Begonnen habe ich meinen Zyschtig im Schoofegg. Die erste Sensation erwartet mich: Ich komme da um 11.45 an und Georgette und ihre Mitarbeiterin waren komplett alleine im Schoofegg und ich war zu diesem Zeitpunkt der einzige Gast. Eine Stille, die ich mir so am Zyschtig nicht gewohnt bin.
Georgette versichert mir, dass das Zufall sei und tatsächlich, nur 10 Minuten später war der Kasten wieder voll. Den Zyschtig kann man getrost im Sitzen verbringen. Z.B. eben vor dem Schoofegg, wo der kreative Fasnachtszyschtig an einem vorbei zieht. Oder wie im Fall der Utengässler, die – jeweils am Dienstagvormittag – mit 4 Pfyffern, einem Tambour und drei Blasinstrumenten (Trompete u.ä.) umherziehen. Sie kommen zu ihrem Zyschtigsabschluss ins Schoofegg und merken dort, dass sie ja seit 15 Jahren gemeinsam diese Übung durchziehen. Das bedeutet noch eine Runde Bier und ein „Happy birthday“.
Später kommt ein wirkliches Zyschtigszyygli, ohne Namen, dafür mit der Dominique F., die ich seit gefühlten 10 Jahren nicht mehr gesehen habe. Küsschen, Sali-wie-goots-gails-Wätter-gäll und „Arabi vorwärts marsch“.
Danach kommt ein weiterer Höhepunkt: Drei Tambouren in den Goschdymen der 3 E-Figuren. Sie setzen einem Zuschauer den Hut auf und tanzen die 3E-Tänze, mit der Trommel umgehängt. Der Leu hüpft, mitsamt der Trommel, und trommelt seinen Tanz fehlerfrei. Der Wild Maa tännelt mit umgehängten Kübel! Grosses Gaudi, viel Applaus: Das kannst Du nur am Fasnachtszyschtig machen.
Dann eine Gruppe formidabler Tambouren. Die Geschwister Tell mit Verstärkung aus Holland. Das muss man sich mal vorstellen: Da laufen zwei käse-echte Holländer mit (einer in Oranje und der andere als Delfter Porzellan goschdymiert) und trommeln die Basler Märsche, als seien es holländische Fan-Lieder vom Fussball. Hochgradig.
Ich bestelle hurtig ein zweites Bier und dann kommt ein Dreierzyygli, pfyffend, grausam langsam und ich glaube auch nicht so gut. Der Vordrääbler erkennt einen Zuschauer, lüpft die Larve, zieht höflicherweise den Handschuh aus und grüsst den verdutzten Zuschauer. Hinter ihm keuchen seine beiden Pfyffer. Die kommen heute Abend höchstens noch bis zum Wettsteinplatz.
In der Zwischenzeit räumt die Polizei mit einem starken Aufgebot und einem ganz langen VW-Bus die Velos weg. Das reicht, ich stehe auf und marschiere in Richtung Wagen- und Requisitenausstellung. Unterwegs treffe ich noch auf den noch leeren Adler und das Hotel Balade, dass fest in oranger Grytte-Hand zu sein scheint.
Auf dem Kasernenareal läuft die grösste Openair-Party der Fasnacht: Beinahe alle Wagencliquen haben sich Festgarnituren vor die Wägen gestellt und es wird kräftig gefeiert. Bei den Sürkrüttern erwartet man die Schnurebegge und das Lindenzyygli. Rudy, seit vielen Jahren kalifornischer Gast auf dem Sürkrütt-Wagen ist noch immer beeindruckt: Seine Cliquenkollegen haben seinen 28jährigen Sohn mit seiner Freundin nach Basel eingeflogen, um dem Papa eine Überraschung zu bieten. Voll gelungen!
Bei den Schindgraben gibt’s eine Wurst und dort sitzt auch „d Vogelschyychi“. Der Bangg, den es eigentlich nicht mehr geben sollte, weil er ja nach Nicaragua ausgewandert ist. Als er aber vor zwei Monaten in Granada/Nicaragua mitten in der Nacht erwacht ist und begonnen hat, Verse zu schmieden, hat er sofort einen Flug gebucht und ist nun eine Woche da. Um zu bänggeln und zu feiern.
Abmarsch in Richtung Innenstadt. Vor dem Roten Kater stehen ein paar leichte Damen – freundlicherweise mit ein paar Fasnachtdekorationen auf Kopf und Busen. Aber kein Mensch will in diesen Stunden der sonnigen Fasnacht käufliche Lust erwerben. Die Mittlere Brücke ist voll, übervoll. Blick runter zu den BPG-Schiffen: Der Küchenchef sitzt vorne auf dem Deck, geniesst Sonne und Fasnacht und die Ruhe vor dem Nachtessensturm. Dutzende von Fasnachtswääge mit vielen hundert Binggisse drauf belagern die Innenstadt. Kinder überall. Herrliches Bild. Vor allem wenn man kein eigenes mehr rumziehen muss… Und der Lärm- bzw. Musikpegel ist gigantisch….
Der Zyschtig bereitet sich auf den Guggenabend vor. Ich habe mir vorgenommen: um 22 Uhr haben die Läggerli-Hagger ihr Platzkonzert vor der Manor. Und apropos Manor: ich muss unbedingt noch zum Eingang des Manor-Restaurant um zu schauen, ob da irgendwelche Überreste von … Sie wissen schon.


