Täggscht? Pauli Roniger!

15. Januar 2022 | Von | Bilder: Schlurbbi Schnurebegge & Knochestampfer Waggis | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Er war ein Meistertexter für die Bühnen und Fasnachtszeedel in dieser Stadt: Paul Roniger verstarb am letzten Samstag in seinem 82. Lebensjahr. Roger Thiriet – ein Cliquenkollege – erinnert sich.

Paul Roniger hat am 8. Januar 2022 das Notebook seines Lebens zugeklappt. Und tout Bâle carnevalesque fragt sich: Werden nun vorfasnächtliche Bühnenprogramme kürzer? War doch Pauli in den letzten Jahrzehnten einer der fleissigsten Texter in diesem Genre – anonym, wie es sich gehört (oder gehörte) – aber spätestens wenn sich in einem kunstvoll gedrechselten «Mimösli»-Prolog zum ersten Mal auf «zwanzig» «ranzig» reimte, schmunzelten Eingeweihte und wussten: E Roniger. «Praktisch jede gute Mimösli-Nummer war von ihm», urteilt ein Szenenkenner, und dabei ist es nicht geblieben. Auch unzählige Zeedel – in seinen besten Zeiten schrieb er sie Jahr für Jahr  für sieben Cliquen! -, Schnitzelbängg, Ladärnevärs und verwandte Fasnachtsliteratur trugen seine Hand- bzw. Computerschrift. Und seine Cliquenkollegen von den «Schnurebegge Schlurbbi» kamen an jedem Bummel zum Café Gleesli in den Genuss eines seiner köstlichen baseldytschen Langgedichte zu fast jedem Aspekt des Lebens, die ihr Vorträbler irgendwann verschmitzt aus der Kitteltasche zog: «Y hätt do no eine. Wänn er-e-n loose?» Und meistens blieb es nicht bei dem einen …

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Dieses Flair für die Bühne, das Gespür für den Auftritt wurde dem kleinen Kleinbasler Pauli vielleicht schon in die Wiege gelegt, wer weiss? Aber spätestens in seiner Zeit bei der katholischen Jungwacht St. Josef, wo regelmässig «theäterlet» wurde, brach sich sein schauspielerisches Talent Bahn. «Pauli war eine enthusiastische ‚Rampensau‘», erinnert sich ein Weggefährte jener Zeit, «auf der Bühne ging er total aus sich heraus, und er nahm es nicht nur mit seinen eigenen Rollen sehr genau, sondern auch mit denen der Kollegen, die er sich in der Garderobe zur Brust nahm, wenn sie auf der Bühne gepatzt hatten.» Folgerichtig liebäugelte Pauli ein Zeitlang mit einer Schauspiel-Ausbildung und bewarb sich auch beim damaligen Radio Beromünster als Fussballreporter. Beide Träume blieben unerfüllt; in der unspektakulären Realität ausserhalb des Rampenlichts machte er eine Banklehre, wurde Banker und brachte es bis zum Niederlassungsleiter der damaligen Volksbank im Gundeli.

Allerdings liess der kreative Kleinbasler auch hinter den Geleisen, wo er später auch wohnte,  die Finger nicht von der Tastatur. Weit über St. Josef und die Fasnachtszene hinaus machte er sich einen Namen mit historisch fundierten Beiträgen für das Stadtbuch der Christoph Merian Stiftung – oft über Jubiläen von Basler Institutionen wie die Knabenmusik –  und führte von 1998 bis 2005 dessen Chronik  der laufenden Ereignisse. Und neben diesen Freizeitbeschäftigungen fand noch Zeit, als Mitglied der damaligen Christlichdemokratischen Volkspartei CVP in die kantonale Politik einzusteigen. Von 2001 bis 2008 war er Mitglied des Grossen Rats und sass zeitweise in der einflussreichen Finanzkommission. Nicht nur cliquenintern sorgte übrigens nach der Wahl für Schmunzeln, dass Paul mit einer einzigen Stimme Vorsprung seinen Cliquenkollegen Stephan Gassmann auf den Platz des ersten Nachrückenden verwiesen hatte …

Paul Roniger hat sich nicht nur in hohem Mass um die Basler Fasnacht und ihre literarische Tradition und Entwicklung verdient gemacht. Er hinterlässt auch ein reiches lokalhistorisches Schriftgut, das die Erinnerung an einen engagierten, fantasievollen und witzigen Bebbi nicht nur in Fasnachtskreisen noch lange wachhalten wird. Möge ihm die Erde leicht sein.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 20.1.2022 um 10.00 in der St. Josephskirche, Amerbachstrasse 1 im Kleinbasel statt. Es gilt 2G.