Jubelgschpröch 2*: Der „Klangkeerper“ Chriesibuebe wird 25

28. Januar 2026 | Von | Bilder: Archiv Chriesibuebe | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Eine der besten Trommelgruppen in Basel feiert das 25jährige Bestehen. Das ist bei dieser Formation nicht selbstverständlich…

Wir treffen uns mit Ivan Kym (55), dem Gründer der „Chriesibuebe“ und Jonas Blechschmidt (59), deren Cortège-Tambourmajor,  zu einem „Jubelgschpröch“. Kym ist im Moment sehr beschäftigt: Nebst den fasnächtlichen Tasks hat er auch noch einen tennisspielenden Sohn, mit dem er sich regelmässig austauscht. „Ich bin schon müde, bevor die Fasnacht begonnen hat“, lacht Kym.

 

Wir wollen wissen, wie es vor 25 Jahren zur Gründung der Clique „Chriesibuebe“ kam. Ivan interveniert in parodiertem, reinen Baseldytsch sofort: „Also, mergg dr das: Mir sinn kai Drummelgrubbe, auch kai Clique – mir sinn e Klangkeerper! Me seht is nonig, aber uns heert me scho!“. Das ist einer von Kyms markigen Sprüchen, von denen in den folgenden zwei Stunden noch einige platziert werden. Dann  beginnt der Fricktaler in seinem „Fricktalerdialekt“ zu erzählen, wie er anfangs 90er Jahre von seinen Militärtambourkollegen zur Basler Fasnacht gelockt wurde. Er wurde sodann Tambour bei der JB Santihans und verbrachte mit ihnen seine erste Fasnacht: „Ich hatte drei Tage Stress! Sich dem Tempo einer Basler Clique anzuschliessen, war richtig Stress für mich! Da kamen auch die ersten Sprüche wegen meiner Herkunft und meinem Nummerschild am Auto (AG). Man hatte einfach grosse Bedenken, dass einer aus Möhlin etwas vom Basler Trommeln versteht“. Nachdem Ivan aber kurz nach seiner Basler Fasnachtspremière das Offizielle als Tambour gewann, wurde er von der Tambourengruppe „Ruesser“ zum mittrommeln eingeladen. „Mit den Ruessern erlebte ich tolle Momente. Da wurde wirklich gut getrommelt. Wir hatten die ersten Charivari-Auftritte, legten uns ein Kaminfeger-Outfit zu. Es war eine wirklich gute Zeit“. Nach 8 Jahren Ruesser und einem etwas chaotischen Abendessen während der Fasnacht beschloss Ivan einen Neustart. Und zwar einer, der die Basler Trommelwelt so schnell nicht vergessen würde. Die Idee war geboren: Zusammen mit seinem Trommelfreund Pascal  setzte er sich im Sommer 2000 an den Tisch in der Linde und konkretisierte sein Projekt „Chriesibuebe“.

Ivan:Ich wollte eine Formation mit den besten Tambouren bilden. So schrieb ich Briefe an jene 25 Trommler, denen ich schweizweit in den Finals der Trommelwettbewerbe immer wieder gegenüber stand und fragte sie, ob sie einen Tag mit mir an der Basler Fasnacht mitmachen möchten, als Freunde anstatt als Konkurrenten.  Es kamen 20 positive Antworten: 18 Tambouren und 2 Vordrääbler. Pascal und sein Vater, der Tambourmajor wurde,  waren davon die einzigen Basler!

2001 kam es zur ersten Fasnacht. Zum ersten Auftritt der „Chriesibuebe“. In einem selbst entwickelten und von Mamme Kym genähten Goschdym und mit einem „Chriesichratte“ als Accessoir am Goschdym.

Ivan: An dieser Fasnacht haben wir richtig einstecken müssen. Wir wurden als „Bauerntrommler aus Möhlin“ beschimpft und d Mögge, die wir uns anhören mussten, waren hart an der Grenze. Nur einer war ein bisschen wahr:  „Sie könne sauguet drummle, sinn aber nid luschtig!“.

Ivans Trommelkollegen kamen aber nicht aus Möhlin, sondern tatsächlich aus der ganzen Schweiz (nur die beiden Caviezels waren Basler) und sie hatten in der Tat wenig Ahnung davon, wie man in Basel Fasnacht macht.

Ivan: „Ich musste ihnen sagen, dass sie auch mal ein Bier trinken sollen und nicht nur Cola light…

Es folgten vier Jahre „Zyschtigsfasnacht“ mit den Chriesibuebe, die den gemeinsamen Tag auch als Austausch zwischen Trommelexperten aus der ganzen Schweiz nutzen. So wurden jeweils am Fasnachtszyschtig die freien Jurorenposten aller Tambourenwettbewerbe besetzt…

Jonas: Und dann kam unser Aufeinandertreffen im Jahre 2004. Ich sass mit meiner damaligen Trommelformation „Bluetsuuger“ in der Fischerstube. Wir waren gerade dabei uns aufzulösen,  als wir miteinander ins Gespräch kamen. Und nach einigen Bieren haben d Chriesibuebe beschlossen, den Bluetsuugern, die noch weiter machen wollten, Asyl zu gewähren. Vier sind tatächlich „Chriesibuebe“ geworden. Und ich wurde Euer Tambourmajor für den Montag und den Mittwoch. Mit uns ist auch die Basler Fasnachtskultur definitiv bei den Chriesibuebe eingezogen!

Ivan: Ja, so kamen weitere  Basler Tambouren dazu und wir konnten drei Tage Fasnacht machen. Weil Montag und Mittwoch viele der Original Chriesibuebe nicht in Basel waren – die konnten in Näfels oder Brig ja nicht eine Woche Ferien nehmen für die Basler Fasnacht – war unsere Fasnacht bisher auf den Dienstag beschränkt.

Jonas: Ivan stimmte dieser Verbindung zu mit der Bedingung, dass er die Ex-Bluetsuuger instruieren wird und sie die Märsche beherrschen. Das hat die Mehrheit der Bluetsuuger geschafft. Ich wurde Tambourmajor für die Cortège-Tage, was auch nötig war. Es brauchte für die „Auswärtigentruppe“ einfach ein Vorauslaufender, der die Stadt und die Beizen kennt. Wie Urs Caviezel, der das am Dienstag bis heute hervorragend macht.

f.ch: Haben dann die „Mögge“ gegen die „Trommel-Bauern“ aufgehört?

Jonas: Nein. Die Basler Trommelelite war klar gegen uns. Man trommelt nicht bei den Chriesibuebe – hiess es. Ich musste einiges einstecken. Aber das „Duureheebe“ hat sich gelohnt. Die „Ausserbasler“ Chriesibuebe haben in der Zwischenzeit ein intensives Verständnis der Basler Fasnacht und leben das auch aus.

f.ch: Was hat das Comité dazu gesagt?

Jonas: Wir hatten damals beschlossen, wenn schon drei Tage Fasnacht, dann auch mit Cortège. Wir haben beim Fasnachtscomité ein Bittgesuch zur Teilnahme an der Basler Fasnacht gestellt. Es wurde uns dann mit einem schönen Brief grosszügigerweise erlaubt, eine „Probefasnacht“ zu machen! So stand es dann auch im Rädäbäng (übrigens bis letztes Jahr, denn das wurde vom Comités nie zurückgezogen). Unter der Hand hat man uns, auch seitens des Comités mit einem Telefonat der damaligen Sekretärin,  vorgeworfen, wir würden das nur machen, damit auch die „Ausserbasler“ am Offiziellen mittrommeln dürfen.

f.ch: Die Entstehungsgeschichte der „Chriesibuebe“ ist bemerkenswert und offensichtlich nicht ganz stolperfrei. Aber Hand aufs Herz: Wäre die Gründung einer Tambourengruppe mit den besten Tambouren der Stadt nicht auch möglich gewesen? Mussten es provizierend „Ausserbasler“ sein?

Ivan: Das war keine Provokation. Sondern eine Notwendigkeit. Ich hätte viel zu wenig Basler Spitzentambouren gefunden, die die Offenheit für neue Märsche oder das Verständnis für andere Wege im Trommeln gebracht hätten. Ich vergesse nie die Szene, als d Chriesibuebe mit dem „Blei-Chüügeli“ vor dem Rebhaus angekommen sind. Einige VKB-Tambouren standen vor dem Restaurant. Als wir abgewunken haben kam ein prominenter VKB-Tambour zu mir und sagte: „Ivan, was isch denn das gsi?“. Ich erklärte es ihm und er meinte: „Also das chasch doch nid mache, das isch doch kai Basler Drummle…. „. Man hat uns damals einfach nicht verstanden! Und heute wird dieser Marsch – mit einigen andern Märschen von mir – am „Offizielle“ getrommelt.

f.ch: Jetzt seid ihr 25 Jahre alt. Gibt eine Jubiläumsblagedde, ein Buch, einen Film zum Jubiläum?

Ivan (überlegt lange): Wir haben der Clique 25 Vorschläge gemacht. Vom Buch bis zur Blagedde war alles dabei. Aber bei uns geht’s um Trommeln. Weniger ums Feiern. Wir „schenken“ uns und den Basler Trommelfreaks einen Jubiläums-Marsch: Druggwälle. Der heisst so, weil er so getrommelt werden soll, dass die Druckwelle das Moos von den Basler Dächer weht…!“

Jonas: Und dann natürlich unser Drummeli-Auftritt. Extra früh im Programm, dass der Walliser und die Glarner jeden Abend mit dem Zug heimfahren können. Es ist der Ritterschlag für die „Chriesibuebe“. Wir haben schon vor vielen Jahren beim Comité angefragt, ob wir am Drummeli mitmachen können. Aber das wurde nie richtig ernst genommen. Der neue Regisseur Michael Luisier und der aktuelle Drummeliverantworliche Matthieu Meyer aber waren – gottseidank –  offen und haben uns sofort eingeladen.

Ivan: Für mich ist das ein Zeichen, dass wir in der Basler Tambourenszene angekommen sind. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Natürlich kommen noch immer „Mögge“ seitens der eingefleischten Basler Tambouren. Aber keine Anfeindungen mehr.

f.ch: Was wünscht ihr den Chriesibuebe für die Zukunft?

Ivan: Ich finde es zuerst einmal mega, dass d Chriesibuebe überhaupt eine Zukunft haben. Ich wünsche mir, dass sie den Drive beibehalten. Dass sie die Leidenschaft mitnehmen und mit grosser Trommelliebe weitermachen. Und ich wünsche, dass die Chriesibuebe-DNA weiterbesteht.

f.ch: Chriesibuebe-DNA?

Ivan: Ja. Immer etwas Neues versuchen. Etwas wagen. Eigene Wege gehen. Und das wichtigste: Drummle muess vo Härze ko, damit‘s uff d Härze wirgge ka!

 

f.ch: Möge das gelingen. Besten Dank für das Gespräch und – e scheeni Fasnacht

 

* fasnacht.ch berichtet unregelmässig in der Rubik „Jubelgschpröch“ über interessante Jubilare. Geplant ist als nächstes ein Jubelgschpröch mit den „Schnurebegge“.