Drummeli 2022 – Fantastische Rääme und gute Musik

19. Februar 2022 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Das Drummeli zurück im Kiechli ist für viele eine nostalgische Erinnerung. Für einige jedoch ganz neues Terrain. Ein kurzweiliges Drummeli an einem Stück wartet mit bissigen Rääme, musikalischen Highlights und einem Banküberfall auf die Zuschauenden.

Drummeli 2022

Breo Clique 1896 mit „Morgestraich“

Drummeli 2022

Prolog mit dem Ensemble

Drummeli 2022

Glunggi 1966 mit „Dr Keenig“

Drummeli 2022

Jungi Garde Pfluderi-Clique mit „s Züggerli“

Drummeli 2022

Rahmenstück „Rochedürm“ mit Charlotte Heinimann, Andrea Bettini und Raphael Traub (von links)

Drummeli 2022

Schnooggekerzli mit „Ryslaifer“

Drummeli 2022

Rahmenstück „Blaggedde“ mit Dominik Gysin, Raphael Traub, Hansjürg Müller und Rula Badeen (von links)

Drummeli 2022

Rhyschnoogge 1930 mit „Yankee“

Drummeli 2022

Am Banggiberfall beteiligt sind „Schnaabelwetzer“, …

Drummeli 2022

… „Fäärimaa“ …

Drummeli 2022

… „Wanderratte“ …

Drummeli 2022

… und „Gasladärne“. Ein rundum gelungener Auftritt!

Drummeli 2022

Rahmenstück „Bewilligungsbüro“ mit Andrea Bettini, Hansjürg Müller und Rula Badeen (von links)

Drummeli 2022

J.B.-Santihans mit „Joung-Bois“

Drummeli 2022

Schnurebegge mit „Hot Pot“

Drummeli 2022

Wettstai-Clique mit „10. Värs“

Drummeli 2022

Rahmenstück „Hofnarr“ mit Dominik Gysin

Drummeli 2022

Sans Gêne mit „Sans Gêne“

Drummeli 2022

Alti Stainlemer mit „Festival“

Drummeli 2022

Balkonszene mit Charlotte Heinimann, Hansjürg Müller …

Drummeli 2022

… Rula Badeen …

Drummeli 2022

… und Andrea Bettini.

Drummeli 2022

Gundeli Clique mit „Ohremyggeli“

Drummeli 2022

Schlangefänger mit „Like The Way I Do“

Drummeli 2022

Rahmenstück „Fasnachtswunder“ mit Hansjürg Müller, Raphael Traub, Andrea Bettini, Charlotte Heinimann, Dominik Gysin und Rula Badeen (von links)

Drummeli 2022

Junteressli mit „Pfyffer Daagwach“

Drummeli 2022

Basler Dybli mit „Dr 3. Värs“

Drummeli 2022

VKB mit „Hofnarr“

Drummeli 2022

Spale-Clique mit „Festival“

Für den ersten Gänsehautmoment sorgen die Breo mit ihrem «Morgestraich». 2 Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet und er hat nichts an seiner Vorfreude, Verlangen nach Fasnacht und der Hühnerhaut genau dieses Momentes verloren. Zum 125-Jahr Jubiläum stehen die Jungen gemeinsam mit dem Stamm auf der Bühne. Die Eröffnung der Raamestiggli macht das Ensemble im Kostüm und zählt all eben jene Momente auf, welche das Kiechli, die Fasnacht und die Vorfreude so ausmachen. Danach wird es mit den Glunggi königlich. Auf dem Dachboden findet jeder Aktive einen eigenen «Keenig», welchen sie dann auch zelebrieren. Die Junge Garde der Pfluuderi-Clique zeigt mit dem «s Züggerli» was sie geübt haben. Der Marsch aus der Feder zweier Junggardisten wird nun zum 75-Jahr Jubiläum uraufgeführt. Ein guter Vortrag.

Beim nächsten Rahmestiggli geht es hoch hinaus: die beiden Rochetürme unterhalten sich. Sie wollen eine IG Skyline gründen und fragen sich, ob der Claraturm, Meret Oppenheimerturm oder das Münster noch beitreten könnten. Frau Münster möchte das nicht, da sie bereits seit über 1000 Jahren ohne solches Volk auskam. Die Schnooggekerzli kommen mit Böggli und Junger Garde auf die Bühne und spielen als Fasnachtsfamilie den «Ryslaifer». Ein toller Auftritt. Wer sich schon immer fragte, wie das Comité die Fasnachtsblaggedde auswählt, erhält im nächsten Raame die Antwort. In einem Gespräch mit der mutmasslichen Blaggedde-Künstlerin wird klar, dass die Gestaltung des Blechs viele Fettnäpfchen enthält. Mann oder Frau, traditionelle Fasnachtsfiguren oder nicht, dreieckig oder viereckig und zu guter Letzt muss man die Nadel wegen der Impfgegner auch noch weglassen. Dies geschieht, wenn man Angst davor hat, dass sich irgendjemand irgendwie diskriminiert fühlen könnte: keine Blaggedde. Eine interessante und für diese Bühne prädestinierte Aufstellung wählten die Rhyschnoogge mit abwechselnd zwei Pfeifenden und einem Trommelnden. Der Freiheitsmarsch «Yankee» soll die Befreiung von der Dunkelheit und dem Fasnachtsverbot untermauern. Ein Ohrenschmaus. Und dann kommt es zum Banküberfall. Zum 100-Jahr Jubiläum der Comité-Schnitzelbängg hört der Zuschauende nicht nur einen, sondern vier Schnitzelbängg. Zuerst singen die Schnaabelwetzer mit Versen zum Baselbieter Wolf mit Biss, der Fussball-Nati und einem Transgender-Zertifikat. Der Fäärimaa übernimmt mit Versen zu GGG, den Fischergalgen und den Rehs auf dem Hörnli. Er übergibt an die Wanderratte und deren Themen Cortège auf dem Lauberhorn, Djokovic und Freiheitstrychler. Komplettiert wird die Bängglerrunde mit den Gasladärne und deren Versen zum Rückkehrwunsch Ackermann, 5-Rappen-Service-Public-Marke der Post und dem Vergleich zwischen Parmelin und Cassis. Die Idee eines Banggüberfalls ist absolut lustig, kurzweilig und gut gewählt. Gratulation an die Bänggler.

Die J.B. -Santihans feiert mit ihrem «Joung-Bois» eine Uraufführung und gleichzeitig ihr (vergangenes) 100-Jahr Jubiläum. Ein interessanter Marsch aus der Feder des Top-Duos Robertson/Kym wird in goldenen Ueli vorgetragen. Wunderbar. Das nächste Raamestiggli zeigt etwas, was viele Baslerinnen und Basler bereits immer vermutet haben: wenn man eine Demonstration anmeldet, wird sie auf jeden Fall bewilligt. So wird der normale Flohmarkt nicht bewilligt, aber eine Fasnachtskostümdemonstration mit Freinacht belohnt und selbstverständlich bewilligt. Die Schnuurebegge zeigen mit einem spannenden Videofilm, wie sich während dem Lockdown die Schlacht um die letzte Büchse Fasnachtsravioli abgespielt haben könnte. Der Marsch «Hot Pot» ist zwar aus dem Jahr 2013 bekannt (damals/eigentlich «Hot Schott»), aber aufgewärmtes ist manchmal auch sehr gut. Witziger und guter Auftritt. Die Wettstai-Clique bringt das bekannte Bild des Buebeziigli vor der Hasenburg auf die Bühne. Zusammen mit den Knorzi ist es ein tolles Bühnenbild, bei welchem der «10. Vers» gespielt wird. Danach wurde es mit dem Hofnarren etwas ernster. Er steckt den Finger dahin, wo es weh macht. Er zeigt, wer und was alles durch manipulatives Verhalten einzelner Personen, getrennt wurde. Genau das ist die Aufgabe des Hofnarren, grandios vorgetragen.

Auch die Sans Gêne wärmen einen Marschauftritt von 1947 auf der Kiechlibühne wieder auf. Der «Sans Gêne» wurde zum 25-Jahr Jubiläum geschrieben und zum 100-jährigen wieder vorgetragen. Ein gelungenes Warmup. Ein Heimspiel haben die Alti Stainlemer, welche vor dem Kiechli in die Fasnacht starten. Diesmal aber mit dem «Festival» und auf der Bühne. Ein sauberer guter Auftritt. Nach dem Cliquenauftritt gibt es wieder ein déjà-vu mit der (obligaten) Balkonsszene. Die erfahrenen Drummelibesuchenden werden sich an genau diese Szenen erinnern. Adaptiert auf die heutigen Themen mit FCB (Fasnachts Comité Basel) und recyclebaren Kostümen verliert dies aber keineswegs an Charme. Danach spielen die Schlangefänger «like The Way I Do» und animieren das Publikum zum Mitmachen. Nostalgisch wird der Auftritt der Gundeli in Alpkostümen. Das «Ohremiggeli» führt in diesem Fall nur zu einem Ohremiggeli, wenn man auf der rechten Seite im Publikum sitzt. Die guten Pfeifenden fallen hier etwas der Aufstellung zum Opfer. Das letzte Raamestiggli philosophiert nochmals über die Werte der Fasnacht und bringt es auf den Punkt: Die Fasnacht ist mehr Wert als ein Sack voll Geld. Zum Schluss schaffen es die Junteressli mit dem Ändstraich «Pfyffer Daagwach» einen weiteren Gänsehautmoment zu kreieren. Ihr Ändstraich ist absolut getroffen, mit allen Gefühlen der Müdigkeit, Wehmut und Melancholie der Drei scheenschte Dääg.

Die Raamestiggli haben allesamt eine gute Länge, denn in der Kürze liegt die Würze. Das Ensemble besteht aus den bekannten Gesichtern Rula Badeen, Dominik Gysin, Charlotte Heinimann und Andrea Bettini sowie den Neuzugängen, Raphael Traub und Hansjürg Müller. Sie alle bringen sich in die jeweiligen Rollen ein und das Publikum zum Nachdenken und Lachen. Speziell erwähnt werden muss Dominik Gysin als Hofnaar, der diese Rolle auch in diesem Jahr wieder genau richtig ausfüllt.

Das Drummeli hat mit rund 90 Minuten ohne Pause eine rekordverdächtige Kürze. Dies unter anderem mit weniger Stammcliquen, was aufgrund von Absagen wie auch der Alternierung von 3 Cliquen zustande kommt. So wechseln sich die Glunggi mit den Basler Dybli, die Rhyschnoogge mit den VKB und Stainlemer mit Spale ab. Regisseur Laurent Gröflin ist ein sensationelles Drummeli gelungen. Wenn man die Umstände und Widrigkeiten bedenkt, mit welchen sich er und Robi Schärz herumgeschlagen haben, ist es umso bemerkenswerter, was den Zuschauenden geboten wird.

Die kleine Bühne im Kiechli lässt nicht viel Spielraum für Bühnenbilder. Die visuellen Effekte mit der grossen Leinwand werden daher rege und gut genutzt. Die Aufstellung auf dieser Bühne ist jedoch viel schwerer als auf der Musicalbühne. So muss die Anzahl der Trommelnden im Verhältnis zu den Pfeifenden sehr gut abgewogen werden. Eine Clique hat dies sehr gut umgesetzt, eine andere weniger. Auch beim Auf- und Abgang auf/von der Bühne ist es um einiges enger als am bisher gewohnten Spielort. Auch hier gibt es Cliquen die dies sehr gut schaffen und andere, die länger brauchen. Ein nostalgischer Aufführungsort mit kleinen Tücken, jedoch viel Charme.

Eines sei noch erwähnt: das Drummeli ist mehr oder weniger selbsttragend. Heisst, die Einnahmen fliessen an die Infrastruktur, Technik und teilnehmenden Cliquen. Für alle diejenigen, welche einen mehrstelligen Gewinn vermuten, sei gesagt, dass dem nicht so ist und sich darum Angelina Jolie und Brad Pitt sich noch nicht für eine Drummelirolle beworben haben.

Das Drummeli findet vom 19. bis 25. Februar 2021 im Kiechli statt. Die Vorstellungen sind wie folgt: Sonntag, um 14.00 und 17.00 Uhr, Montag bis Donnerstag um 19.30 Uhr und Freitag um 18.00 und 21.00 Uhr. Das Ticket kostet CHF 68.-, Kinder und Jugendliche zahlen am Sonntagnachmittag den halben Preis. Die Tickets sind erhältlich bei Bider & Tanner (ticket@biderundtanner.ch) und allen üblichen Vorverkaufstellen.