Fasnacht ohne Grenzen – ein Blick über den Tellerrand

26. November 2015 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

Was ist das für ein Fieber, das uns alljährlich in der dunklen Jahreszeit packt, immer dann, wenn die Tage zwar spürbar länger werden, aber Wärme und Licht auf sich warten lassen? Wie kommt es, dass sonst durchaus nüchterne Leute auf einmal die Lust überkommt, in ein Kostüm (oder Häs) zu steigen und das Gesicht unter einer Larve (oder Maske) zu verbergen? Das vom bekannten Basler Grafiker und Fasnachts-Laternenmaler Fredy Prack reich illustrierte und mit lebendigen Berichten über dreissig Fasnachten im Dreiland versehene Buch von Edith Schweizer-Völker gibt auf diese Fragen Antworten. Jede Fasnacht hat ihre Besonderheiten, ist eigenständig in ihrem Verlauf, bei den Masken, bei den zu beobachtenden Brauchelementen. Dominiert am einen Ort der Wortwitz an närrischen Abenden, so steht am anderen Ort das Maskendefilee im Vordergrund. Am dritten Ort wiederum findet man einen altertümlich wirkenden Heischebrauch, der vielleicht sogar erst an Mittfasten stattfindet, während am vierten Ort das Feuer einen wichtigen Stellenwert im Fasnachtsgeschehen einnimmt. Und selbst hier zeigt sich die Vielfalt: So muss ein Fasnachtsfeuer nicht unbedingt den Schlusspunkt bei einer Dorffasnacht setzen sondern kann auch einmal den Auftakt bilden. Einst weiter verbreitet waren die Feuerräder, während das Scheibenwerfen ein Feuerbrauch ist, der noch immer an vielen Orten im Elsass, in Baden und in der Nordwestschweiz ausgeübt wird – wie wohl seit vielen hundert Jahren.

Fasnacht im Dreiland: eine wunderbare Gelegenheit, ganz besondere Orte und Menschen unserer Region mit Südbaden, Nordwestschweiz und Elsass in offener, fröhlicher Atmosphäre kennen zu lernen und dabei zu erfahren, wie interessant und vielfältig sich dieses Brauchtum zeigt. Bisher gibt es keine Publikation, die aus den Hunderten von Anlässen die eindrücklichsten, witzigsten und originellsten zusammenstellt – dokumentarisch mit kulturhistorischen Hintergründen und leicht lesbar. Vollmaskierung, Satire und ‚Angefressenheit’ sind dabei die Gemeinsamkeiten.

Als Dreiland-Journalistin (ehemals Basler Zeitung) und Verfasserin mehrerer grenzüberschreitender Bücher war die Autorin über 30 Jahre lang auf Recherche (Medaille der REGIO BASILIENSIS 2008). Ausgehend von bekannten und bedeutenden Anlässen wie der Basler Fasnacht, dem Rottweiler Narrensprung, dem Liestaler ‚Chienbäse’ oder der ‚Cavalcade’ in Mulhouse führt das Buch auch zu kleinen, weniger bekannten Städten und Dörfern mit spannenden Maskenbräuchen. Vom 11.11. bis zum Sonntag Laetare (‚Mittefasten’) drei Wochen vor Ostern reichen die Termine – ein ausführlicher Veranstaltungskalender und eine Liste der Fasnachtsmuseen der Region ergänzen die Reportagen im Buch.

Edith Schweizer-Völker: Fasnacht ohne Grenzen Maskeraden im Dreiland. Illustriert von Fredy Prack. Mit Veranstaltungskalender IL-Verlag, Nov. 2015. 29,00 SFr / 27,00 EUR.