S goot nimme lang… eine kleine Vorschau

9. März 2014 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Der Countdown läuft. Und wer etwas die Augen aufmacht, sieht, wie sich die Stadt langsam aber sicher auf ihr Delirium vorbereitet. Unser neuer Fasnachts-Korrespondent Daniel Thiriet hat die Augen weit aufgemacht und schildert seine Eindrücke im Sinne einer kleinen Vorschau. Er wird die täglichen Zusammenfassungen auf diesen Seiten mit eigenen Eindrücken aus ganz speziellen Blickwinkeln bereichern.

Alle Baustellen in der Innerstadt sind dicht. Zum allergrössten Vergnügen der rot-grünen BewohnerInnen, stehen Hunderte von Park- und Fahrverboten auf den Strassen und Gassen und zeigen an, dass sich ab Montag NIX MOTORISIERTES MEHR INNERHALB DER STADTMAUERN AUFZUHALTEN HAT. Ausser es hat einen Bauer drauf der Waggisse hinter sich herzieht…

Vor einem Haus am Riehenring steht ein Holzgebilde auf einem Ladäärnegstell. Es wird als Ladäärne in irgend einem Zug wieder auftauchen. Im Hafen üben noch vereinzelte Pfyffer- und Tambourengruppen das Marschtempo (und es wird eine gute Fasnacht: Denn die Hauptprobe tönt kläglich…).

In den Landgemeinden haben die zwar ihre Fasnacht meistens schon hinter sich, aber Dutzende von Basler Wagecliquen feiern am Samstag und Sonntag ihre Vernissage. So rauscht ein Riesenfest im Reinacher Kägen, wenn d Gillerugger ihren Wagen taufen. Oder in Ettingen wackeln die Bäume, wenn d Gränzwaggis zum Taufakt bitten. Oder in Aesch knallen die Korken, wenn d Sürkrütt-Waggis jeweils ihr Gefährt den Passiven und Cliquenfreunde vorführen.

In den Migros-Filialen der Stadt und der Agglomeration sind Einweg-Taschenlampen und Blockbatterien ausverkauft. Im Obi werden noch die letzten Posten Leimpatronen für die Heissleim-Pistolen verkauft. Am Sonntag packt unser Nachbar in Riehen sein Auto, als würde er für 3 Wochen nach Grindelwald abreisen. Allerdings werden Goschdym eingepackt und anstatt Skis kommen die Trommeln hinten rein. Es geht ins Hotel Krafft.

Durch den Tag reisen Tausende von Gästen aus aller Welt an und logieren sich in Hotels und bei Basler Freunden ein. Oder sie übernehmen die Wohnungen von solchen, die Engelberg dem Fasnachtstreiben vorziehen. Josef Heinzer aus Schwyz mit seinen Freunden, die Holländer aus allen Teilen des Käselandes, die Amerikaner, die Schweden.

Ab 17 Uhr beginnen überall die Aperos und die Ladäärne werden rausgepfiffen. Till Schweiger kann seinen Fall im Tatort alleine lösen… Bref: Die Stadt und die Dagebliebenen und die Dazugekommenen – sie alle stellen sich in die Startlöcher für den Morgestraich und die grandiosen 72 Stunden. Tief einatmen und geniessen. Nach 72 Stunden wird abgewunken…

Underwäggs mit … den Agfrässene am Lambbenypfyffe

Der Weg in die Stadt ist schon spannend: je näher man dem Zentrum kommt, desto mehr konspirativ verhüllte Fasnachtsladäärne stehen herum, bereit zum Abmarsch. Umgeben von erwartungsvollen Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern …  Die Agfrässene, eine mittlere gemischte Stammclique bat in die IRRSINNBar in der Kaserne. Dort angekommen finde ich die Ladärne, verhüllt, inmitten von sonnenbadenden Passanten. Einen kurzen Moment wähne ich mich an irgend einem Strand. 15 Grad, Sonne und die Menschen trinken, wenig fasnächtlich, Cocktails und Caipis.

Vor der IRRSINNBar stehen die Agfrässene und warten – bis der Beizer kommt und endlich aufmacht. Der Anlass ging vergessen. Keine Häppli und etwas zu wenig Personal. Bei jeder andern Gelegenheit wäre jetzt der Teufel los. Aber mit einer Clique vor dem Morgestraich – und vor allem mit den Agfrässene – kann man sowas gut machen. Kein böses Wort, kein Stress. Nur beste Vorfasnachtslaune!

Unter den Gästen beim Umtrunk auch Pieternel Grupen von der holländischen Zeitung TROUW, die über Umwege von den Drummlierfolgen der Agfrässene gehört hat. Sie begleitet die Clique nun und ist schon von der abgedeckten Lampe hell begeistert. Der Obmaa Hambbe begrüsst die Clique, erwähnt die Verletzten, die trotzdem da sind und übergibt die Clique für die nächsten drei Tage dem Zugschef, der berndeutsch die hungrige Pfyfferfraktion von den Gläsern weg zum Yystoh befiehlt.

Holprig geht’s los („dä Schyssmarsch hänn mr doch am morge scho pfyffe, das länggt“) und wird immer schöner. Schon in der Webergasse vermag die Gruppe eine Gugge zu übertönen (By the way: syt wenn gugge die Gugge scho am Sunntig zoobe?)! Auf der mittleren Brücke, mittendrauf, mit Blick auf den Rhein, auf die Schiffe und auf die untergehende Sonne: die Basler Hymne. Wenn das von der Pfyfferchefin getimt war, dann war s grandios. Sonst einfach ein sehr schöner Zufall. Nach der Brücke biegt die Ladäärne in die Eisengasse, dutzende Male fotografiert von Touristen, denen man hoffentlich später ein Fasnachtskontingent zur Verfügung stellt….

Vor der Hauptpost enthüllt der Sujetchef die Ladäärne und alle zücken ihr Händi, sujetgerecht, und fotografieren das Juwel. Verschämt schaut man auf die Ladärnesytte um zu prüfen, ob man dort verewigt wurde… Danach wird die Ladärne in der Hauptpost geparkt, zwischen einem Dutzend anderen und ich frage mich, wann wohl der Morgestaich kommt, wo d Nasedrepfli mit der Lambbe der Agfrässene davon marschieren… Die Clique marschiert wieder ab in Richtung Keller, zur Mehlsuppeb-Hypothek, warum das so heisst, ist unklar. Egal. Nach der Suppe noch ein Bier und dann ab ins Näscht. Das Glöggli am Märtblatz ist bereit….