Die kleine, familiäre Stubete bringt mit einem lockeren Programm aus Schnitzelbänken und Fasnachtsmusik gute Laune in den Keller der Guggemysli und sorgt für Vorfreude auf die kommenden Tage.
Während zwei Mitglieder des fasnacht.ch-Teams an die Premiere des Drummeli gingen, war mir nach so vielen traditionellen Vorfasnachtsveranstaltungen eher nach etwas kleinem, gemütlichen als Abendprogramm. Da kam die Einladung zum «Gläbberli» gerade recht, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was mich erwartet.
Es erwartete mich der komplette Gegenentwurf zum Drummeli oder einer anderen Vorfasnachtsveranstaltung, eine wirklich feine Stubede mit einem Programm in drei Blöcken, was genug Zeit für Essen, Trinken und Rauchpausen liess.
Zuvor erklärten mir die beiden Macher, Andrès und Phips, wie es zu diesem Anlass kam. In der Corona- und damit fasnachtslosen Zeit veranstalteten sie eine WG-Party, die so gut war, dass sie beschlossen, daraus einen wiederkehrenden Event zu kreieren. Das begann mit einem Anlass im buchstäblich familiären Rahmen von rund 15 Leuten; heute wird der Keller der Guggen-Mysli gefüllt und aus drei auftretenden Schnitzekbängen wurden neun.
So war es auch in der mittlerweile vierten Ausgabe zu erleben. Da gab es erstmal solide Fasnachtsmusik. Für den fasnächtlichen Auftakt und mehrere musikalische Zwischeneinlagen sorgte ein Solo Duo, etwa mit dem «Nunnefirzli» oder der «Retraite». Der Tambour spielte auch mal allein, und zwar ein «Bleikügeli», dass den Komponisten Iwan Kym sicher zum Urteil veranlasst hätte, der Tambour sei ein Trommelnutzer nicht nur ein Trommelbesitzer.
Dann kamen drei Blocks mit Schnitzelbänglern. Den Anfang machen d Velokurier, die politisch korrekt statt Schnitzelbänke «veganen Blätzli-Gsang» intonieren. Als Stammgast outete sich der «Boodesuuri»; dass das Publikum ihn kennt, ist schon daran zu merken, dass ohne Aufforderung mitgesungen wird. Mit einem von Allmen-Goldvers ist er total aktuell. Der Höhepunkt des ersten Blocks ist die «Giftspritzi», die sich in Frühform befindet und sogar auf grönländisch singt.
Der zweite Block wird furios von den Rhygnächt eröffnet, einem sehr musikalischen Duo, das etwas sehr Ungewöhnliches in Basel entdeckt hat: Eine Strasse ohne Baustelle. Mit einem bitterbösen Trump-Vers eröffnet dann der Zwätschgesalaat. Die drei jungen Damen (normalerweise zu viert, aber Influenza schlug erbarmungslos zu) haben beim Sex mit ihren Männern das Birsfelden-Prinzip eingeführt: Dauerts kürzer als zwei Minuten, gibts eine Busse. Fast den identischen Vers hat der Pfluumeboppi, der sich einen herrlichen Disput mit seiner Mutter liefert.
Im dritten Block hat der Blageeri sofort die Aufmerksamkeit des Publikums, als er von seiner Problemscheidung singt; man sollte sich halt dabei nicht von Karin Keller-Sutter beraten lassen. Als Hausbank kommen die Bangg Noochberemit hervorragend herausgearbeiteten Versen zum FCB (kein Sturm) und zum FCZ (kein Stadion). Den Abschluss machten Nonkonform, in Kostüm, Helgen und Gesang ein Gesamtkunstwerk mit Vers-Schwerpunkt FIFA-Friedenspreis.
Als Gesamtkunstwerk präsentiert sich auch das «Gläbberli» selbst. Einen Vorteil hat dabei, wer an früheren «Gläbberli» bereits dabei war. Es gibt nämlich in der Mitte des Abends ein Quiz mit Fragen aus der Historie des Anlasses. Als Preis winken Gratismitgliedschaften bei «Driberuuse» und damit die Möglichkeit, vorzeitig Plätze reservieren zu können. Alle anderen seien auf die Mailadresse sali@driberuuse.ch verwiesen. Übrigens ist der Eintritt gratis, es gibt aber eine Kollekte.
«Driberuuse» heisst der Verein, der den Anlass organisiert und im wesentlichen aus den bereits erwähnten beiden Machern besteht. Sie machen dies mit so viel Herzblut und Geschick, dass die Kellerwirtin des Mysli-Kellers ein klares Urteil fällt: «Das ist der geilste Anlass, den wir jedes Jahr hier haben.»
Fazit: Ein Besuch lohnt sich wegen des feinen Programms, aber auch wegen des kulinarischen Angebots nach dem Motto «reduce to the max»: Eine sämige «Määlsubbe» und ein würzig-feines Hörnli Ghaggts. Die nächste Ausgabe ist am 30. Januar 2027.


