Die Fähre verbindet nicht nur seit Jahrhunderten die beiden Stadtteile in Basel, sondern ist auch der Spielort des „E Bsuech im Fasnachtshuus“ (EBIF). Eine Fähre in die Safran Zunft zu installieren, damit auf ihr eine ganze Vorfasnachtsveranstaltung stattfinden kann ist ein grandiose und geniale Idee. Denn wo sonst spielt sich der normale Alltag auf so wenig m2 ab. Wo sonst erzählt man seine Sorgen, wenn nicht dem Fäärimaa, „Hösch“.
Die Fähre als verbindendes Glied zwischen den klassischen Männerstimmen einerseits und den Swiss Mariners Chanteyman und Seemannsliedern auf der anderen Seite. Diese machen den Auftakt. Der fliessende Übergang zum Ensemble am Fasnachtdienstag und Fäärimaa Rämschgi (Philipp Wingeier) erfolgt wie eine sanfte Landung am Steg. An diesem warten Fasnächtler, welche die Route abkürzen wollen oder auch die Pfeifergruppe „Nemoöse“, welche auf ein Fondue hereinschauen. Dieses wird vom Buure-Blitz (Pasquale Stramandino) geliefert, welcher danach noch auf dem Claraposten Testosteron-Würste liefern muss. Anschliessend besteigen die Mariners die Fähre und geben ihr Lied „Suffe“ zum Besten. Abgelöst werden sie von den Pfeifern (Valeria Balmelli, Valentina Braun, Lea Erni, Sophie Fischer, Loris Hofer, Lea Jeger, Mia Jeger, Jonas Paul, Colin Robertson und Aline Zeller) und Tambouren (Stefan Freiermuth, Marc Hutter und Werner Zumsteg abwechselnd mit Nico Hostettler, André Rütti und Tamino Weggler) mit dem Fäärimarsch von Michael Robertson und Rolf Schlebach.
Nach der Vorspeise geht es mit einem wunderbar vorgetragenen Ohremiggeli weiter. Das heikle Thema der Rheinbestattung wird hier auf besinnliche, witzige und ernste Weise thematisiert. Das Gespräch zwischen Fäärimaa Rämschgi und seinem Freund (Heinz Margot) zeigt verschiedene Blickwinkel zum Thema auf, ohne die Seriosität zu verlieren. Genau hier macht der Auftritt des Schnitzelbanggs Schunggebegräbnis Sinn. Grandiose Verse über die baldige neue Rarität im Zolli oder die Bauzeit von Pyramiden zu Basel zeigen, dass sie nicht zu unrecht seit Jahren zu den Top-Bängg in Basel zählen. Hier kommen die musikalischen sowie spitzen Verse zum tragen. Mystisch wird es mit den beiden Pfeifern (Loris und Jonas) und dem grandios vorgetragenen Paradysgärtli. Zurück auf die Wellen des Rheins bringt die Zuschauer das Lied mir isch nym wool von den Chanteymen. Nachdem wieder ernsteren Teil mit dem Fäärimaa und einem Gespräch um die Angst vor dem Tod, bilden die Männerstimmen den choralen (und lateinischen) Abschluss vor der Hauptspeise.
Dass der Männerchor ein Lied übers Fasnachts-Comité hervorragend umsetzt, ist sowohl unerwartet als auch schelmisch. Trommelsolist Stefan Freiermuth gibt eine Retrait Diable zum besten, dass nicht nur die Fähre bebt, sondern auch die Zuschauer mit einem grossen Applaus würdigen. Was bis jetzt jedoch noch nicht auf dem Rhein zu sehen war, ist ein Elch (Moose). Diesen besingen die Chanteymen in einem frivolen Lied ausnahmsweise auf englisch. Auf der Fähre tummeln sich nicht nur an der Fasnacht unterschiedliche Menschen. So auch Influencer Heiri (Pasquale) und nimmt so eine Rolle ein, welche ihm, natürlich völlig überspitzt, wohlbekannt sein dürfte. Auf der rechten Rheinseite angekommen besteigt die Spootschicht Rhygass das lautlose Schiff. Obwohl sie ein relativ junger Schnitzelbangg sind, haben sie sich mit ihren unerwarteten Pointen bereits einen Namen gemacht. So wurde auch der anwesende kleinbasler Bundesrat Beat Jans mit treffenden Versen bedacht. Somit wird auch hier eine Verbindung zwischen den etablierten Schunggebegräbnis und den Newcomern Spootschicht Rhygass geschlagen, welche beide später noch einen Banggüberfall (zwei Schnitzelbängg singen zusammen) zelebrieren.
Nach dem Dessert spielten die Pfeifer- und Tambourenformation mit dem Joung-Bois auf. Die Formation besteht nicht nur aus amtierenden Podestplatzinhaberinnen und -inhabern des diesjährigen Offizielle, sondern zeigt auch eine grandiose Homogenität im Zusammenspiel. Auf den Brettern, die der Rhein bedeutet geht die Suche nach „Hösch“ jedoch weiter. Hösch ist der eigentliche Fäärimaa, welcher seinen Sohn nunmehr fast die ganze Fasnacht seinen Sohn alleine die beiden Rheinseiten bedienen liess. Rämschgi, Höschs Sohn, erzählt, was die Fahrgäste ihm so alles anvertrauen. Ganz nach dem Motto „verzell du das im Fäärimaa“. Wie das Seil über den Rhein, spannen nun Spootschicht Rhygass und Schunggebegräbnis zusammen. Eine gesangliche Vereinigung gibt es zwischen dem Männerchor und den Chanteymen, getreu dem Motto „zämmestoo“. Eine fasnachtsmusikalische Vereinigung bildet das SoloDuo (Valeria und Marc) mit dem Rhysprung. Allesamt Vorträge auf allerhöchstem Niveau. Schlussendlich findet sich der verschwundene Hösch (Walter Aeppli) doch noch auf der Fähre ein und erzählt von seiner aussergewöhnlich gewöhnlichen Liebe. Und natürlich ist dies der Auftakt für die Dief-Flieger und einem Medley aus ihren bekannten Stücken, allen voran natürlich Fäärimaa.
Nicht nur die Ensemble und musikalischen Beiträge waren auf höchstem Niveau, auch das Menü der Safran Zunft. Zur Vorspeise wird hausgebeizter Salm mit bunten Randen und Frischkäse serviert. Die Hauptspeise bildet der Regio Rindsfleischvogel „Heedy“ (aufmerksame Gäste bemerken den Zusammenhang zur vorherigen Nummer) an Kartoffel-Mousseline und Wurzelgemüse. Das Dessert setzt sich aus Läggerli-Mousse, Raamdääfeli-Crumble und Hypokras-Gel zusammen. Hier kann gesagt werden, dass 6 von 6 möglichen Räppli vergeben werden können.
Fazit des dargebotenen Abends ist ein sensationelles Fasnachtshuus. Der Kapitän Patrick Stalder navigierte die Texte von Roland Suter und Heinz Margot, der ebenfalls Regie führte, so sicher über den Rhein wie die Rollen auf den Fäärlaufseilen. Die Schauspielerin Smadar Goldberger und Pasquale Stramandino wirkten in den unterschiedlichen Rollen überzeugend und wandelbar. Philipp Wingeier als Fäärimaa Rämschgi zeichnete sich nicht nur durch sein Mimikspiel, sondern auch durch seine musikalische Vielfältigkeit aus. Eine Standing Ovation scheiterte an den Platzverhältnissen, und somit wurde der Dank mit einem minutelangem Applaus gekundet. Die Verbindung zwischen so vielen unterschiedlichen Elementen, Bewährtem und Neuem sowie Fasnacht und Alltag ist absolut grossartig gelungen.
Die Vorstellungen sind vom Mittwoch, 19. Februar bis Samstag, 1. März 2025 jeweils um 19.30 Uhr (Türöffnung um 18.45h) und waren nach 24 Stunden bereits ausverkauft.



