Volles Engagement für die Wagen-Fasnacht

27. August 2026 | Von | Kategorie: Nachrichten

Während 20 Jahren war Roger Borgeaud Obmann der Wage-IG. Im Gespräch blickt er auf die Zeit zurück und berichtet von Herausforderungen, Knochenarbeit und schönen Momenten.

“Es war eine gewaltig interessante und tolle Zeit”, resümiert Roger Borgeaud. Seit Juni dieses Jahres ist er nicht mehr Obmann der Wage-IG. Ganze 20 Jahre hatte er dieses Amt inne. Als höchster Vertreter der Interessen der Basler Wagencliquen hatte er mit den Behörden, dem Fasnachts-Comité und den Medien zu tun – und mit insgesamt 114 Wagencliquen, die der Interessensgemeinschaft angehören.

Roger Borgeaud, Ehrenpräsident der Wagen-IG

In dieser Zeit pflegte Borgeaud ein grosses Netz an Kontakten und dementsprechend sah er sich mit den unterschiedlichsten Positionen konfrontiert. Das, was andere vielleicht als anstrengend empfinden, ist genau das, was ihm gefiel: “Ich fand es schon immer interessant, in Diskussionen verschiedene Meinungen zu hören.” Daher wurde er schon bald als Vorstandsmitglied seiner Wagenclique Ammedysli an Treffen mit den anderen Obleuten entsandt. Er kam in den Vorstand der Wage-IG und 2006 übernahm er das Amt des Obmanns. Seine offene und kompromissbereite Art nahm er auch ins neue Amt mit: “Es gab nur eins: ein Miteinander”.

“Für mich ist eine Welt zusammengebrochen”

Miteinander gab es nämlich direkt ein Problem zu lösen: Wegen eines Konfliktes über die Beschaffung des Wurfmaterials – eine der Hauptaufgaben der IG – hatten viele Wagencliquen vor seiner Amtsübernahme die IG verlassen. Borgeaud machte sich einen Fünfjahresplan. Eines der Ziele: Wieder 100 Cliquen in die IG zu bekommen. Schon nach drei Jahren war dies erreicht.

Allerdings war seine Anfangszeit als Obmann auch durch ein tragisches Ereignis geprägt. 2007 starb ein Kind, nach dem es von einem Waggiswagen überrollt worden war. “Wir haben geweint. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen”, erinnert sich Borgeaud. Nach der Trauer wurde er im Namen der Wage-IG aktiv. Er steckte sich das Ziel, die Sicherheit zu erhöhen, ohne dass eine Wagenclique auf ihre geliebte Fasnacht verzichten musste.

In intensiver Zusammenarbeit mit den Behörden erarbeitete die Wage-IG ein neues Sicherheitskonzept. Drei Jahre später wurde es definitiv und für alle Wagen verpflichtend umgesetzt. Keine Wagenclique hörte deswegen mit der Fasnacht auf. Rückblickend räumt er ein: “Die Sicherheit war schon schlecht,” nicht nur für das Publikum, auch für die Wägeler selbst war es zum Teil gefährlich. Das Thema Sicherheit, Borgeauds grösste Herausforderung, ist bis heute aktuell. Seither sind zwei Standardtermine im Kalender des Wage-IG-Obmanns jeweils ein Briefing und ein De-Briefing mit der Polizei.

Die vielen Aufgaben des Obmanns

Bereits sein Vater war Wägeler, auch bei der Wagenclique Ammedysli 1946. Schon früh hat er mitbekommen, wie sein Vater und andere Wägeler sich vom Comité schikaniert, sich als Fasnächtler “zweiter Klasse” gefühlt hätten. Dieses Empfinden konnte Borgeaud zwar nie teilen, nahm aber dies aber stellvertretend als Herausforderung: Er wollte “das Image der Wägeler aufpolieren”. Er selbst habe sich immer ernstgenommen gefühlt, “jede einzelne Sitzung war konstruktiv.” Bestimmt leistete er mit seiner Art auch einen Beitrag dazu.

Eine zentrale Aufgabe, die die Wage-IG zu erfüllen hat, ist die Beschaffung des Wurfmaterials. Unterdessen können alle Cliquen der IG zentral im Online-Tool ihre Bestellungen abgeben. Der Vorstand kümmert sich dann um die Beschaffung des Wurfmaterials und handelt die bestmöglichen Konditionen aus.

Daneben ist der Obmann der Wage-IG in der Verkehrskommission des Comités vertreten. Gefragt nach den Staus und Lücken, die es letztes Jahr wieder gab, meint Borgeaud, dass es nicht an der Arbeit der Kommission läge. Einzelne, die sich nicht an den Ablaufplan halten, würden diese verursachen. “Da wünschte ich mir etwas mehr Disziplin – wenn man wüsste, wie viel Arbeit in dieser Planung steckt!”

Weitere Aufgaben sind die Kommunikation mit allen Wagen-Obleuten, die Organisation der Plätze in der Messehalle für den Wagenbau sowie neuerdings, seit dem Verbot der motorisierten Wagen am Fasnachtsdienstag, die Wagenburg beim Theater. Seit 2014 wird auch die jährliche Vergabe des “Goldige Räppli” organisiert – eine Auszeichnung des schönsten Waggiswagens.

Und in Zukunft?

Die Arbeit eines Wage-IG-Obmanns wird auch in Zukunft nicht weniger. Roger Borgeaud nimmt an, dass das Thema Abfall und Prävention von Food Waste bald zu tun geben wird. Schon heute achtet die IG darauf, dass Orangen – wo möglich – in Mehrwegbehältern statt wie bisher in Karton-Schachteln geliefert werden. Die Menge des bestellten Wurfmaterials hat aber mit der steigenden Anzahl an Formationen stetig zugenommen. Hier könnten sich die Erwartungen an die IG in Zukunft verändern.

Diese neue Aufgabe wird ihn aber nicht mehr direkt betreffen. Nach zwanzig Jahren im Amt sei es Zeit für einen Wechsel – obwohl er keineswegs amtsmüde geworden ist. Im Gegenteil: Einiges wird ihm fehlen, am meisten das Pflegen der vielen Kontakte. Sich ganz zurückziehen muss er auch nicht. Als Ehrenpräsident der Wagen-IG ist er nach wie vor bei den Vorstandssitzungen dabei. Sein Engagement für die Fasnacht geht weiter, das ist unbestritten.

  • Dieser Beitrag ist Bestandteil  der Partnerschaft zwischen fasnacht.digital und fasnacht.ch. Text und Bilder: Tim Buser