Dem Fasnachtssujet „Gäll, blyb suuber“ machten Petrus und der Morgestraich alle Ehre. Bei trockenem und nicht allzu kalten Wetter konnten die Aktiven in die drey scheenschte Dääg starten, die alle Attribute einer Jahrhundertfasnacht in sich tragen – und zwar, was Wetter wie die Sujets betrifft. Entsprechend riesengross waren auch Andrang und Gedränge an den Strassenrändern.
„Aigentlig isch es wie allewyl“, meinte ein Altbasler am Strassenrand, als die Laternen der Stammcliquen vorbeizogen, und bezog sich dabei auf die unzähligen Bauabschrankungen und Verbotsschilder. Nur sind diese seit heute morgen nicht hauptsächlich auf den Strassen und Plätzen zu sehen, sondern gemalt auf eben jenen Laternen. Der permanente „Aufriss“ der Mannen und Frauen um Grabendirektor Wessels ist und bleibt ein Hauptsujet der Basler Fasnacht 2014.
Es gibt wie immer viele fröhliche – und erfreulich regionale – Töne unter den ausgespielten Sujets; dies kann man nach einer ersten kurzen Laternenparade bereirs sagen. Mehr wird sich am Cortège und auf den „Zeedel“ enthüllen.
Aber es gibt auch sehr nachdenkliche Töne, etwa, wenn T-Shirts thematisiert werden, die wir nur wegen der Kinderarbeit in Bangladesh hier so günstig erwerben können. Auch sind nicht wenige Totenköpfe auf den „Lampen“ zu sehen. Besonders eindrücklich bei den Alten Stainlemer, wo eine regelrechte Totenkopf-Halde an die Toten beim Bau von Fussball-WM-Stadien mahnt – dies mit dem lakonischen (und wohl oft wahren) Satz „S isch doch Wurscht“.
Nicht „wurscht“ aber jedes Mal eine eigentliche Sensation ist, wie die verschiedenen, aus allen Richtungen herankommenden Formationen am Marktplatz und Seibi aneinander recht reibungslos vorbeiziehen. Und dies ganz ohne Verkehrspersonal in roten oder gelben Jacken… Hier einmal ein Hoch auf die vielleicht unterschätztesten Fasnächtler: die Vorträbler, welche den Weg bahnen und die nachfolgenden Kolleginnen und Kollegen auf Hindernisse und Schwellen aufmerksam machen.
Speziell erwähnen wollen wir hier aus gegebenem Anlass noch die „Verschnuuffer“ – denn keine Clique dürfte den Morgenstraich so oft geübt haben wie diese. Am Drummeli traten sie mit einer Morgenstraich-Nummer auf und dem Gag, dass der Vortrab an den Bühnenrand trat und ins Publikum hinunterblitzte. Dieser pädagogische Ansatz hat leider nur mangelhaft gewirkt: Auch im 2014 wurde geblitzt, was das Zeug hält.
Nach einer halben bis ganzen Stunde leerten sich die Strassen etwas, die Aktiven wie die Zuschauer wärmten sich bei Mehlsuppe sowie Zwiebel- und Käsewaihen. Dieses Geschäft dürfte in den Morgenstunden bei etwa 3 Grad besser gelaufen sein als dann am Nachmittag. Bei 17 Grad und mehr dürften Cüpli, Stange und Wyyse den Kaffi Lutz lückenlos ersetzen.
Erwähnt sei noch etwas positives, was dem Schreiberling während des Verfassens dieses ersten Berichts auffiel: er liess sich nämlich von der Wiederholung der Telebasel-Übertragung begleitend motivieren – und das funktionierte. Der unaufgeregte Kommentar von Franz Baur, normalerweise als FCB-Reporter für Radio SRF unterwegs, hob sich nicht zuletzt durch umfassende Sachkenntnis von früheren Versuchen ab. Und wer nur die Geräuschkulisse wollte, hatte ja noch einen zweiten Tonkanal.
Aktuelle Fotos folgen im Laufe des Tages.


