Am 10. Jänner haben d Schnurebegge mit einem Jubelapéro ihr Jubiläumsjahr eingeläutet. Die stolze Kleinbasler Männerclique feiert in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen.
Wir haben uns zu diesem Zweck mit dem Obmaa der Clique – Yves A. Thiriet (mit dem Autor verwandt. Die Red.) – und dem Obmaa des Jubiläums-OK – Markus Geissmann – zum Jubelgespräch getroffen.
Die Erstehungsgeschichte ist rasch erzählt: Die Gründung erfolgte 1926 als 14 Mitglieder der „Sans-Gêne“ nach einer turbulenten GV die Clique verlassen haben und am 13.8.1926 im Restaurant Turnhalle im Kleinbasel einen neuen Fasnachtsverein ins Leben gerufen haben. Im Oktober desselben Jahres, an der ersten Gesellschaftssitzung, bekam die Clique ihren Namen: „Schnurebegge“. Benannt nach dem Sohn des letzten Stadttambours Jakob Friedrich Beck, der offenbar ein etwas loses Mundwerk hatte. 10 Jahre später wurde das Buebeziigli – die Jungi Garde – geformt und 1964 entstand die Alte Garde „D Schlurbbi vo de Schnurebegge“.
Seit nunmehr 100 Jahren besteht diese Clique, als Männerclique und als ein Verein, der sich „familienfreundlich“ und „unkompliziert“ nennt. Das wollen wir genauer wissen.
fasnacht.ch (f.ch): D Schnurebegge nehmen in Anspruch, eine Kleinbasler Clique zu sein. Hattet ihr nicht mal den Stamm im Restaurant Baselstab am Märtplatz?
Yves: Ja. Aber das war ein Abstecher: D Schnurebegge 2026 residieren im „Pensiönli“, haben d Fischerstuube in der Rheingasse als Stammbeiz, lernen das Pfyffe und Drummle im Claraschulhaus und halten uns an der Fasnacht sehr oft im Glaibasel auf. Das ist schon eine „Glaibasler Clique“.
f.ch: Wir müssen das ansprechen: Ihr seid eine der aktuell noch sechs reinen Männerclique in Basel. Ist das nicht langsam überholt?
Markus: Schau, das ist historisch! 1926 war das überhaupt keine Frage. Es gab schlicht keine Frauen, die Fasnacht machten. Alle paar Jahre kommt das Thema auch bei den Schnurebegge auf. Wir machen dann eine Umfrage und die Diskussion ist jeweils schnell beendet: Die Mitglieder wollen eine reine Männerclique bleiben. All die halbsyydige Lösungen mit „Harem“, Ableeger und sonstigen Frauenabteilungen sind nicht konsequent und zeigen nur, dass auch Frauen manchmal lieber „unter sich“ bleiben.
Yves: Und auch das Argument, dass wir weniger Nachwuchssorgen hätten, wenn wir uns für Frauen öffnen, zieht heute nicht mehr. Ich glaube, dass Instruktionsqualität, Cliquenleben und soziale Beziehungen innerhalb der Clique weit wichtiger sind.
f.ch: Ihr doktriniert das aber auch den Jungen ein. Der Slogan für die Junge Garde Schnurebegge heisst: „Deert wo Buebe no Buebe deerfe syy…“?
Yves: Ja, damit haben wir auch schon ein paar Bemerkungen eingefahren. Aber wir stehen dazu: Wir fühlen uns wohl als Männerclique.
Wenn die Zuschauenden am Rande des Cortèges Erstaunliches entdecken, wie z.B. eine Clique die nicht trommelt und pfeift, sondern als Putzhilfe mit Staubsaugern daher kommen, oder als Mumie eingehüllt, oder als Affen auf dem Cortège und in den Beizen herum turnen (siehe Bildergalerie) oder – um das BSE-Sujet auszuspielen – mit Gülle beschmierte Kälber darstellen (und entsprechend stinken), dann ist die Chance gross, dass d Schnurebegge im Anmarsch sind. Die Sujets dieser Clique fallen immer auf.
f.ch: Die Sujets der Schnurebegge sind ja meistens etwas … schräg.
Yves (war 10 Jahre Sujetobmaa der Schnurebegge): Wir suchen uns ein Sujet aus, welches vielleicht weltpolitisch oder auch lokal ist. Die Hauptsache, wir können es lustig und originell umsetzen. Das machen andere Cliquen natürlich auch, aber wir gehen gerne den Extraschritt weiter.
f.ch: Habt ihr Beispiele?
Markus: Viele! Z.B. Fasnacht 2023 wo jeder einzelne Pfyffer als Queen Elisabeth auf dem Cortège marschierte und – anstatt zu pfeifen – nur queen-like ins Publikum winkte.
Yves: Oder den Extraschritt bei dem Sekten-Sujet. Wir sind als Sektenbrüder an den Cortège. Und über die Hälfte aller Aktiven haben sich – für den Cortège und für die Auftritte in der Pause in den Beizen – den Kopf kahl rasieren lassen (!) und sind am Montag und Mittwoch mit nackten Füssen in Sandalen rummarschiert. Nur jene, die sich eine solche Rasur aus beruflichen Gründen nicht leisten konnten (wie z.B. mein Vater, der war dazumal noch Gerichtspräsident…) haben sich eine Plastikglatze aufsetzen lassen! Ein gewaltiges Bild und ein irrsinniges Comitment der aktiven Schnurebegge.
f.ch: Nun steht das Jubeljahr an. Wie läuft das ab?
Markus: Das ganze Jahr steht unter dem General-Motto: Mir sinn alli im glyyche Boot! Damit schliessen wir alle drei Sektionen der Schnurebegge ein, auch unseren Partnerwagen der Sürkrütt-Waggis. Dabei wollen wir nicht unbedingt die Vergangenheit feiern, sondern die Gegenwart und die Zukunft, in welche d Schnurebegge – eben – „im gleichen Boot“ fahren. Das Sujet an der Fasnacht heisst dann auch bei allen: MS 100 – Syt 100 Joor uff allne Wältmeer underwäggs.
Am 10. Jänner haben wir das Jubel-Jahr offiziell eröffnet. Da gabs ein eigenes Bier (Schnure-Bogg) von unserer Stammbeiz Fischerstube, mit welcher wir seit deren Eröffnung freundschaftlich verbunden sind. Jetzt geht’s dann ans Drummeli, welches wir mit einem entsprechenden Outfit eröffnen. An der Fasnacht haben wir sektionsübergreifend dasselbe Sujet. Dann gibt’s einen zweitägigen Bummel (wohin ist noch geheim). Über Auffahrt machen über 70 Schnurebegge eine Kreuzfahrt auf einem Rheinschiff von Basel nach Mainz und zurück nach Basel. Am 13. August – dem Gründungstag – gibt es einen offiziellen Anlass mit Comité und den Obleuten von anderen Cliquen und am 5. September gibts das grosse Jubelfest. Da sind wieder alle drei Sektionen dabei, die Sürkrütt-Waggis und auch die Passiven. Und dann werden wir uns wieder dem „normalen Cliquenleben“ widmen.
f.ch: D Schnurebegge können offenbar festen! Was zeichnet die Clique Eurer Meinung nach sonst noch aus?
Yves: Bei uns hat jeder seinen Platz. Ob er jetzt der aktive Macher ist oder der ruhige Geniesser. Zudem erachten wir uns als „familiär“. Auch im wörtlichen Sinne: Mein Sohn ist bei der Jungen Garde. Ich bin beim Stamm und mein Vater ist ein „Schlurbbi“.
Markus: Es ist auch völlig egal, was der Schnurebegg im beruflichen Umfeld macht. Ob er jetzt ein CEO ist oder ein Fensterputzer, das ist egal. Das sollte zwar normal sein in einer Clique, aber bei den Schnurebegge ist diese Toleranz allgegenwärtig.
f.ch: Gibt’s auch Baustellen bei den Schnurebegge?
Yves: Ja! Wir überaltern! Wir müssen deshalb tatsächlich immer und permanent schauen, dass wir attraktiv für neue Mitglieder sind. Das heisst: Wir arbeiten an der musikalischen Qualität, am Cliquenleben und an der Akquisition von neuen Mitgliedern (Mein Mantra in der Clique: „…jede kennt öpper…“).
Markus: Meine Gedanken gehen in Richtung „Alti Garde“ v/o Schlurbbi. Eine Alte Garde ist eine wirklich sinnvolle Abteilung einer Stammclique: Das Sammelbecken für jene, die es etwas gemütlicher nehmen wollen. Eine Sektion, die auch mal was ganz Neues probiert (z.B. – wie bei uns – eine Beiz übernehmen…). Wie manche „Alte Garde“ haben auch unsere Schlurbbi das Problem vom älter werden und immer weniger Mitglieder mögen noch aktiv pfeifen und trommeln. Aus meiner Sicht wäre daher eine Annäherung der beiden Sektionen für ein gemeinsames Trommeln und Pfeifen wünschenswert.
f.ch: Was sind Eure Wünsche für die nächste Zukunft der Schnurebegge?
Yves: Ich wünsche mir, dass d Schnurebegge ein unkomplizierter, familiärer und lustiger Haufen bleibt. Der gesellschaftliche Teil muss genau so verfolgt werden, wie das musikalische Können. Das ist der Wunsch unserer Mitglieder. Und den wollen wir befolgen.
Markus: Ich wünsche mir, dass d Schnurebegge die heute praktizierte Toleranz beibehält. Nicht abgehoben, sondern bodenständig.
f.ch: Fasnacht.ch wünscht Euch ein fulminantes und lustiges Jubeljahr!
D Schnurebegge haben auf ihrer Website eine informative, trimediale Aufarbeitung des Jubiläums gemacht: Als Film, als Podcast und als Bulletin kann man alles rund ums Jubiläum erfahren. Ein Blick lohnt sich: Schnurebegge-Jubiläum
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