Der Schlussoobe von der IG WuF: Ein äusserst unterhaltsamer und auch emotionaler Abend. Der Saal im Momo war rammelvoll – und doch war man „en famille“.
Zur Erinnerung: Die IG WuF ist eine Art Gegenpol zu den arrivierten Schnitzelbangg-Gesellschaften: Die WuF-Bängg können machen, was sie wollen und singen wo sie wollen. Alles ist WuF: wild und frei! Das Ziel ist der fasnächtliche Austausch und die Freude. So hat sich in den vergangenen Jahren eine regelrechte „WuF-Familie“ gebildet. Wenn man in den Saal des Hauses Momo kommt, spürt man das sofort: Hier sind alle „Familie“. Und der Vater steht am Eingang und erzählt über seine gestohlene Larve an der Fasnacht (hier). Und er bemerkt nicht, dass alle, die ihm zuhören, ein leichtes Lächeln auf den Lippen haben.
Der Programmbeginn wird um eine Viertelstunde verschoben, da zuerst alle BesucherInnen die Gelegenheit haben sollen, sich am Verpflegungsstand mit Köstlichkeiten zu versorgen. Danach beginnt das Programm, welches uns 15 Schnitzelbängg und ein Dudelsagg-Duo verspricht. Die andere Guggenmusik ist abwesend, wie so viele andere Banggmitglieder auch. Die Grippe ist noch nicht eingedämmt.
Der Schnitzelbangg-Reigen wird durch dr Glaibasler eröffnet, der mit seinen Versen über Prinz Andrew und Eric Weber das Publikum zu lachen bringt. Sein Refrain: „Oh, das scheene Glaibasel“ ist Programm und wird kräftig mitgesungen. Das Duo Fasnachtsfieber ist etwas leise unterwegs. Der Schluss-Marathon-Vers über den Besuch der Innenstadt zwecks Kauf einer Fastenwähe war sehr lustig.
Der erste Höhepunkt ist Mario. Der Bauarbeiter mit dem italienischen Akzent und dem Publikumsrefrain: „si, si, si, si“ bittet einen Kollegen auf die Bühne um die italienische Flagge zu winken und bringt dann einer der besten Chlorhuhn-Vers, den man an dieser Fasnacht hören konnte:
Hette Noochberi, eine americana, unbedingt welle
Eine schwummigi Pool in Garte stelle
Mit viili Chemie drin, schwimmt sy deert wie eini Fisch,
Jetzte Mario waisse, was e Chloorhuehn isch.
Es folgt eine bemerkenswerte Quiz-Einlage von Neon Zebra: zwei Pfyffer und ein Tambour spielten Filmmelodien, die drei «Freiwillige» auf der Bühne erraten sollten. Einer der Freiwilligen war Philipp, der Ober-WuFler und der Bänggler mit der gestohlenen Larve. Als Trostpreis (Philipp wurde letzter) zogen die Neon-Zebra eine nigelnagelneue, nachgeformte Larve aus einem Plastiksack und überreichten sie dem «Boodesuuri» im Namen der WuF-Familie. Da war es um die Contenace des Bängglers geschehen und unter Tränen bedankte er sich mehrfach bei seinen Freunden (siehe Hyylgschicht).
Der erste Teil des Abends geht langsam zu Ende. Einerseits mit dem tollen Schnäggebigger (auch Solist statt im Duo), der seine Federn dem Fischer aus Wädischwiil geschickt habe und noch immer auf sein Kissen warte. Dann folgen noch der Knurri und das diskussionslos hervorragende Dintelimpli, als sogenannter «Spagat-Bangg» (Gast-Bangg von den Comité-Schnitzelbängg) und – d Velokurier. Sie schockten das Publikum gleich zwei Mal: Als erstes lassen sie – ungeplanterweise – ihren Helgenständer von der Bühne krachen. Und dann verteilten sie, gleich zu Beginn, ihre Zeedel und sagten dem Publikum, sie müssen aus Brandschutzgründen wieder gehen und man solle die Verse selber singen. Guter Einfall!
In der Pause dann d Schoofseggel. Die Formation, die seit 2012 besteht und an diesem Abend einfach nur Drehorgel spielt und mit einem Fähnchen winkt. Sehr schräg – WuF, eben.
Der zweite Teil bringt Hochkarätiges. S Pierrette singt – ohne Helgen und Refrain – und verabschiedet sich mit
Dr Rädäbäng, dä isch jetzt gstriche
En alti Tradition verbliche
Zur Orientierig bruuch ich s Händy
E Super-Äpp, die seits
Ich miess jetzt goo – ich sygi jo
In dr völlig falsche Baiz.
Dann folgend zwei ganz tolle Bängg mit de Doppelstääb (einem Gastbangg der Bängg fir Basel) und den Spyyrhind: «Wo die gründet woorde sinn, bin ych no flüssig gsi» meint die Moderatorin Ariela und leitet über zu dem wirklich erfahrenen (seit 31 Jahren unterwegs) und grossartigen Bangg. Es ist ein Gesamtkunstwerk: Goschdym, einfachste, kryptische Helgen, Gesang, Musik und Refrain! Alles stimmt und macht Freude.
Die Umbaute treten mit E-Guitarre und E-Röschti-Raffel auf und bringen einen speziellen Langvers: «Wenn isch e Maa, e Maa?».
Und dann – ja dann kommen die Cousinen aus Bern «Die Irren Maiden»: drei Ladies (die eine an der Piccolo-Trompete und die andere an der Quetschkommode). Und sie singen bärndütsch kurze, prägnante Vierzeiler mit viel Selbstironie:
Überall isch 30er Zoone, das närvt wien e Moore.
Eismal hätti also bau mi Contenance verloore.
Ehrlech: das tribt mi de i ne ganz e schlächti Phase
Wenni dür die Dörfer so muess raase!
Sie räumen ab, die Cousinen oder Tanten aus Bern. Vor allem mit ihrem Langvers nach der Melodie von Mani Matters Eskimo. Eine interaktives Singen mit dem Publikum – grossartig. Wie jedes Jahr einer der Höhepunkte am WuF-Abend.
D Banggnoochbere (ebenfalls ein Spagat-Bangg aus dem Comite 1914) können sich nach der Irren-Maiden-Show sehr gut halten und bringen einen krachenden FCB-Vers:
Im Liggstuehl am e Strand und e Windli in de Hoor
In dr Hand e Cocktail und biz Muusig uffem Oor
So gmietlig und entspannt bereitet sich und das isch woor
E Gooli uff e Sturm von unserem FC Basel vor.
Danach performen noch d Gratzdischtle mit schönem Gesang und einer Cello (!)-Begleitung bis am Ende der «Boodesuuri» mit seiner neuen Larve auftritt. Sie sitzt noch nicht, die Larve. Ganz offensichtlich klemmt sie noch und ist, logischerweise, noch nicht angepasst. Das ist der Preis dafür, dass sie – ganz ohne Wissen des neuen Besitzers – gemacht wurde.
Der Abschluss war ein grosses Verdanken. Unter anderem an Ariela und Eileen, die den Abend gut moderiert haben.
Bref: Ein unterhaltsamer Abend mit einige Höhepunkten. Aber auch etwas weniger überzeugenden Auftritten. Aber das ist wie in jeder Familie…


