Zum 50-Jahre-Jubiläum hat das Kreativteam mit Caroline Rasser, Felix Rudolf von Rohr und Jo Vergeat eine bunte Fasnachtsrevue geschaffen, die Freude macht und das Premierenpublikum mit herausgeforderten Lachmuskeln am Schluss zu einer Standing Ovation bewegte. Vor allem die Nummern mit dem gesamten Ensemble überzeugten.
Die Erwartungen sind jeweils immens hoch, wenn man an die Premiere eines Pfyfferli darf. Diese Vorfasnachtsveranstaltung bewegt sich in all den Jahren eigentlich immer zwischen den Prädikaten «gut» bis «sehr gut» – und manchmal ist auch ein «sensationell» dabei. So gesehen erfüllt die Ausgabe 2026 die Erwartungen absolut. Sie umfasst viele gute Nummern und auch einige sehr gute. Man vermisste allerdings zu diesem Geburtstag noch einen absoluten Glanzpunkt.
Am besten gefielen die Nummern, in denen das Ensemble mit Salome Jantz, Philipp Borghesi, Caroline Rasser, Myriam Wittlin und David Bröckelmann zusammen auf der Fauteuil-Bühne standen. Vor der Pause war dies vor allem die Idee eben dieses Ensemble, nun auch mal richtig Strassenfasnacht machen zu wollen, woran es von einer queeren Frau Fasnacht gehindert wird mit der Begründung, sie beherrschten die fasnächtlichen «Grunddisziplinen» doch nicht. Was die Hausherrin mit dem schnippischen Satz konterte: «Fürs Pfyfferli hetts aber allewyl no glängt».
Regelrecht zum Kreischen war nach der Pause die Idee, die Fasnacht statt vom Comité von einer Grossratskommission organisieren zu lassen. Die in diesem Jahr aus einem lustvoll aufspielenden Ensemble herausragende Myriam Wittlin gibt als SP-Vertreterin einen grossartigen Konterpart zum SVP-Vertreter, gespielt von David Bröckelmann.
Die beiden Nummern sind Beispiele dafür, dass sich das Pfyfferli 2026 etwas mehr mit der Fasnacht als solches beschäftigt und etwas weniger mit dem aktuellen Geschehen in Basel. Und auswärtige Ereignisse werden gern mit Basel referenziert, etwa wenn das Ableben der Printausgabe von «20 Minuten» damit begründet wird, in Basel würden Texte nur dann beachtet, wenn sie gereimt daherkämen – und dazu reichten 20 Minuten eben nicht.
Wenn das Ensemble gesamthaft auf der Bühne stand, wuchsen jeweils einige des Teams so richtig aus sich heraus. Wittlin wurde bereits erwähnt, in derselben Nummer gibt Caroline Rasser eine grandiose LDP-«Daigdante», die ihr Latein kennt, sich aber auch zu klaren Worten herablässt: Der Satz «Dialectus am Arschus est» erstaunt beim sonst sehr gepflegten Ton des Pyfferli, begeisterte aber das Publikum.
Anscheinend gefällt es der Hausherrin des «Fauteuil», auch mal den einen oder anderen Schenkelklopfer auszupacken. Als Frau Haubensack-Labhardt mit ihrem «Aläääään» lässt sie auf alle Fälle keine Unklarheiten über ihre sexuellen Vorlieben oder diejenigen ihres Mannes aufkommen. Caroline Rasser hat dann als Politesse und Schwester der Schwester des Luxusweibchens noch einen zweiten – und rasend komischen – Auftritt. Vielleicht ist dieser Teil etwas zu lang geraten, was man auch über die ansonsten herrliche Parodie des festsüchtigen Regierungspräsidenten (Philipp Borghesi!) sagen muss, der nach ESC und Frauenfussball nur ungern in die Tiefen von Wohnschutz, Klimapolitik und ähnlichem Alltagstrott tauchen will.
An der Premiere traten die beiden Schnitzelbänke «Dr Heiri» (etwas sehr selbstreferenziell, aber mit grossartigem Einbezug des Publikums) und «Dr Spitzbueb» mit einer Neuauflage des letztjährigen Dauerbrenners «Do isch d Laitstell vo dr BVB» auf. Sie werden in den kommenden Vorstellungen bis zum 22. Februar mit «Doggter FMH», dem «Singvogel», «Tam Tam» und den «Verschiffte» ergänzt, wobei jeweils zwei «Bängg» pro Abend zum Einsatz kommen.
Traditionsgemäss spielt die fasnächtliche Musik beim Pfyfferli eine eher begleitende Rolle. Was aber keineswegs heissen soll, dass die Pfyfferli-Pfyffer oder die Tambouren der Chriesibuebe und von Les Coquins vernachlässigbar wären. Im Gegenteil gaben sie der Fasnachtsrevue eine perfekte Umrahmung, etwa mit einem perfekten «Altfrangg» zu Beginn oder der «Metzgede» von Michael Robertson gegen Ende des Abends.
Dazu kommen die musikalischen Arrangements von Bettina Urfer, die nicht nur Pausen überbrücken, sondern das Publikum mitwippen lassen. Dass man sich der Wurzeln durchaus bewusst ist, verdeutlicht eine Hommage an das «Basler Wienerli», den früheren musikalischen Leiter und Schöpfer des Pfyfferli-Liedes, Arth Paul.
Ein überraschendes und stimmiges Element waren die Trompeteneinsätze von Bodo Maier, der auch in die Wortnummern einbezogen wurde, indem er beim sattsam bekannten Telefongespräch zwischen Karin Keller-Sutter und Trump die Voten des US-Präsidenten trompete – ein herrlicher Einfall.
Fazit: Es ist ein Pyfferli-Jahrgang, der gefällt und das macht, was eine Vorfasnachtsveranstaltung in erster Linie soll: Vergnügliche Stunden bereiten und Lust auf die Fasnacht selbst machen. In diesem Sinne: Erwartungen erfüllt, wer noch ein Ticket ergattern kann, darf sich freuen.


