Was machen Basler Fasnächtler eigentlich in den Sommer- und Herbstmonaten, wenn die Kostümen noch fest in der Fasnachtskiste eingeschlossen sind und auch die Probetätigkeiten der Vereine noch nicht wirklich Fahrt aufgenommen haben?
Viele Cliquen, Wäägeler und Guggen sind in diesen Monaten zwischen End- und Morgenstreich sehr wohl äusserst aktiv. Sie sind beispielsweise rund um das Basel Tattoo als Volontäre engagiert, am diesjährigen eidgenössichen Jodlerfest als Helfer oder Standbetreiber eingesetzt, organisieren das Baselstädtische Schwingerfest und sind für dessen Restaurationsbetrieb zuständig, plagen sich beim Cliquen-Grimpeli über den Fussballplatz und organisieren unzählige Guggenfeste im Stadtkanton und den umliegenden Landschaftsgemeinden oder bereiten bereits die im Herbst stattfindenen Probewochenden vor. Andere wiederum bemühen sich bereits um das Sujet für die kommenden „drei scheenschte Daag“, schneindern sich das diesbezügliche Kostüm zusammen, verbessern oder ändern das bestehende „Morgestraichgwändli“, fertigen sich ein neues Kopfladärnli an oder schrauben schon wieder an ihren „Waggiswaage“.
Gewisse Fasnächtler feieren ihren runden Geburtstag im Kreise von Freunden wie beispielsweise Almi, dem man zum 60. gratulieren durfte und andere wiederum durften am Stockwurf-Workshop mit dem Majorsstab jonglieren oder mussten ihren mit Wasser vollgelaufenen Cliquenkeller an der Bäumligasse auspumpen und das Mobilar ersetzen. Die Aktivitäten sind also vielfältig und unsere Aufzählung keineswegs abschliessend. In Basel-Stadt hat im weitesten Sinne alles ein wenig mit Fasnacht zu tun.
In diesen Sommermonaten haben sich auch drei aus der Vorfasnachtszeit bestens bekannte Persönlichkeiten zusammengefunden und über ein gemeinsames Projekt ausserhalb der Fasnachtszeit nachgedacht. Es handelt sich hierbei um Tatjana Pietropaolo, Lieblingstaube aus dem Glaibasler Charivari, Tausendsassa Lucien Stöcklin unter anderem Regisseur des Glaibasler Charivari und Manuel Müller, Schauspieler im Fasnachtsbändeli vom Theater Arlecchino und Schnitzelbänggler. Nach längerem konspirativen Zusammenwirkens haben sie unter dem Titel „Nove Canzoni“ etwas Grosses entstehen lassen, welches auf einer kleinen Bühne am gestrigen Freitag Abend im Theater Arlecchino grossartige Première feiern durfte.
Passend zum Sommer, sind die beiden Komödianten Mallas & Tatj (Manuel Müller und Tatjana Pietropaolo) mit einem Camper von Basel in ein 700 Km entferntes italienisches Dorf im sprichwörtlichen Niemandsland unterwegs, wo Tatj doch einen weit (sehr weit) entfernten Verwandten hat und die beiden dort auch gleich noch ein Konzert spielen dürfen. So wird der fast vollständige Haushalt in das Reisegefährt verstaut und los geht es von Basel zum Gotthard-Tunnel oder zumindest bis zu dessen Stauende. Auf der langen Fahrt werden die Ortschaften besungen, welche sich am Wegesrand befinden. Die Sendersuche im Radio ist indes nicht erfolgreich, noch nicht einmal Radio Basilisk wurde gefunden obschon die Stimme von Stephanie Schluchter doch bis Göschenen zu hören sei, was die als Gast gegenwärtige Bezeichnete sichtlich belustigte. Der Tankstop wird zur sportlichen Herausforderung und führt schliesslich zu einer italienisch-baslerischen Musikeinlage.
Auch dem Stau vor dem Gotthard wird ein Lied gewidmet. Endlich ist der Campingplatz in Italien erreicht und dort wird sofort aufgebaut und sich der unmittelbaren Nachbarschaft vergewissert. Ohä, Schweizer… ! und ein älteres italienisches Paar. Ein Klapp-Lied lockert die gestresste Aufbauphase auf und sorgt wiederum für viel amüsement beim Publikum. Schliesslich versucht man die Nachtruhe zu suchen, ist doch für den kommenden Morgen das Konzert geplant. Mit der Nachtruhe wird es jedoch nichts, stimmen die Nachbarn doch gemeinsam in den Schnarch-Dreivierteltakt ein und auch Mallas sägt da genüsslich mit, was Tatj den Schlaf raubt und dies anklagend musikalisch kund tut.
Tagsdarauf steht dann das Konzert an, welches Mallas & Tatj geben sollen. Die Aufgabe von Mallas ist es nun die Begrüssung vorzunehmen, auf italienisch notabene. Die Freudentränen kullern! Schliesslich wird das Konzert doch noch mehr oder minder erfolgreich über die Zeit gebracht und damit findet das Programm im Theater Arlecchino ein erfolgreiches Ende.
Von der ersten Minute bis zum letzten gesungenen Ton ist „Nove Canzoni“ eine höchst amüsante musikalische Komödie mit Szenen aus dem Alltag, wie wir sie alle noch so gut kennen. Die beiden Darsteller brillieren mit Mimik, Gestik, Gespür für die Situation und sprühen vor Spiellust. Die Besucher kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus und zwischendurch kann man die Protagonisten gar nicht mehr verstehen, dermassen stark sind die Begeisterungsbekundungen, welche den beiden entgegengebracht werden. Die Lied- und Sprachtexte sind ausgeklügelt, zum Teil bewusst kurz gehalten, aber immer treffend und wirklich lustig. Viel Lokalkollorid ist mit eingebunden, die Handschrift von Lucien Stöcklin ist unbestritten stark ausgeprägt erkennbar.
Das Premièrenpublikum, unter welchen sich praktisch das ganze Ensemble des Glaibasler Charivari befand, René Häfliger sich die Ehre gab, Mama Pietropaolo, Mike Wolff, Silvio Fumagalli, Tosca Stucki und auch Jasmin Weder Wessel unter anderen auszumachen waren, zeigten sich begeistert und spendeten den beiden Schauspieler gleich zwei stehende Ovationen. Danke für diesen äusserst amüsanten Abend.
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Weitere Aufführungen finden am Samstag, 19. Sept. 2026 sowie Freitag, 25. Sept. 2026 und Samstag, 26. Sept. 2026 jeweils 19:30 Uhr im Theater Arlecchino, Walkenweg 122, 4052 Basel, statt.
Partiamo subito!
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Mallas & Tatj – Nove Canzoni in Basel | Comedy & Kabarett


