Källerstraich: Vorfasnacht da, wo „d Holzkepf an de Fääde hange!“

6. Februar 2026 | Von | Bilder: Nicole Messer | Kategorie: Nachrichten

Der 12. Källerstraich, einst ein Geheimtipp und heute eine Glückssache, hatte gestern Abend Première. Das Publikum war – wie immer – begeistert, aber auch ein bisschen erschöpft…

Zugegeben: Man steigt nicht mehr so locker und bedenkenlos die steile Treppe in den Keller des Marionetten-Theaters hinunter wie auch schon. Unten hängt aber, sehr prominent, der Plan mit den Fluchtwegen (vorbildlich, siehe Bildergalerie). Man kann sich also auf einen „sicheren“ Källerstraich freuen. Und der Keller ist voll, es sind alle Vorstellungen ausverkauft. An der Première sieht man das eine oder andere bekannte Gesicht. So waren Emil mit seinera Frau Niccel in den Keller hinabgestiegen und haben sich neben Franz Baur gesetzt, der für einmal mit gesunden Füssen daher kam.  Der baustellengeschädigte Raphael Blechschmidt hat sich über einen Baustellenvers eines Schnitzelbanggs gefreut und Nationalrat Eric Nussbaumer hat den Vers über sich ergehen lassen, in welchem man dem Trump anstelle von Venezuela, Grönland, Kanada das Baselbiet gratis und franko abliefern würde…

Der rund zweieinhalbstündige Abend unter der Regie und mit Texten von Christoph Haering und Markus Blättler hat einige Höhepunkte. Dazu gehören einerseits alle Nummern, wo die Marionetten zusammen mit den führenden Menschen oder vortragenden Künstlern auftreten. Sei es als Sänger oder Saifiblootere-Kinschtler mit der Piccolo-Formation (Ego-Säu) oder als Trommelsolist mit dem „richtigen“ Trommelsolist (Andy Borer). Oder dann jene Nummern, wo die Kreativität der Macher durchscheint: Die Nummer, welche an die italienische Comic-Figur „La Linea“ angelehnt ist, ist grossartig und sehr bald erkennt man, dass hier Präsident Trump absolut genial karikiert wird. Chapeau! Oder dann die Nummer ohne Marionetten, dafür aber mit vier paar Beinen und einem herrlichen Song darüber, dass man auf der Route und vor den Beizen an der Fasnacht und in den Pausen vorallem eins macht: „Stehen“. So sangen die Background-Singers das Lied „Stöööhn“ und brachten es auf den Punkt. Herrlich.

Ein Wort noch zu den „Ego-Säu„, die – nach dem Tod ihrer Kollegin – nur noch zu fünft auftreten, zeigen eine hevorragende Leistung an den Piccoli. Mit wunderbaren Märschen von René Brielmann, Michi Robertson und Gérald Prétôt zeigen sie, dass das Piccolo-Spiel wunderschön, aktiv und rassig sein kann.

Die Rahmenspiele mit den Figuren Sämi, Werni und Heinz sind unterhaltsam und haben die eine oder andere gute Pointe. Die im Intro versprochene „Bissigkeit“ allerdings war nicht so spürbar. Aber dafür eine unterhaltsame Ebene.

Ein bisschen Kritik sei erlaubt: Die Schnitzelbangg-Formationen versuchen in diesen Tagen ihre „guten“ Verse auszusortieren und das führt dazu, dass sie alle ihre Verse singen. Das ist legitim. Aber das führt eben auch dazu, dass Formationen, die normalerweise auswendig vortragen (Die Penetrante), ablesen  und sogar Verse nochmals beginnen müssen, weil sie noch nicht sitzen. Oder es kommen sehr schwache Verse, die kaum Applaus bekommen (und dann hoffentlich ausgemistet werden). Und der dritte Nachteil ist,  die Auftritte sind dadurch eher zu lang. – Meckern auf hohem Niveau. Aber mit den „Penetrante“ und – vor allem mit dem Elfi-Glöggli (absolut der knackigste Auftritt, komplett auswendig und fehlerfrei und … lustig!), gab es am Premièren-Abend trotzdem gute und unterhaltsame Vorträge! Ergänzt wurden die beschriebenen Bängg noch mit den „Schnabelwetzern„, der „Wanderratte„, dem „Kuchi-Daberettli“ und den „Perefys„, die den schwierigen Schlusspunkt nach einem eher langen Abend setzen mussten. Es werden an jedem Abend andere Bängg auftreten. Darunter slche von den vier grossen Schnitzelbangg-Gesellschaften.

Aber um auf die Strasse des uneingeschränkten Lobes zurück  zu kehren: Alle TicketbesitzerInnen sind Glückspilze. Sie besuchen eine Basler Vorfasnachtsveranstaltung die berechtigterweise zu den nachgefragtesten gehört. Die Art und Weise, wie man die „…Holzkepf an de Fääde“, wie sie das Elfi-Glöggli genannt hat, mit der realen Fasnachtskultur zusammen bringt, ist hervorragend. Und dass der Marionetten-Bangg „die drei Antikeerper“ fast der beste Bangg des Abends war, spricht auch für die Kompetenz der Macher/innen. Bravo.

Wie bereits mitgeteilt: Der „Källerstraich 2026“ ist ausverkauft. Komplett. Es wird auch keine Warteliste geführt. Die einzige Möglichkeit ist, am Abend vorbei zu kommen und in der momentanen Grippewellen-Zeit darauf zu hoffen, dass jemand seine Tickets vor dem Theater feilbietet.

Wichtig aber ist der Samstag, 12. September 2026 um 09.00. Dann startet der Vorverkauf für die 2027er Ausgabe. Bei Ticketcorner. Viel Glück!