100 Jahre schweizerische Luftwaffe steht im Mittelpunkt der neunten Auflage des Basel-Tattoo, wobei das militärische Element nicht im Vordergrund steht sondern die Musik, Farben, Formen, Bewegungen, Rhythmus und Präzision die das Premierenbesucher begeistern konnten. Die spektakulärsten Programmpunkte waren dann jedoch am Himmel zu bestaunen.
„Flyin’ to the Skies“. Mit diesem musikalischen Einstieg eröffneten gleich mehrere Musikcorps das diesjährige Basel-Tattoo und während die, noch aktuelle, Schweizerische Nationalhymne in die Abendstimmung geblasen wurde, erschien majestätisch eine Ju 52 über dem Gemäuer des Kasernenareals und überflog die Arena im Tiefflug. Ein fasziniertes Raunen ging durchs Publikum.
Nun standen traditionell die Massed Pipes and Drums im Torbogen der Kasernenfassade. Wie ein Hummelschwarm brummten die Drohnen und gingen schliesslich in ein umfangreiches Set mit Sixth of June 1944, Rhu Vaternish, Pipe Major Ian Hughes, The Soldiers Return oder Yvonne Hürlimann March, um nur einige zu nennen, über. Wunderbar präzise, mehrstimmig und rhythmisch einwandfrei, verzückten die Formationen, welche sich aus Musikern aus Grossbritannien, Australien, den Niederlanden und der Schweiz zusammensetzten, die Besucher.
Jung und dynamisch präsentierte sich in der Folge die Militärmusik Rekrutenschule 16-1/2014 der Schweizer Armee. Ein moderner Musikreigen angefangen mit einem Stück der legendären Rockgruppe Queen, wurde hier in die Arena geschmettert. Ungewöhnlich locker und mit Hüfteinsatz zeigten sich hierbei die jungen Musiker, konnten jedoch auch stocksteif mit einem gekonnten Jodler (de Wildhuser) brillieren. Das Folkloristische fand also ebenfalls Platz im umfangreichen Repertoire dieser Formation. Mit der bekannten Melodie „Conquest of Paradise“ bildeten die Rekruten alsdann eine beweglichen Kreis und während sich viele Gäste noch auf das Spiel konzentrierten, bemerkten einige, dass sich vom Himmel her etwas in Richtung Arena bewegte. Vier Fallschirmspringer der Schweizer Armee hatten die Absicht im gebildeten Kreis der musizierenden Rekruten zu landen. Die Absicht hatten alle und drei von Ihnen haben es, unter dem tosenden Applaus des Publikums, auch hervorragend gemeistert. Nur einer ist ausserhalb der Arena gelandet, ist jedoch mit etwas Verzögerung ebenfalls, wenn auch zu Fuss, unverletzt zu seinen Kameraden gestossen. Eine wirklich spektakuläre Aktion. Mit der „Gilberte de Courgenay“, verabschiedete sich das Schweizer Militärspiel.
Aus Singapur stammen die Musiker, welche den nächsten Programmpunkt bildeten. Die seit 20 Jahren bestehende Singapore Armed Forces Central Band in ihren weissen Uniformen sind daran sich in der Militärmusik einen Namen zu machen. Dies haben sie Basel eindrücklich unter Beweis gestellt. Während die Musiker das Ohr der Besucher erfreuten, haben die graziösen Tänzerinnen und Tänzer dafür gesorgt, dass das Auge auch nicht zu kurz kam. Anmutig, geschmeidig aber auch sportlich sorgten diese mit Schwertern, Speeren, Bändern und Fächern als Requisiten für Wohlgefallen, während das dazugehörende Drillteam mit präzisen Formationen und komplizierten Drills begeistern konnte.
Von der asiatischen Grazie überleitend zu traditionellen Schottischen Tanzschritten, brachten die OzScot Highland Dancers aus Australien, bereits zu dritten Mal ein weiteres Kulturgut von Schottland nach Basel. Die besten Tänzerinnen aus Australien zeigten einen Mix aus traditionellem Highland Dance unter der Begleitung von Pipes und Drums-Klängen und unerwarteten Elementen mit BigBand-Musik. Ein Augenschmaus.
Bestimmt von der Schnellen Truppe sind die Band and Bugles of The Files aus Grossbritannien. Im Laufschritt spulen sie ihre Stücke ab, ohne jedoch die Präzision und Qualität der Musik zu beschneiden. Verständlicher Weise hat der Basel-Tattoo-Produzent Eric Juillard bereits im Vorfeld spasseshalber erwähnt, dass er diese Formation anlässlich der Tattoo-Parade vom kommenden Samstag nicht als Erste laufen lässt, da sie die restlichen Gruppen abhängen und für eine grosse Lücke sorgen würden.
Das Thema aus dem in den 70er Jahren produzierten Hörspiel „War of the World“ bildete den Höhepunkt in ihrer Darbietung. Eine Inszenierung ,welche eindrücklich mittels Feuerbällen an der Kasernenwand untermalt wurde. Grandios.
Nun wurde es etwas ruhiger in der Arena. Mit der Verpflichtung der Changxing Lotis Dragon Folklore Group aus China, ist den Tattoo-Produzenten ein wunderbarer Coup geglückt. Farbenfroh, anmutig und melancholisch zauberte diese Gruppe ein wenig chinesisches Wohlgefühl in die Arena und begeisterte das Publikum mit ihrem Lotusblüten-Drachentanz. Die asiatischen Klänge und die Lichtchoreographie im Zusammenspiel sorgten für ein abgerundetes Gesamtkunstwerk. Sehenswert.
Die Central Band of the Royal Air Force, die Pipes & Drums of the Royal Air Force und die Queen’s Colour Squadron aus Grossbritannien, brachte das Publikum wieder zurück ins Jubiläumsjahr der Schweizerischen Luftwaffe. Das musikalische Spiel der beiden Bands wurde hierbei mit Motorengeräuschen von überfliegenden Flugzeugen aus den Lautsprechern markant unterstützt.
Die 32 Soldaten der Queen’s Colour Squadron, welche ebenfalls Aktive und in den Brennpunkten in Afghanistan und Irak zum Einsatz gekommen sind, glänzten alsdann mit komplexen Schrittfolgen und Drills auf höchstem Niveau.
„Walizing Matilda“, schon bald ein Evergreen auch in Basel. Nicht zum ersten Mal konnte die Australian Army Band ans Rheinknie geladen werden und auch nicht zum ersten Mal konnten diese mit ihrer ungezwungenen, sympathischen und aufgeschlossenen Art das Publikum begeistern. Wiederum konnten sie gesanglich wie spielerisch überzeugen, wobei spielerisch hier auch wörtlich zu verstehen ist, da sie die Kaserne kurzerhand in ein Australien-Rugby-Stadion umfunktioniert haben. Sie hatten erneut keinerlei Probleme das Publikum für sich einzunehmen. Immer wieder ein Erlebnis.
Die einzelnen Programmpunkte waren nun vorbei und der Speaker René Häfliger kündigte das grosse Finale des diesjährigen Basel-Tattoo an. Ganz verwundert fragten sich einige Gäste: was, schon? Eine Aussage, welche die Kurzweiligkeit des Programms klar unterstreicht.
Unter den Klängen von „Land of Hope and Glory“, „Minstrel Boy“, “I Vow to Thee My Country” und “A Swissman in Singapore” formierten sich alle Musikcorps in der Arena und schmetterten schliesslich noch “Oh läck Du mir” in den Nachthimmel, wobei das Premierenpublikum lauthals mitgesungen hat.
Alsdann gesellten sich die Massed Pipes and Drums dazu und gemeinsam spielten sie die Basel-Tattoo-Hymne „Celtic Crest“. Gänsehaut pur!
Mit dem Panflötist, dem 18 Jährigen Aargauer Jonas Gross, stand nun ein weiterer musikalischer Leckerbissen auf dem Programm. Der aus der Feder von James Last stammende „Einsamer Hirte“ liess dem Publikum vor Entzücken den Schauder über den Rücken laufen und auch das anschliessende „Amazing Grace“ gespielt von allen Protagonisten, sorgte nochmals für wohlige Gänsehaut. Mit tosendem Beifall wurde Jonas Gross verabschiedet. Ein weiterer Höhepunkt.
Zur Schweizer Nationalhymne durften sich die Besucher dann erheben und blieben schliesslich für „Evening Hymn and Sunset“ stehen. Hierbei ehrt man die im Krieg gefallenen Kameraden und gleichzeitig wurden hier den aktuellen Opfer des Flugzeugabsturzes über der Ukraine gedacht.
„Oft in the Stilly Night“ gespielt vom einsamen Dudelsackspieler, hoch auf dem Kasernenturm schloss den musikalischen Reigen über das Basel-Tattoo 2014. Mit dem „Basler Marsch“ verabschiedeten sich schliesslich die Musikcorps und bevor sich die Massed Pipes and Drums traditionell mit „Black Bear“, „Scotland the Brave“ und „Highland Laddie“ aus der Arena entfernen durften, musste die Dirigentenbühne aus dem Weg geschafft werden. Die Kulissenschieber Däni und Roland haben auch diese Aufgabe glänzend erledigt und so war der Weg für die Massed Pipes and Drums frei für ihren Abschied.
Das Basel-Tattoo 2014 ist ein absoluter Überflieger. Die Musikcorps sind erneut grandios, die Pipes and Drums prima, die tänzerischen Einlagen von charmant, anmutig bis sportlich präzise, der Programmablauf lückenlos, die pyrotechnischen- und Lichteffekte spektakulär und die Überraschungen aus der Luft atemberaubend.
Die Musikalische Unterstützung des Basel-Tattoo-Chors war wie immer hervorzuheben und auch die Musiker im Backround rundeten durch ihr Zutun einen erneut tollen Event ab. Es darf sich jeder auf ein hochklassiges Basel-Tattoo freuen, der sich ein Ticket erhaschen konnte.
Basel Tattoo 2014. 18. – 26. Juli. Vorstellungen 17.30 Uhr (Mi. – So.) und 21.30 Uhr. Resttickets im Tattoo-Shop an der Schneidergasse oder im Abendverkauf auf dem Kasrnengelände. SRF 1 nimmt an den Abendvorstellungen vom 21. und 22. Juli auf und sendet das Spektakel am 13. September um 20.05 Uhr


