Dr Mäntig (II): Cortège im Sunneglanz

10. März 2014 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wie kann man einen solchen Montags-Cortège noch steigern? Eigentlich gar nicht: Wetter, Stimmung, Sujets alles schlicht „Basel-Klasse“ (was in diesen Tagen mehr ist als Weltklasse). Entsprechend gedrängt waren die Reihen entlang der Route, was aber trotzdem zu keinen nennenswerten Staus oder Lücken führte. Alles perfekt also – da kann man nur eines hoffen: Es möge so weitergehen!

Insgesamt 466 Einheiten hatten sich für den diesjährigen Cortège angemeldet. Da versteht es sich von selbst, dass wir hier nur eine ganz kleine Stichprobe veröffentlichen können. Die leider nicht Erwähnten seien versichert – ihr ward genauso gut, und vielleicht klappt es am Mittwoch…

Das es mit dem Wetter so gut klappte, ist eventuell der Logen-Clique zu verdanken, die auf ihrem Wagen einen lebensgrossen Papst mitführten. Wobei es fraglich ist, ob die Besetzung dieses Postens mit dem Cliquenobmann adaequat war, heisst es doch auf dem Zeedel über einen Ausflug der Logenbrüder nach Rom:

Sie hänn z Rom welle biichte
Am Biichtstuel schtoht „bsetzt“
Hänn sich zem Warte in die erscht Raihe gsetzt
E Mönch sait, ihr Liebe, das macht jetz kai Sinn
Das goot no drey Wuche, der Obmaa isch dinn

Eine gute Nase haben die Jungen des Central Club gehabt: Sie reimen „Summer vo Merze bis Hornig? – Sch’nornig!“. Sie sind auch personell gut unterwegs, während die Junge Garde des Barbara Club gerade mal einen Tambour vorzeigen kann. Die anderen haben anscheinend das Sujet beherzigt: Mir pagge unseri Kefferli“. Gewolllt nur zu zweit unterwegs – und dies notabene seit 1986 – sind Die zwai Ainzige, die über den „Goschdyymzauber“ sinnieren:

Eb Vogel, Keenig oder Affe
Cleopatra, alti Dante, Gaischt
eb Saili, Waggis wo duesch (er)schaffe
s Goschdyym wo de am Änd denn draisch
Es isch daas was dr am Härze litt

Ein Aufwärtstrend scheint bei den Chääse festzustellen zu sein, die wieder mehr Masse – und vor allem Klasse – auf die Route bringen. Stellvertretend die Lämpelyysi, die auf dem Zeedel herrlich reimen:

Nit jeede Bääse, wo kha lääse
isch e Wääse fir e Chaise
und gheersch du doch zue dääne jääse
(villicht au rääse) Chaise-Wääse
khasch sicher sy – s wischt kain vom Tisch –
dass du scho rächt exootisch bisch

Weitere Bilder gibt es in unserer Bildergalerie

Neben den am meisten ausgespielten Baustellen etwa von den LäGGerli-HaGGer, die auch gleich einen Bauwagen mitbringen –, regt sich auch an dieser Fasnacht – begründet! – Widerstand gegen die ewige Verbieterei. So titelt die Junge Garde der Seibi „Für jede Schrott e Verbott“:

He Duu do – Halt! Stop! Dasch Befähl und kai Bitt!
Do stoht e Verbott! Oder gsehsch’s lieber nit?
Das isch typisch Jugend, die mache nur Seich!
Die kenne kei Tugend und wärde kuum bleich!

Als Köche kommen die Luftschnapperli und kochen aus demselben Grund vor Wut:

Dörfsch nümm plaudere, nümm lache, s isch efang wirgglig e Groll
mir hänn vo dääne unnötige Verbott aifach langsam d Nase voll

Noch ernster wird es beim Stamm der Sans Gêne mit dem Sujet „Flaisch wie guet“ und einem Zug voller halb-gemetzgeter Säue mit Messern und Gabeln in der Larve oder den bereits abgeschnittenen Kopf am Galgen. Tröstlich und echt fasnächtloch: sie fordern nicht wie ein paar Studenten an der Basler Uni (die natürlich nicht baseldytsch redeten) ein Fleisch-Verbot, sondern reimen versöhnlich:

S bruucht kai Verbot und kaini Schrangge
kai Vorschrift, was me mache soll
nur ab und zue e baar Gedangge
Hey Bebbi iberleg emool…

Nach so viel schwerem Stoff enden wir hier aber (natürlich nur vorläufig) mit etwas leichterem. Endlich wird einem das Schwingen so richtig gut erklärt und zwar von den Knochestampfer Waggis:

Schwinge isch im Grosse Ganze
wenn zwai so dien als wurde si danze
und bletzlig wird’s em ainte z dumm
är paggt dr ander und wirft en um.

Uns kann nach diesem schönen Tag nichts umwerfen – ab uf d Gass – und wenn mir is gsehn, drno nämme mir aine, gäll!