Bei den jubilierenden Chriesibuebe haben am Dienstagmorgen die Anwärter ihre Eignungsprüfung abgelegt. Die Jury war dabei gnadenlos!
Der Fasnachtskeller füllte sich langsam mit Chriesibueben und – weil es Dienstag- und somit Familientag war – auch mit kleinen Chriesikindern. Alle waren gespannt auf die Aufnahmeprüfung von vier Anwärtern, die den Keller als vollwertige Chriesibueben wieder verlassen wollten.
Die Aufnahmeprüfung tönt einfach. Ist aber nichts für schwache Nerven. Der Anwärter zieht aus einer Schale einen Marsch (15 Trommelmärsche, davon 7 vom Gründer Ivan Kym). Und aus der anderen Schale einen Vers. Und den hat er dann fehlerlos zu trommeln (…“usswändig sowieso, sunscht hesch do gar nüt verloore…“). Im Goschdym. Einfach, oder?
Zuerst begrüsst der Obmaa Marc in reinstem Wallisertütsch den jubilierenden Haufen und bedankt sich bei allen, die dieses Jubeljahr möglich gemacht haben. In der Zwischenzeit verteilt der Bäcker unter den Chriesibueben eigens hergestellte Spitzbuben zum Frühstück. Auch der Gründer Ivan Kym sitzt mit seiner Schwester am Tisch. Und ist gespannt. Denn einer der vier Anwärter ist sein eigener Sohn. Quasi mit einem Matchball.
Dann übernimmt Stefan das Wort und die Regie der Prüfung. Der erste Prüfling – Elias – macht sich bereit und zieht aus der ersten Schale den „Ueli“ und aus der zweiten „Vers Nr. 12“. Den gibt es nicht, also wird nochmals gezogen. Vers Nr. 3. Elias darf sich zuerst, mit dem Gesicht zur Wand, sammeln und gedanklich den Vers 3 suchen. Dann legt er los. Nach dem kurzen Trommelsolo gibts – keinen Applaus. Und das ist brutal. Stefan tritt zum Prüfling und erklärt: „…dasch nüt gsi. Du griegsch e zwaiti Chance…“. Dann flüstert er dem Trommler ein paar Tipps ein und dieser legt nochmals los. Nach Abschluss johlen die Zuhörer und Elias ist per Handschlag und sichtlich bleicher ein echter, neuer Chriesibueb.
Der nächste – nennen wir ihn L. – braucht drei Anläufe, weil bei den ersten beiden Versuche (Celanese, Vers 8) bleibt das Publikum absolut ruhig und L. weiss genau, dass das nix war. Beim dritten Versuch holt auch er sich den Handschlag von Stefan ab und wird ein echter Chriesibueb.
Und jetzt kommt Jérôme, Ivan Kyms Filius. Er tritt mit ein paar Hypotheken an: Erstens ist da die Last des kymschen Eigengewächs und zweitens: Ein Tennisspieler auf diesem Niveau muss doch einfach die Nerven für diesen Matchball haben. Jérôme aber ist in diesem Moment weder Kym-Sohn noch ATP-Spieler, sondern einfach ein Anwärter, der durch diesselbe Prüfung muss!
Natürlich schlägt das Schicksal zu: Der Prüfling zieht das „Bleichügeli“ – ein Marsch vom Vater. Dieser sitzt mit erwartungsvoller Miene da. Und der Trommler legt los. Nach Abschluss des Verses geschieht es: Das Publikum bleibt still und Pappa Ivan schüttelt den Kopf: Sein Sohn hat sich im Vers geirrt… Natürlich bekommt er eine zweite Chance und besteht unter grossem Jubel. Ivan ist mächtig stolz und Jérôme erleichtert.
Und dann kommt der unscheinbare Raphael, der Walliser: Er zieht den Marsch: „Ab uff d Gass, Vers 8“, trommelt und hat nach dem ersten Versuch das Publikum hinter sich.
Nach der Prüfung liest Walti, ein bekannter Basler Schnitzelbänggler als „Überraschung“ für d Chriesibuebe den von ihm verfassten Jubiläumszeedel vor und dann trinken die Trommler aus und punkt 11 stehen gegen 50 Chriesibueben ein und trommeln sich in den Fasnachtsdienstag. „Heute sind wir so viel, weil Jubiläum ist. Und jeder will an diesem Jubel-Dienstag dabei sein“, erzählt ein Vordrääbler und steht voller Stolz ein.
Die Chriesibueben marschieren ab. Mit vier neuen, vollwertigen Mitgliedern.


