktisch arbeitslos. Das gefällt dem Neo-Comité-Mitglied Lukas Buholzer nicht. Er, der erst 2025 ins Comité berufen wurde, will mit einem ganz neuen Vorschlag das Stauproblem lösen.
Buholzer erklärt dieser Redaktion den Plan: „Wir nehmen das Erfolgsrezept des Drummelis als Beispiel, ändern es ein bisschen ab, und dann führen wir es beim Cortège ein. Das bedeutet: Jede der teilnehmenden 444 Fasnachtseinheiten muss nach zwei Jahren Teilnahme am Cortège ein Jahr Pause machen. Das gibt uns ein Drittel weniger Formationen – und weg ist der Stau!“

Lukas Buholzer, seit 2025 im Ressort Strassenfasnacht. Hat er das Ei des Kolumbus entdeckt?
Dem Vernehmen nach hat das Comité diesem Plan bereits in der Lämpesitzig anfangs März zugestimmt und er wird deshalb schon an der Fasnacht 2027 in Kraft treten. Damit es ab sofort funktioniert, werden in den ersten beiden Jahren die zur Pause gezwungenen Einheiten ausgelost.
Was sagen die Aktiven dazu? Yves Thiriet, Obmaa Schnurebegge findet das eine tolle Idee: «Wir würden dann wohl alle drei Jahre mit der Fasnacht total pausieren. So könnte man endlich auch mal Skiferien machen!». Patrick Schnidrig, neuer Tambour-Major der Agfrässene resümiert: «Nur wenn man anstelle vom Cortège einfach frei Fasnacht machen kann. Dann sparen wir uns jedes dritte Jahr das Goschdym!». Tim Sommer, Obmaa der BBB, hat noch eine bessere Idee: «Wir pausieren ab 2027 immer am Cortège und überlassen unseren Platz jenen Einheiten, die keine Pause machen wollen. Gegen eine Runde Bier für die BBB in dr Saffre an dr Fasnacht, versteht sich!».
Die Wagen-IG äussert sich nicht direkt zum Thema. Wie fasnacht.ch aber erfahren hat, wollen die Wagen, die pausieren müssen, auf dem Marktplatz eine Wagenburg errichten und zwar auch am Fasnachts-Dienstag, wo der Einlass dann ausschliesslich für Kinder vorgesehen sein soll.
Die Frage ist, ob das mit den Zielen und Anforderungen des immateriellen Kulturerbe der UNESCO übereinkommt? Dazu der Obmaa des Fasnachtscomités Robi Schärz: «Das spielt keine Rolle, wir haben keinen Durchführungsvertrag mit der UNESCO. Das Winzerfest in Vevey findet ja auch nur alle 20 – 25 Jahre statt…!»
Da es für solche Massnahmen kein Referendum und somit keine Volksabstimmung benötigt, wird das Modell wohl 2027 bereits eingeführt. Die Formationen, die als erste pausieren müssen, würden dieser Tage per Email informiert. Es besteht aber noch Hoffnung, dass eine mildere Massnahme denselben Zweck erfüllt, nämlich den Cortège zu verflüssigen. Mehr dazu in der Rubrik «Kurz und bündig».


