Laternenmalerin mit Herzblut 

8. August 2026 | Von | Kategorie: Nachrichten

Seit 40 Jahren malt Mimi Pierig Fasnachtslaternen. Was sich in dieser Zeit verändert hat, was eine Laternenmalerin im Sommer macht und welche Idee sie über die Jahre nie losgelassen hat, erzählt sie im Gespräch.*  

„Ich bin doch keine Pionierin, bin ich schon so alt?” Das sei ihre Reaktion gewesen, als Mimi Pierig mal als eine solche bezeichnet worden war. Dabei ist Pionierin gar nicht so unpassend, bei alldem, was sie über ihre Anfänge als Laternenmalerin erzählt. Sie war nämlich die mit Abstand jüngste Person und die erste Frau, die in den ILMV aufgenommen wurde – den “Internationalen Laternenmalerverband”. Die damals 20-Jährige, die bereits Stammlaternen malte, hatte sich zunächst anhören müssen, dass man “keine Wyber” aufnehme. Als sie erwiderte, dass das aber schade sei, da ihr Vorbild und Mentor Werner Nänny sie sehr empfehle, sah es plötzlich ganz anders aus. Heute gehört sie zu den langjährigsten Mitgliedern des ILMV und schätzt die Geselligkeit nach wie vor.  

Gemeinsam in der Halle 

Die Laternenmaler, mit denen Mimi anfangs zu tun hatte, “waren alle Persönlichkeiten”. Und wie es bei Künstlern dazugehört, hat sie schon mehrfach mitbekommen, wie krisenanfällig die Arbeit sein kann. Auf die Frage, ob sie auch schon eine Laterne ganz verwerfen musste, erwidert sie: “Nein, wir Frauen malen einfach weiter”. Eine Laterne “runterwaschen” oder ganz verwerfen, taten eher ihre männlichen Kollegen, bei denen sich geniale und Krisenmomente abwechseln konnten.  

Zur Gründung des ILMV kam es 1970 insbesondere, weil ein Ort gefunden werden sollte, an dem alle Laternenmaler arbeiten und sich austauschen konnten. Obwohl sich in der Zwischenzeit einiges geändert hat, der kollektive Effort, eine geeignete Halle für Laternenmaler:innen zu finden, ist geblieben. Die Messehalle 5, in der die Maler:innen zuletzt mit den tiefen Temperaturen zu kämpfen hatten, wird abgerissen. Es bedurfte die Gründung eines neuen Vereins, um gemeinsam wieder eine Halle zu organisieren – mit Erfolg. “Im November ziehen wir wieder in den ersten Stock der Rundhofhalle”, diejenige Messehalle, erzählt Mimi, in der sich die Temperaturen etwas weiter über dem Gefrierpunkt einpendeln als in der letzten. 

Was eine Laternenmalerin im Sommer so macht 

In den frühen Jahren arbeitete Mimi abends in der Halle, oftmals war sie die Letzte vor Ort. Allein in der riesigen Halle, umgeben von den grossen Laternen fragte sie sich, was hier so alles geschieht, wenn gar niemand dabei ist. Wohl so einiges, malte sich die Künstlerin aus und mit der Zeit reifte die Idee eines Laternenmaler-Märchens. 

Der “Nachts in der Laternenhalle”-Gedanke liess die hauptberufliche Grafikerin während dreissig Jahren nie los. Nun ist sie dabei, ihr Herzensprojekt umzusetzen und illustriert ein Fasnachts-Bilderbuch:“Es ist das erste Fasnachtsbuch, bei dem es nur ums Laternenmalen und das Leben in der Halle geht.” Das passende Hörspiel liess sie bereits vertonen, zudem soll es zum Buch einen Fasnachtsmarsch und eine passende Laterne geben. Während sie den Sommer nutzt, um fleissig zu illustrieren, sammelt sie parallel Geld für den Druck des Buches.  

Handgemalt oder geplottet?  

Mit der Erklärung der Fasnacht als Weltkulturerbe würdigte die UNESCO explizit das traditionelle Handwerk und die bildende Kunst. Als langjähriges Mitglied ist Mimi, wie alle im ILMV, überzeugte Verfechterin von handgemalten Laternen. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Laternen immer gleich aussehen. Bei ihren Arbeiten ist keine bestimmte Handschrift zu erkennen. “Je nach Sujet überlege ich mir, welche Technik und welcher Stil am besten passt.” So hat sie letztes Jahr beispielsweise 120 Saublootere [Link Bajour] auf ihrer Laterne montiert, um den Fleischkonsum zu thematisieren. 

Sie hat aber eine klare Meinung zu geplotteten Laternen: “Ich finde sie seelenlos. Die Energie der Laternenkünstler:innen, kommt nur bei handgemalten Laternen rüber – und nur mit dieser Technik sind auch noch spontane Änderungen möglich.” Dennoch, erklärt sie, liessen sich je nach Laterenenkünstler:innen die unterschiedlichen Techniken gar nicht so klar trennen. So gibt es Laternenkünster:innen, die eigene Zeichnungen einscannen und auf die Leinwand drucken. Andere drucken ein fremdes Bild und malen darüber. Wieder andere designen digitale Bilder, die sie auf die Leinwand plotten, während neuerdings vereinzelt auch KI-generierte Bilder gedruckt werden. Soweit Mimi Pierigs handgemalte Laternen auch von digitalen Technologien und KI entfernt sind – ganz ohne technische Hilfsmittel arbeitet sie nicht: Ihren selbstkreierten Entwurf projiziert sie auf die Leinwand, um die Konturen nachzuzeichnen. 

Sujet vor Technik  

Obwohl selbst der handmalenden Tradition verpflichtet, ist sich Mimi Pierig bewusst, dass sich die Fasnacht als Tradition und somit auch die Laternen weiterentwickeln. Sie ist nicht der Ansicht, dass nur handgemalte Laternen einem künstlerischen Anspruch genügen können. Was sie mindestens genauso wichtig findet, ist die originelle Umsetzung eines Sujets. Auf die Frage, was denn eine gute Fasnachtslaterne ausmache, antwortet sie auch nicht mit einer bestimmten Technik, sondern mit dem Inhalt: “Eine gute Laterne sagt etwas aus. Und sie ist mutig.”  

Früher seien die Sujets stärker auf Basel bezogen gewesen, für Aussenstehende zum Teil gar nicht verständlich. Heute seien es globalere Themen, die umgesetzt werden. Was sie sich wünscht, ist, dass der spezifische Basler Humor dabei nicht verloren geht. Dazu leistet sie mit ihren alljährlichen zwei Laternen einen Beitrag und sieht auch das Potenzial der jungen Laternenkünstler:innen, mit denen sie in der Halle malt. Nicht zuletzt mit ihrem Kinderbuch will die Laternenmalerin ihre Passion auch den Kleinsten weitergeben. 

  • Dieser Beitrag ist ein erstes Ergebnis der Partnerschaft zwischen fasnacht.digital und fasnacht.ch. Text und Bilder: Tim Buser