Die Fasnacht bietet neben einem unglaublichen optischen und akustischen Erlebnis auch viele Geschichten, die so nur eine Fasnacht schreiben kann!
Ich stehe vor dem Eingang zum Manor-Restaurant, welches so lange von einem tapferen, süddeutschen Securitas-Wächter bewacht wird, bis eine Mordsgugge vor dem Eingang abwinkt und der Kerl mich kreidebleich fragt: „Hänn die alli sone Bändele fürs Esse?“ Leider weiss ich das nicht, und ich überlasse den blauen Zwerg der anrollenden Guggewelle, die – mit oder ohne Bändeli, aber dafür mit samt den Instrumenten – ins Restaurant drängt. Ich nehme mir vor, später nach Spuren des Securitasmännchens zu suchen…
Vor dem Antygge-Käller steht eine Ambulanz und sie laden grad eine Frau ein, für die die Fasnacht wohl heute Abend ein vorläufiges Ende hat. Mein alter Freund Bernhard ist bedrückt, er nimmt mich mit in den Keller und wir trinken eine Cola Zero auf den Schreck. Plötzlich kommt ein Riesenwaggis rein, stellt sich zu uns an den Tisch und zieht drei Blutwürste und einen Strauss Rosen aus einem Sack und überreicht sie einer unbekannten Tischgenossin von uns. Er stammelt noch ein paar Sätze und verschwindet. Die Auflösung der Geschichte ist simpel und wunderschön: Brigitte, die Blutwurstbeschenkte, erzählt, dass sie den Heeremätteli-Waggis nur zwei Mal pro Jahr sieht und das letzte Mal gesagt hat: „Wenn de dra dänggsch, i bi am Fasnachts-Mändigoobe im Antyggekäller und nämti drey Bluetwürscht“. Ein Heeremätteler lässt sich sowas natürlich nicht zwei Mal sagen. Die beigefügten Rosen erklärt Brigitte nicht. Aber in ihren Augen lesen wir Bände…
Danach ein Besuch beim Charly im Yysebähnli. Am Tisch sitzt Walter, ein Spielkamerad von vor 40 Jahren im Quartier. Und André, der Fasnacht.ch-Autor. Wir plaudern über den Montag, bis ein weiterer Gast dazukommt. Der verwirrt den Wirt und das Personal, weil er einen „heissen Fasnachtsdrink“ bestellen will. Kurz bevor ihn Charly rauswirft, begnügt er sich mit einem Lutz und lauscht dem Bangg „Wildwäggsel“, der im breitestens Baselbieterdialäggt den Baslern die Leviten liest. Die lassen es sich nicht nehmen, auch das Publikum draussen auf den Festbänken zu besingen (s. Foto). Walter fragt den neuen Gast: „Bisch mit em Velo do?“ Der antwortet sofort: „Nai, I gang drum mit emene Ballon haim“.
Das reicht, wir setzten uns vor die Beiz und bestaunen die Neandertaler, die inoffiziell unterwegs sind und einen wirklich schönen und sauberen Trommelvortrag bringen. Dann kommen „d Fäärischiffli“ – eine Wahnsinnsgugge, vor allem im Dunkeln. Die LED-Industrie hat eine helle Freude an dieser Formation. Und – es ist wirklich wunderschön.
Wir brechen auf und ich marschiere in Richtung Innenstadt. Auf der Brücke überhole ich dem Junterössli-Stamm. Da dort mein Hausarzt mittrommelt, ziehe ich den Bauch ein und gehe mit, geniesse diese riesige Stammformation (rund 70 Musizierende) mit der geplotteten Lampe und lasse mir bei der Schlüssel-Pause von Christine und Annika erklären, dass ich mein Halstuch falsch rum angezogen habe. Ich denke, dass dies in dieser unglaublichen Pracht der tausenden von aktiven Fasnächtlern nur mässig auffällt und lasse es so wie es ist. Pfeifft ihr mal schön und fehlerfrei. sonst fällt das mehr auf.
Der Fasnachtsmändig klingt langsam aus. Man merkt, dass der Morgestraich schön und lange gewesen ist. Die Aktiven sind müde und langsam ziehen sie sich zurück. Nur rund ums Hotel Basel ist noch der Teufel los. Ich werde jetzt nochmals einen Gang ins Glaibasel unternehmen und prüfen, ob der Securitas noch lebt. Irgendwie mache ich mir Sorgen um ihn…


