Fasnachtsbändeli 2026: «ein rauschendes Geburtstagsfest»

10. Januar 2026 | Von | Bilder: Lucien Graf | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

30 Jahre Fasnachtsbändeli – das verlangt nach einer Feier, und zwar nach einer richtigen. Zum runden Jubiläum wurde dem Publikum ein ebenso liebevoller wie opulenter Rückblick auf drei Jahrzehnte voller Höhepunkte geboten, musikalisch verpackt in eine mitreissende Fasnachtsrevue. Ein Höhepunkt jagte den nächsten, und für viele Besucherinnen und Besucher verging der Nachmittag viel zu schnell. Ruhig sitzen zu bleiben, erwies sich über die gesamte Dauer als echte Herausforderung.

Wie es sich für eine Geburtstagsfeier gehört, wurde ein grosses Geschenk auf die Bühne gerollt und mit einem herzlichen „Happy Birthday“ gefeiert. Doch was sich beim Auspacken offenbarte, sorgte für eine echte Sensation: Erstmals in der 30-jährigen Geschichte – passend zum Jubiläum – erwachte der Arlecchino, das Symbol des Theaters, zum Leben. Schelmisch, verspielt, frech und naiv, aber mit einem grossen Herzen – all diese Eigenschaften vereint Fabienne Baltisberger in ihrer Darstellung. Sie steht während der gesamten Produktion auf der Bühne und füllt die Rolle mit beeindruckender Präsenz. Die Figur scheint ihr auf den Leib geschrieben; ihr allein zuzuschauen, wäre bereits einen Besuch wert. Mit viel Charme führte sie durch den Abend – Chapeau!

Die Jubiläumsausgabe stand unter dem Titel «Monopoly – eine Fasnachtsrevue». Gespielt wurde tatsächlich Monopoly: Ein grosszügig gestaltetes Spielfeld bildete den Hintergrund, und mittels Buzzer wurde ausgewürfelt, welcher Programmpunkt als Nächstes an der Reihe war. Die klassischen Monopoly-Symbole waren zwar nicht vollständig vertreten – was beim Feld „Zürich Paradeplatz“ durchaus begrüssenswert war – dafür fanden sich neben Startfeld, Gefängnis, Fragezeichen und Pause zahlreiche neue Felder. Diese standen jeweils für Höhepunkte aus den vergangenen Jahren. Der Buzzer wurde gedrückt, der Lichtpunkt blieb stehen – und die entsprechende Show begann.

So etwa gleich zu Beginn, als die Krone aufleuchtete: Manuel Müller, bekannt aus unzähligen Rollen, präsentierte die baseldeutsche Fassung von „Pretty Belinda“, begleitet vom legendären Kommissar Spüürli, Markus Jeppesen, der zum Saxophon griff. Beim Zauberstab war selbstverständlich die beliebte Nummer „Magic“ an der Reihe: Melina Kleiner verschwand in einer Kiste – und  Nora Masche erschien wie von Zauberhand.

Die aufleuchtende Bratwurst leitete die legendäre Nummer mit dem „Megge vom Brotwurscht-Egge“ ein – nach wie vor ein Augen- und Ohrenschmaus zur bekannten Melodie von Rumpelstilz. Manuel Müller verkörperte und besang diese Rolle erneut mit grosser Perfektion.

Zwischen den ausgelosten Nummern sorgte der Schnitzelbanknachwuchs – Charley Hunziker Schütz und Marleen Meier als Rollaator Röösli junior – für frischen Wind und überzeugte mit gelungenen Versen. Im zweiten Teil wurde zudem der bekannte Doggter FMH persifliert – ebenfalls mit viel Witz und Treffsicherheit.

Die Basler Piccolo-Akademie zeigte mit den beiden traditionellen Märschen „Dudelsagg“ und „Glopfgaischt“ in modernem Gewand eindrucksvoll ihr grosses Können.

In der Sparte Tambouren verwöhnten die Bändeli-Ruesser das Publikum zunächst mit einem klassischen, überzeugenden Vortrag. Beim zweiten Auftritt – mit Trommeln auf Holzkisten, rhythmischem Holzschuh-Einsatz und Klatschen – demonstrierten sie eindrucksvoll ihr Rhythmusgefühl und ihre Vielseitigkeit.

Natürlich durfte auch die legendäre Nummer der Blues Brothers, im Bändeli bekannt als die „Buess Brieder“ aus dem Jahr 2017, nicht fehlen. Hier wurde alles aufgeboten, was verfügbar war. Im Altersheim wurden die Gäste in die Aula geführt, selbst die Technikverantwortlichen wurden ins Geschehen eingebunden. Die Band wurde verstärkt durch Lukas Schweizer am Bass und Casper Thiriet am Schlagzeug. Was folgte, war eine ausgelassene Party im Altersheim – das Publikum ging begeistert mit. Die Pause kam genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Gemüter wieder etwas abzukühlen.

Doch nach der Pause ging es nahtlos weiter: Zur Hymne der Münchner Gruppe Voxxclub wurde gemeinsam mit den Jugendlichen der Arlecchino-Teens gestampft und geklatscht – riesige Stimmung im Saal.

Auch der Hit von Lo & Leduc mit der Telefonnummer 079, selbstverständlich in baseldeutscher Version von Spüürli und Brotwurscht-Megge, liess die Erinnerungen wieder aufleben. Nicht weniger bekannt war „Swiss Lady“ von Pepe Lienhard, hier humorvoll umgetextet zu „sie isch mi Piccolo Myysli“. Das Piccolo-Myysli wurde dabei von Nora Masche am Piccolo verkörpert.

Doch selbst das längste Monopoly-Spiel findet einmal ein Ende. Der letzte Buzzer bedeutete: Spielende. Melancholie lag in der Luft, Ändstraich. Aufräumen, putzen – wer kann und will das schon? Abhilfe schaffte der finale Höhepunkt: eine wohlbekannte Figur, Frau Lustrinelli, grandios dargestellt von Silvia Alioski als singende „Drägg-ewägg-Fachfrau“ in der baseldeutschen Fassung von „Muess i denn“. Der Abschluss war gesetzt, der Arlecchino schwebte über den Mitwirkenden und bedankte sich für eine rundum würdige Geburtstagsfeier.

 Besonders hervorzuheben ist, dass mit Roger Gugger ein Schauspieler während sämtlicher 30 Jahre in verschiedensten Rollen mitgewirkt hat – dazu herzliche Gratulation.

Unter der Regie von Colette Studer sowie nach Idee und Text von Peter Keller ist eine einmalige Fasnachtsrevue entstanden. Ein anspruchsvolles Unterfangen, das bravourös gemeistert wurde.

Es hat noch Tickets – und es lohnt sich in jedem Fall, das diesjährige Fasnachtsbändeli zu besuchen.

Weitere Mitwirkende:

Liedertexte: Jürg Jösslin

Technik: Sonja Oswald

Lichdesign: Lukas Schweizer

Werkstätten: Franz Reichlin

Kostüme: Pia Sigrist / Nadine Bachmann

Choreographie: Dominic Kummer

Am Abend zusätzlich im Programm:

Bändeli-Ruesser

Amerbach-Pfyffer

Schnitzelbängg (alternierend): Dipflischysser, Rollaator Röösli, PereFyss

 

«Monopoly – 30 Joor Fasnachtsbändeli»

vom 10. Januar bis 8. Februar 2026 im Theater Arlecchino (Walkeweg 122, Basel).

2 x 40 Minuten | Türöffnung: Matinees: 10:30 Uhr; mittags 14 Uhr; abends 18:30 Uhr

Premiere: Samstag, 10. Januar 2026 (14:30 Uhr).

Weitere Vorstellungen: Matinees (So) 11./18.01. (11:00 Uhr), Nachmittag (Sa/So): 10.01. – 08.02. (14:30 Uhr). Abend (Fr/Sa): 30.01. – 07.02. (19:30 Uhr).

Tickets:
Kinder: Fr. 22.00 / Erwachsene: Fr. 28.00

Eintritt Abend: Fr. 42.00 / ermässigt Fr. 32.00

Der Familienpass ist nur an den Matinees vom Sonntag, 11. Januar und Sonntag, 18. Januar 2026 gültig. Tickets à Fr. 10.00 für die IWB-Matinee (So, 25. Januar 2026) sind ab 9. Januar 2026 im IWB CityCenter Basel erhältlich.

Tickets unter: www.theater-arlecchino.ch