Schyssdräggziigli 2026: „sälber gmacht und so guet“

7. Januar 2026 | Von | Bilder: Lucien Graf | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Das Schyssdräggziigli hatte einmal mehr die grosse Ehre, die Reihe der Vorfasnachtsveranstaltungen zu eröffnen. Man war sich dieser Verantwortung bewusst und löste sie auf ausgezeichnete Weise, selbstverständlich ganz im Sinne von «sälber gmacht». Entstanden ist eine farbenfrohe, liebevoll gestaltete Produktion für die ganz Kleinen und für Fasnachtseinsteiger, nahe an der kindlichen Erlebniswelt und mit viel Herz umgesetzt.

Will man den Jüngsten die Fasnacht erklären und ihnen die Freude daran näherbringen, darf die diesjährige Ausgabe des Schyssdräggziigli durchaus als Musterbeispiel gelten. Während einer Stunde wurde das Wichtigste rund um die Fasnacht mit viel Witz und grosser Unterhaltung vermittelt. Das Publikum war aktiv eingebunden, wodurch diese „Unterrichtsstunde“ äusserst kurzweilig war und wie im Flug verging. Kinder aus dem Zuschauerraum wurden in die Handlung integriert, und sogar ein aktuelles Geburtstagskind durfte Bühnenluft schnuppern. Dass dabei das Thema «sälber mache» ins Zentrum gerückt wurde – in einer Zeit, in der Konsum oft im Vordergrund steht – ist besonders positiv hervorzuheben.

Wie bereits im vergangenen Jahr spielte die Geschichte im Cliquekeller des Schyssdräggziigli. Die Botschaft war klar: Alle bringen etwas Selbstgebasteltes zur Fasnacht mit. Kathi (Silvia Ferrari) und Lea (Liv Jeandrain) probten mit ihren Piccolos. Der zu spielende Marsch wurde per Zufall ausgelost – die Wahl fiel auf das «Läggerli». So durften die Kinder erstmals hören, wie es klingen sollte.

Kurz darauf traf Albi (Silvio Fumagalli) mit seinem Enkel Moritz (Milo Olivetti) ein – zwei begeisterte Tambouren. Albi zeigte seinem Enkel, wie man sich vor dem Trommeln aufwärmt, wie das Böggli richtig aufgestellt wird und gab den Takt vor. Milo entpuppte sich dabei als wahres Naturtalent: Man hat das Gefühl, er müsse seine Rolle nicht lernen, sondern spiele mit grosser Freude einfach sich selbst – authentisch und mitreissend.

Plötzlich tauchte auch Max Mäder (Lorenz Killer) auf, der Baustellenleiter aus dem letzten Jahr. Mit Laterne ausgestattet erklärte er, welche Aufgabe früher der Nachwächter hatte: für Ordnung zu sorgen und die Zeit anzusagen. Da er kein Instrument beherrscht, drückte man ihm kurzerhand einen Besen in die Hand und ernannte ihn zum Tambourmajor. Spontan formierte sich ein «Ziigli» mit Kindern aus dem Publikum im Vortrab, Max als Major und dahinter die ganze Clique mit dem «Ryslaifer» – Fasnachtsstimmung pur.

Ein weiteres unverzichtbares Element durfte natürlich nicht fehlen: der Schnitzelbank. «Dintelimpli» betrat die Bühne – oder besser gesagt den Keller. Einer der derzeit Besten seines Fachs war sich nicht zu schade, ein spezielles Kinderprogramm darzubieten, was höchsten Respekt verdient. Die Themen, begleitet von passenden Helgen, reichten von Elefanten und Kühen über Igel, Hase, Wurm, Spinne bis hin zum Pumuckl – und zum Schluss wurde auch Albi liebevoll aufs Korn genommen. Das begeisterte Lachen der Kinder und der kräftige Schlussapplaus waren der verdiente Dank für diesen grossartigen Auftritt.

Nun rückte das Thema des Nachmittags endgültig ins Zentrum: «sälber mache». Alle Cliquenmitglieder präsentierten ihre selbstgebastelten Fasnachtsutensilien. Albi zeigte seine eigenhändig gebaute Rätsche – inklusive Bastelanleitung. Kathy hatte eine wunderschöne, farbenfrohe Halblarve entworfen, Lea eine ebenso kreative Räpplikanone. Die Anleitung zum Bau der Räpplikanone findet sich übrigens in der Mitte des Programmheftes – Spass garantiert. Und dann schleppte Moritz eine Kiste herbei, nahm die Hosenträger von Albi, und fertig war ein «Junteressli». Allesamt grossartige Ideen und zugleich inspirierende Anregungen.

Dann wurde eine Grossleinwand installiert und es wurde gerätselt. Pierre (Marius Buner) malte Figuren aus der Fasnachtswelt und die Besucher mussten erkennen, was es ist. Wahrscheinlich wurde zu gut gezeichnet, denn teilweise wurde schon nach wenigen Strichen, der Begriff erraten. Ein weiteres, lehrreiches Stück Fasnacht.

Mit dem gemeinsam gesungenen «Hängget d Drummle aa» wurde die Produktion in einem tollen Rahmen abgeschlossen.

Das Duo mit der Regie von Colette Studer und dem Text von Peter Keller ist für sich allein schon eine Erfolgsgarantie. Wenn dann noch ein derart grossartiges Ensemble diese Geschichte zum Leben erweckt, bleibt nur ein Fazit in höchsten Tönen:
SÄLBER GMACHT – UND SO GUET!

 

Weitere Mitwirkende:

Kompositionen: Balz Aliesch

Technik / Produktionsassistenz: Sonja Oswald, Lukas Schweizer

Werkstätten: Franz Reichlin

Kostüme: Pia Sigrist & Ensemble

 

SCHYSSDRÄGGZIIGLI

Für Kinder ab 4 Jahren und die ganze Familie.

Sprache: Mundart

Dauer: 60 Minuten (ohne Pause)

Theater Arlecchino / Walkeweg 122 / 4052 Basel

Vorstellungen:

Mittwoch 7. Januar bis Mittwoch 11. Februar 2026 im Theater Arlecchino (Walkeweg 122, Basel) statt.

Premiere: Mi, 7. Januar 2026 (14:30 Uhr)

Weitere Vorstellungen: Mi, 14.1. / Mi, 21.1. / Mi, 28.1. / Mi, 4.2. / Mi, 11.2.2026 (jeweils 14:30 Uhr)

 

Ticketshttp://www.theater-arlecchino.ch