Der Schlussoobe der Comité-Schnitzelbängg: Ein Schaulaufen der Extraklasse!

1. März 2026 | Von | Bilder: Casper Thiriet | Kategorie: Nachrichten

(Bemerkung: Sie finden alle Verse von allen Bängg auf www.schnitzelbankbasel.ch)

Der Schlussabend der Comité-Bängg bot viele altbekannte, grossartige Formationen, dazu zwei Rückkehrer aus der Kreativ-Pause und zwei neue Bängg. Ein gewaltiger Abend. 

Wir beobachten den Abend im Schauspielhaus. Die Show – und so kann man das getrost nennen – beginnt mit dem Rudimental Drum Corps Basel. Das sind sieben Tambouren und drei Bass Drums, die eine rasante Trommelshow bieten mit Show-Elementen und einer Choreografie. Spezielles Detail: hier wird mit Basler Trommeln gearbeitet, nicht mit Snares. Danach begrüsst Mathias Kuster im Namen des Schnitzelbangg-Comités mit einem ungemein schön gedrechselten Prolog und der Aussage, der Schlussabend sei: „e Speed-Dating mit Top-Modäll“.

Und dann startet der Reigen mit den Bängg: D Böschtler machen den Anfang mit einem soliden, schön gesungenen Auftritt. Sie verzichten auf einen Marathon-Vers, bringen aber einen „roten Faden“, bei welchem sie regelmässig nach Schrauben und Araldit fragen, um den F35 selber zusammen zu setzen.

Das Experiment mit dem „Überflieger“ vom letzten Jahr ist beendet: Dr Schyynhailig ist wieder als dr Schyynhailig dabei und liefert seine unterhaltsamen und pointierten Zweizeiler ab.

Einen ziemlich starken Eindruck hinterlässt der erste Neuzugang in der Gesellschaft. D Nachtkeerze, mit einer kreativen Helgentechnik, mit einer Mini-Handpan und sehr aussagekräftigen und auch kritischen Versen („Ausländerfrauen, die als Schafe verkleidet in die Schweiz kommen, da sie gehört hätten, man bekäme in der Schweiz als Schaf mehr Unterstützung als eine Frau“…)

Die Schnaabelwetzer übernahmen dann als Trio und sind heute ein starker Wert des Abends. Schöne Verse mit tollen Pointen.

Dann der Katzegesang mit ihrer rauchigen Stimme, dem Outfit wie aus „Cats“ (inkl. grau geschminkten Lippen), dem Kazoo spielenden Assistenten und eher düsteren Versen, auch sehr politische.

Etwas lockerer geht es dann bei dem Bangg Yysebahn zu. Ein Gesangsduo mit Helgenträgern. Wunderbare Melodie, passende Goschdym und Hammerpointen. Dazu eine Helgenart, wo Malerei mit Fotos gemischt ist.

 

Ein Selbstläufer ist – wie jedes Jahr – Doggter FMH mit seiner Gundula. Hier wird geklatscht, bevor FMH seinen ersten Vers singt. Das Publikum hat einfach Freude an diesem Bangg und das wohl zurecht.

Der Spitzbueb hat einen neuen roten Faden, der sich bereits über zwei Jahre hinzieht: „Do isch d Laitschtell vo dr BVB…“. Seine ungelenke Helgenzeigerin zeigt den entsprechenden Helgen (Das Signet der BVB) und das Publikum weiss genau, was kommt. Aber der Spitzbueb setzt jeden seiner andern Verse absolut in Szene. Ein Vier-Zeiler-Top-Bank, seit jeher.

Der Bang „Verschweerig“ singt schön. Sie bemühen allerdings einen sehr langen Marathon-Vers, der das Publikum in Sachen Handykonsum belehrt und massregelt und leider ohne lustige Pointe endet. Das war kein gelungenes Beispiel für einen Marathon-Vers. Im Schnitzelbanggbiechli – welches für 15 Franken zu kaufen ist – sind alle ihre Verse epsteinmässig geschwärzt. Eben: Verschweerig. Lustige Idee.

Hansli Bargeld produziert – wie jedes Jahr – seine wunderbare Johnny-Cash-Parodie. Der Zwätschgesalaat ist – wie persönlich festgestellt – um Welten besser live, als im TV. Ich hatte nach der Visionierung bei TeleBasel ein gemischtes Gefühl für diesen Auftritt, aber es wurde eine sehr positive Überraschung.

Der Fäärimaa und die „Verschiffte“ leiteten zur Pause über. Wobei der Vortrag der letzteren eher ein Musical war, als ein klassischer Bank. Für manche ZuhörerInnen, die sich Vers und Pointe gewohnt sind, eher schwierig zu folgen.

Nach der Pause brillierte die Basler Piccolo Akademie mit dem Marsch „Spaalebärg“ von Michi Robertson. Wunderbar gepfiffen mit schaurig schönen Bass-Stimmen.

Danach kam der erste Hammerauftritt des Abends: Der 20jährige Baselbieter Bangg „Heiri“ kam in seinem Jubeljahr mit sehr viel mehr Personal, einer live Handorgel, einem Chriesibueb als Schlagzeuger bzw. Trommler und einem Tambourmajor und zwei jungen Kälbchen. Der Bauer räppte seine famosen Verse (wenn er die mit den Zöllen hadernde KKS anschaut und denkt: „… i ha im Chäller en alti Zwätschge mit 39 Prozänt…). Dazu bewegten sich alle Akteure zum Rap-Rythmus, was – besonders beim Chriesibueb – sehr amüsant zum Zuschauen war. (Siehe auch seperaten Bericht über das Geburtstagskind).

Dann folgt gleich ein weiterer Höhepunkt: Das Dintelimpli erzählt mit seinen acht vorgetragenen Versen acht Märchen und schmückt sie mit aktuellen Pointen (Er erzählt wie Trumps Pinocchio-Nase so lange wächst, bis sie ihm wieder von hinten an den Rücken klopft….). Grosse, unaufgeregte Klasse.

Eine wunderbare Alt-Stimme verwöhnt uns beim weiblichen Bangg Schwingbääse. Die Verse drehen sich fast alle ums Essen und das wird ebenfalls herlich mit aktuellen Versen kombiniert.

D Schlyffstai sind zu vergleichen mit den Verschifften. Anhand von Oldie-Songs werden Themen verwertet und Pointen kreiert. Sehr schön gesungen, Respekt. Aber wie immer: Sehr anspruchsvoll für die Zuhörenden.

Der zweite Neuzugang bei den Comité-Schnitzelbängg ist ebenfalls vielversprechend:  „Schlachtbangg“. Schön gesungen, tolle Melodie, durchdachte Goschdym und – das wohl wichtigste an einem Schnitzelbangg – niveauvolle und lustige Verse. Chapeau!

Nach dem traditionsgemässen Mitsing-Bangg vom Anggewegglimaitli durften d Spootschicht Rhygass antreten. Sie begannen gleich mit einem Marathon-Vers, einem guten mit einer tollen Pointe. Dieser Bangg, noch jung in der Historie der Comité-Bängg, steigert sich von Jahr zu Jahr! Speziell auch der Vers, der nach der Hälfte aufhört, weil das Publikum nach dem Zeigen des Helgens die Pointe schon kannte…

D Diigermugge sind auf dem Niveau des letzten Jahres und tragen noch immer diese heerlichen Goschdym inkl. Diigerfinggli. Ihre Verse sind gut und manchmal auch etwas bitter. Z.B. dann, wenn sie sich über eine Zugfahrt im ICE freuen, der zwar verspätet sei, sie aber zumindest nicht erschiessen würde…

Im Vergleich zur Première im Kellerstraich traten die Penetranten hier erstens textsicher und zweitens mit dem eigenen, brillianten Guitarristen auf. Es ist ein Vergnügen für Auge und Ohren, diesem Klasse-Bangg zuzuhören.

Gottseidank ist die Wanderratte aus ihrem Exil zurück. Nach einem Jahr Pause hat sie wieder gesungen. Klar, unaufgeregt, kurz und bündig. Gestartet ist er mit einem Extra-Vers über das Singen hier im Theater im Zusammenhang mit den Beschränkungen in den Kellern. Gehört – zumindest für mich – seit Jahren zu den Top-Bängglern in der Stadt.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass der Bangg Dreydaagsfliege mit Versen brilliert, die mit einem feinen Skalpell produziert wurden. Wenn er die SVP warnt, dass man sich mit Helebarden beim Kriechen leicht verletzen kann, ist das schon die ganz grosse Kunst des Versedrechselns (schauens Sie selber bei schnitzelbankbasel.ch). Und müsste ich einen Vers aus allen am Abend vorgetragenen als TOP-Vers heraussuchen, dann würde jener mit dem Teufel, der Trump noch nicht holt, weil er – lässt er ihn noch etwas länger wüten und dann holt – nicht mehr als Teufel, sondern als Erlöser gelten werde, mit Sicherheit in der Shortlist der besten drei landen.  – Das ist grossartige Bänggler-Kunst.

Es folgt ein reiner Frauenbangg: d Schnittstell (im Sinne von Coiffeusen). Herrliche Goschdym, tolle Melodie und einen anständigen Langvers mit einer Pointe, die nicht wirklich extrem lustig ist – aber zum Bangg passt.

Nach dem Singvogel, der sich Jahr für Jahr absolut stilsicher und entspannt präsentiert, markiert das Schunggebegräbnis den Abschluss des Bänggler-Reigen. Und das ist quasi der letzte Höhepunkt. Dieser Bangg ist wahrscheinlich musikalisch das perfekteste, was an diesem Abend aufgetreten ist. Und auch versmässig absolut mit dabei. Und dann: Der grossartigste Marathon-Vers des Abends! Sie künden ihn sogar an, erklären in dem Vers was passiert, wenn die SRG-Halbierungsinitative durchkäme und enden mit einer herrlichen Pointe. So muss es sein. Gratulation.

Den Abschluss macht nochmals die Basler Piccolo Akademie, diesmal mit zwei Tambouren und sie entlassen mit den Wettsteinmarsch das Publikum nach Hause.

Es gäbe einige Preise zu verleihen an diesem Abend. Für den schärfsten Vers. Für die schönste Musik. Für den grossartigsten Auftritt. Für die sichtbarste Leidenschaft. Und ich bin überzeugt, dass wir – gäbe es eine solche Jury – jedem der Formationen einen Preis überreichen könnten.

Der Schlussabend der Schnitzelbangg-Formationen vom Comité ist ein vergnügliche und niveauvoller Abend.