Fasnacht für Fortgeschrittene (VI): Der Guggemusiker

9. März 2014 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

vom Yyfäädler

1014_basel_fasnacht_guggeWer erinnert sich nicht gerne daran, wie er als kleiner Knirps an der Fasnacht mit einer Plastik-Trompete von Franz Carl Weber oder einer Kartontrommel, die der Vater aus einer Waschmittelbox gebastelt hatte, selig im Quartier umherstolzierte und einfach nur Lärm und Krach machte! Der Guggemusiker oder «Güggeler», wie er auch liebevoll genannt wird, ist musikalisch in diesem Stadium stecken geblieben. Mit glänzigen Äuglein schlägt er das Glockenspiel, prustet mit vollen Backen und hochrotem Kopf in das Sousafon oder malträtiert die verbeulte Trommel mit den rot-weissen Reifen. Zumindest früher war das so. Heute besucht der Guggemusikant nicht selten das Konservatorium und hat das Solotrompeten-Diplom mit der Höchstnote abgeschlossen. Die Herausforderung besteht nun darin, das gülden glänzende, blitzsaubere Instrument für die Fasnacht ein bisschen dreckig zu machen und ihm ab und zu einen fal-schen Ton zu entlocken. Deshalb üben die Güggeler heutzutage auch das ganze Jahr über eifrig und seriös: damit es an der Fasnacht falsch tönt.
Im Januar kommen sie dann aus all ihren Kellern hervor und beglücken die Anwohner rund um die Langen Erlen mit Marschübungen ohne Zahl. Denn die Spielfreude des Guggemusikers ist legendär: Er musiziert bei jeder erwünschten und unerwünschten Gelegenheit, sei das an der Vorfasnacht in Schwäbisch Gmünd oder in einer Beiz, wo sich die erschreckten Gäste die Ohren zuhalten und deswegen mindestens fünf Stücke gespielt werden, die letzten vier mit einem Bier in der Hand und ohne Larve.
Das höchste der Gefühle aber ist der Sternmarsch zu den Gugge-Konzerten am Dienstagabend. Als Clown, orange-schwarze alte Tante oder Kannibale mit blau blinkenden LED-Äuglein defiliert der Güggeler in seinem Stammkostüm, das auch nach tagelangem Lüften noch «niechtelet» beziehungsweise nach Naphtalin-Mottenkugeln stinkt, im typischen Gugge-Schritt durch das Kleinbasel Richtung Clara-, Markt- und Barfüsserplatz. Dort warten Tausende auf ihn, und wenn er dann mit seiner Gugge auf der Stahlrohrtribüne ein brasilianisches Medley zum Besten gibt und das Volk dazu wippt und tobt, dann weiss er: Ich bin der Fasnächtler der Zukunft!

Die Schweiz am Sonntag hat eine Serie von Artikeln über die einzelen Rollen an der Fasnacht gestartet. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, die Beiträge hier abzudrucken und veröffentlichen hier die sechste und letzte Folge. Gerne verweisen wir auf www.schweizamsonntag.ch