Der Montag im Zeichen von Toleranz, Kreativität und Solidarität

2. März 2020 | Von | Kategorie: Nachrichten

So vielfältig kann auch „Keine Fasnacht“ sein. Nach vielen originellen Ideen für den Morgenstraich liessen die Aktiven auch am Nachmittag mit vielen Aktionen ihre Kreativität aufleben. Dazu zeigte man Solidarität – etwa mit den Wirten – und die Polizei übte Toleranz und bewies allzeit gutes Augenmass.

Es fiel einem schon bei den ersten Schritten in die nachmittägliche Innerstadt auf: Valentinstag ist zwar vorbei, aber fast jedes weibliche Wesen, das einem entgegenkam, hatte einen Maien mit Rosen, Tulpen, Nelken oder Mimosen im Arm. Der Grund war schnell klar: an vielen Ecken standen Vertreter von Wagen-Cliquen und verschenkten ihr Material, dass sie am Cortège ja nicht loswerden konnten. Für die holde Weiblichkeit gab es den floralen Schmuck für einmal ohne vorangehendes „Stopfe“.

Auch auf dem Marktplatz ging es teilweise zu wie beim Rampenverkauf. Von kleineren und mittleren Wagen wurden Mohrenköpfe, Fitnessriegel (?), Chips und „Dääfeli“ unter die Leute gebracht. Natürlich ein Fest für Kinder.

Vorsicht Fasnachts-Exhibitionisten!

Und dann diese ulkig-verspielten Aktionen. Den Vogel ab schoss eine Gruppe von Pfeiferprimadonnen, welche mit Trenchcoat, Hut und Sonnenbrille unterwegs waren –dann plötzlich blank zogen und mit dem Ruf „Pssst! Es isch Fasnacht“ ihr Goschtym darunter zeigten. Nachfolgend ein paar Bilder und das Video dazu:

Damit ja keine Zweifel aufkamen, stand bei der Gruppe hinten angeschrieben, dass sei denn keine fasnächtliche Kleidung, sondern nur „schlechter Modegeschmack“. Und tatsächlich sieht man ja das ganze Jahr in der Stadt immer mal Leute, die so gekleidet sind, dass man sich die Augen reibt und fragt: „Goschtym oder nit?“. Andere wollten den Verdacht, unerlaubt Fasnacht zu machen mit dem Gesang „Daas het nüt mit Fasnscht z due“ nach der Melodie „Mir san mit em Radl da“ entkräften.

Grosses Lob an die Polizei

Die Polizei war im übrigen sehr präsent. Von einem Kadermitglied war zu erfahren, dass das Aufgebot so ziemlich dieselbe Grösse hatte wie bei einer „richtigen“ Fasnacht. Aber die Hermandad zeigte ein äusserst menschliches Gesicht, liess die Kreativität zu, informierte und mahnte, wenn es mal etwas weit ging – und hatte sichtbar Spass an der Exhibitionisten-Gruppe, wie das Video unten beweist:

Auch fasnächtliche Quartetts, die unter dem „Schirm“ der Verordnung über das Strassenmusizieren für eine beschränkte Zeit am gleichen Ort aufspielten, hatten die Ordnungshüter ein Augenzwinkern übrig. Ein grosses Kompliment an unsere Polizei!

 

Solidarität mit den Wirten

Die Absage der Fasnacht ist natürlich auch für die Wirte ein grosses Problem. Ein bisschen gemildert wird dies aber durch eine Welle der Solidarität der Cliquen und Guggen mit „ihren“ Wirten. Wen immer an Cliquen-Verantwortlichen der Berichterstatter fragte, der antwortete praktisch immer gleich: „Wir gehen an den Fasnachtsabenden genau gleich in der Baiz essen wie wir es an der Fasnacht sonst getan hätten. Die Wirte sind das ganze Jahr für uns da – jetzt brauchen sie unsere Solidarität.“ Auch hier: CHAPEAU!

Da will der Berichterstatter nicht hintenan stehen. Er wird sich jetzt Gedanken machen, in welcher Baiz in der Innerstadt er sein Abendessen einnimmt und diesen Plan dann in einigen Stunden umsetzen. Vorher aber noch ein paar Bilder von diesem seltsamen „Fasnachts-„Mäntig.