Wegen Auflagen: 2027 werden nicht alle Fasnachtskeller öffnen

11. Juni 2026 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wegen der Brandschutzauflagen und oft reduzierter Maximalbelegung haben viele Cliquenkeller an der Fasnacht 2026 Verlust geschrieben oder deutliche Gewinneinbussen verzeichnet. Dies ist nach den an den GVs präsentierten Abschlussrechnungen klar. Einige Kellerwirte reden denn auch vom Aufgeben.

Aufgrund der Brandkatastrophe in Crans-Montana zum Jahreswechsel 2025/26 reagierte der Basler Regierungsrat und kündigte auf die Fasnacht 2026 schärfere Brandschutzbestimmungen respektive die harte Durchsetzung der bestehenden Vorschriften und strikte Kontrollen an.

Eine anschliessende Runde der Spezialisten von der Gebäudeversicherung durch die Keller führte dann tatsächlich zu einigen Auflagen und in vielen Fällen zur Reduktion der maximal zulässigen Gästezahl. Viele Kellerwirte fürchteten, aufgrund dieser Auflagen keinen rentablen Betrieb mehr garantieren zu können.

Nun sind bei den meisten Cliquen die Generalversammlungen abgehalten und die Rechnungsabschlüsse präsentiert worden. Es zeigt sich, dass alle Federn lassen mussten, die meisten aber so gerade noch Null auf Null abschliessen konnten.

Damit stellt sich natürlich immer auch die Frage, ob man es sich antun wolle, meist in Fronarbeit den stressigen Kellerbetrieb an der Fasnacht aufrecht zu erhalten, wenn dann kaum etwas für die Clique dabei herausspringt. Diese Frage wird recht unterschiedlich beantwortet, wie eine kurze Umfrage von fasnacht.ch zeigt.

Nullsummenspiel beim «Dupf»

Von einem Nullsummenspiel spricht Pascal Frei, Kellerwirt des Dupf Club: «Verdient haben wir im Keller an der letzten Fasnacht nichts, aber konnten immerhin alle Rechnungen bezahlen.»

Man sei nun im Kontakt mit den Brandschutzbehörden, um abzuklären, ob man mit baulichen oder anderen Massnahmen eine höhere Maximalbelegung als die 2026 bewilligten 50 Personen hinbekomme: «Dabei geht es natürlich ums Geld, aber auch um die Stimmung. Viele Schnitzelbänkler haben uns gesagt, es sei in den meisten Kellern eher langweilig gewesen.»

Wenn es nicht gelinge, Erleichterungen für 2027 zu erreichen, steht eine Öffnung des Kellers an der Fasnacht auf dem Spiel, sagt Frei: «Das wäre dann eine Vorstandsentscheidung. Persönlich sehe ich aber wenig Sinn darin, mit viel Aufwand den Keller zu betreiben und dann nur knapp an einem Minus vorbei zu schrammen.»

Auch an der eigenen Nase nehmen

Ein bisschen enttäuscht ist er aber auch von seinen Kolleginnen und Kollegen bei den Keller-Verantwortlichen; das Comité habe eine Umfrage gestartet und kaum Antworten erhalten. «Als Einzelkämpfer», so der Dupf-Wirt, «erreichen wir sicher weniger als gemeinsam.»

Robert Schärz, Obmann des Fasnachts-Comité bestätigt, dass der Rücklauf anfangs eher lau gewesen sei, mittlerweile seien aber eine ganze Reihe von Stellungnahmen eingetroffen: «Diese werden nun ausgewertet, was noch etwas Zeit in Anspruch nimmt.» Man hofft, noch vor den Sommerferien kommunizieren zu können.

Schärz stellt im Übrigen klar, dass das Comité nicht die Arbeit der Kellerverantwortlichen machen könne: «Da muss jede Clique ihre Arbeit selbst machen. Das Fasnachts-Comité will aber gerne unterstützen, vor allem auch im Kontakt mit den Behörden.»

Ernüchterung bei Opti-Mischte und Glunggi

Ernüchternde Zahlen muss Thomas Strähl, Obmann der Opti-Mischte nennen: «Wir hatten bei den Einnahmen 50% Einbusse, was logischerweise zu einem – wenn auch nur kleinen – Minus führte.» Entscheidungen betreffend 2027 sind noch nicht gefallen, auch wenn Strähl davon ausgeht, dass der Keller an der nächsten Fasnacht offen sein wird: «Wir werden das im Herbst vertieft anschauen, da dann ein neuer Keller-Chef im Amt sein wird.»

Nicht glücklich zeigt sich auch Thomas Mangold von den Glunggi: «Wir sind zwar mit einem blauen Auge und einer ‘schwarzen Null’ davongekommen. Die Einbusse ist aber gross; in früheren Jahren hatten wir einen fünfstelligen Gewinn verbucht.»

Dies hat für die Finanzen der Clique massive Konsequenzen: «Mit dem Eigenkonsum an den Übungsabenden und mit Vermietungen können wir den Keller zwar halten. Wir können aber keine Rückstellungen für Renovationen oder Anschaffungen tätigen.» Die Mitglieder beschlossen deshalb an der GV einen Zuschlag zu den Mitgliederbeiträgen, der zweckgebunden in einen Renovationsfonds fliesst.

Stand heute, so Mangold, werde man den Keller auch an der Fasnacht 2027 öffnen: «Schon allein deshalb, damit der Keller weiter bekannt bleibt und damit attraktiv für Vermietungen.»

Gelassene «Antygge» und Lob an die Kontrolleure

Etwas bessere Nachricht hat Fabio Gallacchi, der den Keller der «Antygge» am Claraplatz führt: «Wir haben einen kleinen Gewinn gemacht, nicht so viel in früheren Jahren, aber immerhin.» Die Frage, ob der Keller an der Fasnacht 2027 offen sein wird, ist damit zumindest vertagt.

Ein grosses Lob spricht Daniel Heiniger, Kellerwirt des Barbara Club, den staatlichen Kontrollorganen aus: «Ich hatte etwas Angst vor den Kontrollen, aber sie verliefen sehr kooperativ. Ich fühlte mich nie schikaniert, es war ein perfektes Miteinander.» Hinsichtlich des kommerziellen Erfolgs muss aber auch Heiniger relativieren: «Wir hatten wegen der Auflagen einen höheren Aufwand bei geringeren Einnahmen, konnten dies aber durch die Zumiete zusätzlicher Räume kompensieren.» Klar ist für den Barbara-Wirt eines: «Der Keller wird auch 2027 offen sein. Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen.»