Mimösli 2026: «Ein royaler Abend»

10. Januar 2026 | Von | Bilder: Nicole Messer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Ein sehr gutes Mimösli hatte getreu dem Motto «Fasnacht Royal» ein paar sehr royale oder königliche Programmpunkte. Plötzlich werden die Ohrwürmer der britischen Rockband Queen baslerisch und das Publikum geht mit. Der 3-Sterne-Koch-König Peter Knogl hat seinen Platz wie auch der verstorbene, legendäre Motorenkönig Peter Monteverdi mit seinen edlen Renn- und Luxusautomobilen. Wie eine Standing Ovation am Schluss zeigte, hat man mit dem Motto und deren Umsetzung das Premierenpublikum begeistert.

Aus dem farbenfrohen, ausgewogenen Programm einzelne royale Farbtupfer herauszupicken, ist gar nicht so einfach. Zu stimmig und gleichwertig präsentierten sich die einzelnen Programmpunkte. Unbestritten dazugehören der Prolog, der eindrucksvolle Auftritt der Guggemusik «Ventilatore», die «Rötzilisgge» in Peter Knogls Küche, die Pfeiferinnen von «piccognito» bei der Hommage an Peter Monteverdi, der Schnitzelbank «d Gryysel» sowie nicht zuletzt die royale Mimösliband.

Der Prolog war eine Abfolge bekannter Queen-Ohrwürmer mit baslerischem Text. Wenn dann die wahre Queen des Häbse, Hedy Kaufmann, zu «We Will Rock You» Luftgitarre spielt oder Dani von Wattenwil beim Hit «Bicycle» mit angeklebtem Schnauz kämpft, kommt neben der musikalischen Qualität auch der Spassfaktor nicht zu kurz. Das gesamte Ensemble trat passend zum Motto in weissen Hosen mit goldfarbenen Oberteilen auf. Das Publikum liess sich von den vielen bekannten Queen-Hits mitreissen – und musste gleichzeitig genau hinhören, um die pointierten baslerischen Texte zu erfassen.

Die «Rötzilisgge» brachten mit solider und überzeugender Trommelkunst sowie dem «Ueli» das Geschehen wieder auf eine klassisch fasnächtliche Ebene. Wie bereits angedeutet, sorgten sie im zweiten Teil in Peter Knogls Küche für einen der Höhepunkte des Abends: ein Trommelfurioso auf Pfannen, mit Wallholz, Pfannendeckeln und sogar mit dem Takt aus dem Mixer – grosses Kino.

Was bei einer Annahme der Halbierungsinitiative der SVP für die SRG passieren könnte, zeigte das Ensemble im Raamestiggli «SRF Sparprogram». Vor der Kulisse des Sportpanoramas wurden die möglichen Auswirkungen des Sparens pointiert dargestellt. Der unverwüstliche Michael Eckerle lebte seine kabarettistische Ader voll aus – im Anzug, aber ohne lange Hosen, stattdessen in Shorts: Sparen eben. Kameras waren laut Carlos Amstutz als Abwart bereits weggegeben worden, weshalb aus Kostengründen mit dem Handy gefilmt wurde. Hedy Kaufmann überzeugte als Wetterfee im Studio, während Garderoben gemäss Regie Cyliane Howald nicht mehr existierten und kurzerhand zu Einzimmerwohnungen umfunktioniert wurden. In diesem Stil ging es weiter – und man kann nur hoffen, dass dieses Raamestiggli Fiktion bleibt. Ein möglicher Karriereschritt nach oben wäre in diesem Szenario übrigens der Wechsel vom SRF zu Telebasel.

Bei königlichen Anlässen dürfen Hofnarren nicht fehlen. Entsprechend spielten die Pfeiferinnen von «piccognito» gemeinsam mit den Tambouren der «Rötzilisgge» standesgemäss den «Basler Hofnarr». Alle traten in Waggiskostümen auf, ergänzt durch vier politische Hofnarren: Infantino, Trump, Amherd und Karin Keller-Sutter.

Ein Dauerbrenner seit Jahren sind Baustellen. Eine Sitzung des Bau- und Verkehrsdepartements zur Reduktion ihrer Anzahl wurde jäh vom Baustellenkönig und seiner Gemahlin unterbrochen und mündete – gemeinsam mit der Mimösliband – in eine musikalische Nummer. Vielleicht eine Anregung für Esther Keller.

Die Umbaupausen wurden, wie schon im letzten Jahr, immer wieder durch kurze Auftritte des Schnitzelbanks «dr Schyynhailig» überbrückt. Mit prägnanten, witzigen Zweizeilern sorgte er jedes Mal für Heiterkeit. Ergänzend dazu war neben der Bühne ein überdimensionales Handy installiert, auf dem immer wieder kurze, KI-generierte, humorvolle Videos eingespielt wurden.

Ein weiteres Highlight war der Schnitzelbank «Gryysel». Das bekannte Intro mit Orgelmusik, ihr witziges Auftreten und anschliessend erstklassige Verse zu unterschiedlichen Melodien und aktuellen Themen – von Barbershops über Jodeln als Kulturgut bis hin zu Sarkozy und natürlich Birsfelden – machten diesen Auftritt zu einem ausgezeichneten Jahrgang.

Optisch wie akustisch setzte die Guggemusik «Ventilatore» ein starkes Zeichen: zunächst abgedunkelt, nur mit Kopflaternen vor der Kulisse des Spalentors, dann langsam heller werdend – begleitet von Guggensound der Sonderklasse – Bravo.

Der zweite Schnitzelbank, «S spitzig Ryssblei», der Hausbank schlechthin, blieb sich treu und holte mit Themen wie Chlorhühnern, Karin Keller-Sutter, den Epstein-Akten oder dem legendären Gundeli-Hundeli-Vers die Lacher sicher ab.

Um ein Positives Image zu gewinnen, führten Dani von Wattenwil und Carlos Amstutz im Auftrag ihres Chefs Conradin Cramer mit dem Saal einen Lottomatch durch. Zu gewinnen gab es herrlich absurde Preise – etwa einen Gutschein, der garantiert, dass ein Beweisfoto bei einer Radarkontrolle farbig statt schwarz-weiss zugestellt wird.

Das Raamestiggli zum F-35, umgesetzt von Dani von Wattenwyl, Nicole Loretan, Carlos Amstutz, Michael Eckerle und Cyliane Howald, war handwerklich hervorragend, wirkte jedoch so nah an der Realität, dass die Lacher stellenweise dem Nachdenken wichen.

Die Pfeiferinnen von «piccognito» zeigten einen stimmungsvollen Auftritt im royalen Park mit Kutsche und elegant flanierenden Damen von Welt. Der Programmpunkt «Peter Monteverdi» jedoch war an sich bereits königlich: Eingeblendete Automobile aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, begleitet von gepfiffenen Melodien dieser Zeit – «Hey Jude», «Oh Happy Day», «In the Summertime», «Love Is in the Air» und mehr. Ein grossartiges Konzept, wunderbar und eben königlich umgesetzt.

Als Epilog sang das Ensemble «Bohemian Rhapsody» von Queen auf Baseldeutsch (und auf der Grossleinwand eingeblendet), die Band gab nochmals alles – um schliesslich mit dem traditionellen Mimöslilied wieder in Basel zu landen und die verdiente Standing Ovation entgegenzunehmen.

Den Machern des Mimösli 2026 und allen Aktiven kann man zu dieser Ausgabe nur gratulieren. Wie Dani von Wattenwyl in seiner schriftlichen Botschaft an die Premierenbesucher andeutete, war der Entscheid zur Durchführung der Premiere angesichts der tragischen Umstände im Wallis und der grossen Betroffenheit kein einfacher. Man habe sich bewusst dafür entschieden, den Fokus auf Lichtblicke zu richten – solche, die es gerade in schwierigen Zeiten braucht. Die Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien war dabei stets spürbar.

Mimösli 2026

Vom Freitag, 9. Januar bis Samstag, 14. Februar 2026

Kulturhaus Häbse / Klingentalstrasse 79 / 4057 Basel

 

Tickets zum Einheitspreis von CHF 78.- sind  online (Kulturhuus Häbse – Ticketshop – Mimösli 2026) oder an der Kasse des Kulturhaus Häbse erhältlich.