Im Gegensatz zu den strikt geordneten Zügen am Montag- und Mittwoch-Nachmittag herrscht am Dienstag in der Innerstadt die absolute Anarchie: Ganz ohne Security oder „Ywyyser“ mischen sich grosse und kleine Einheiten bunt durcheinander – und es funktioniert bestens. Attraktionen waren auch heute die Ausstellungen der Laternen auf dem Münsterplatz und der Wagen und Requisiten auf dem Kasernenareal.
Wer in die Stadt läuft, am Dienstag, begegnet ihnen schon früh: Den Familien-„Ziigli“, oft mit dem Kleinsten im Leiterwagen. Jetzt noch munter und Räppli werfend, wird er auf dem Rückweg am späteren Nachmittag seelig schlafend von einer Fasnacht bei den „Grossen“ träumen.
Einige etwas grössere Binggis konnten sich diesen Traum auch dieses Jahr wieder erfüllen, bieten doch verschiedene Cliquen und Guggen die Möglichkeit, am Dienstag-Nachmittag mit ihnen zu marschieren. Auch dies Nachwuchswerbung in bester Manier.
Durch das bunte Gewusel erreicht man mit einigem Zeitaufwand – aber Zeit hat man ja genügend – das Kasernenareal, auf dem – von Lachenmeier, Mächler und Konsorten unbehelligt – die Wagen und Requisiten ausgestellt sind. Dieser Treff hat sich zu einem veritablen Happening ausgeweitet, bis hin zum Spiegeleierbraten für Passive, Anverwandte und hungrige Berichterstatter (Merci GaGG-Ei Waggis!). Und man hat endlich Gelegenheit, die Sprüche auf den Wagen in aller Ruhe zu betrachten. So etwa den der Basler Gwäggi, die mit dem Sujet „Heb Sorg Sem Glaibasel“ genau am richtigen Ort stehen und auch den richtigen Ton treffen:
S isch still und suuber bi uns am Waage
drmit is kaine duet verklage
„I waiss vo nyt“ – Verläägehait
d Frau Lachemeier het das gsait
D Schindgrabe Clique nimmt den geplanten Club de Bâle auf die Schippe und reimt:
Dä Club duet ainzig dääne nutze
Wo mit em Gäld dien s Fudi butze
Mit dem gleichen Thema sind die Privé Waggis unterwegs:
Die Hundert hän villi Däsche
Lehn schwarzi Kohle wyss wäsche
Spezielle Sprüche auf dem Wagen brauchen die Zoggelispalter nicht, ihr Sujet lässt an Deutlichkeit keine Wünsche offen:
Schugger loch my i
i bruuch e Luxus-Therapie
Zusammen mit den AGB zeichnen die Gyzgnäbber für das Thema Fasnachtsleaks.org verantwortlich, dass in den Weihnachtstagen 2013 für ziemlich viel Aufregung gesorgt hatte. Abhören hat Nebeneffekte, wie man hier erfährt:
Zur Angela sait dr Obama
Gäll jetz nimmsch Diät-Rama
Zurück zum Lokalen, wenn auch nicht unbedingt Appetitlichem wie einem Schmalspurpolitiker, der sich nicht entblödete, vor laufender Kamera auf der Mittleren Brücke seinen Allerwertesten vorzuführen – was die Gillerugger zu folgendem Spruch brachte:
Bisch z lang uf dääre Brugg
so bildet sich di Hirni zrugg
Zum Schluss noch je ein echt sozialkritischer und „e häärzige: D’Stäägehysler nehmen Kinderarbeit im Textilbereich aufs Korn mit bitterbösen Sprüchen auf dem Wagen:
Billigi Glayder – das schaffsch no gschwinder
nimm als Beleegschaft aifach Kinder
Und der Jö-Effekt von den Buurelümmel zum Thema Gripen:
Sinn die Flieger ändligg kauft
wird Eine sicher Ueli tauft
Der heutige Abend wird den Guggen gehören mit den traditionellen Konzerten auf dem Seibi, dem Markt- und Claraplatz. Wer es gern ruhiger mag, dem sei der Münsterplatz empfohlen, wo man sich den Zauber der Lampen – und manchmal auch das Erschauern – so richtig reinziehen kann. Hier verzichtet der Chronist auf weitere Bescheibungen – erstens, weil man das sehen und nicht lesen sollte (eine entsprechende Bildgalerie folgt bald!), und zweitens, weil es auch ihn nun dahin zieht. Also, mr dräffen is – und nämme no aine!


