So düster und schwermütig viele Sujets daherkommen, Sonne und blauer Himmel sorgen dafür, dass Schwermut weicht und man unweigerlich an altBundesrat Ogi denkt: Freude herrscht! Etwas getrübt wurde die Freude der Aktiven allerdings dadurch, dass zeitweise nichts mehr ging – sozusagen ein Monster-Stau.
Wo immer man am Fasnachtsmittwoch am Strassenrand stand, man konnte einfach nicht anders als gute Laune fühlen und verbreiten. Petrus hatte anscheinend die seinige definitiv auch gefunden und liess die Sonne auf Aktive wie Passive scheinen. Das schreit nach einigen Impressionen:
Zeitweise ging es – zumindest am Comité-Standort zu wie auf der Gotthard-Autobahn an Ostern: Es ging… nichts! So wurde der geplante Vorbeimarsch der «Hunne» halt zu einem längeren Platzkonzert, bis es weiterging:
Aber da liessen sich weder die Aktiven noch die Massen am Strassenrand beeindrucken; zu herrlich war der £Blick in den wolkenlosen Himmel. Mit diesen Bedingungen liessen sich auch die oft schwermütigen, der Weltlage geschuldeten Sujets ertragen respektive geniessen. So etwa dasjenige der VKB mit dem Wortlaut «20’000 Johr Mais». An die Friedfertigkeit des Menschen wird nicht geglaubt, ganz im Gegenteil, tönt es voller Sarkasmus:
Im Urwald gänn d Schimpanse
mit de Füscht sich uff e Ranze
doch will mir zivilisierter wänn syy als d Affe
dööte mir Mensche uns lieber mit Waffe
Bei den onYva hat es sogar das «A-Wort» ins Sujet geschafft: «Arsch lägge – ka me loo». Ihnen geht die Unterwürfigkeit der Schweizer Diplomaten gegenüber dem orangen Clown oder der EU auf den Wecker:
Jä sag emol – y frog diräggt
Hesch au scho mol e Fuudi gschläggt?
So macht me das als Diplomaat
zum Wool vo unsrem Bundesstaat
Als Schwyzer git me sich devoot
So schaffsch es bis in Bundesroot
Die Basler Bebbi kommen einmal mehr mit einem bombastischen Auftritt, den man einfach gesehen haben muss – hier ein Ausschnitt:
Ob die Junteressli eine unkonventionelle Lösung gegen rechte Frauen im Sinn hatten mit ihrem Sujet «55 Joor Frauestimmrächt – e Schuss in Oofe!». Keine Schnappatmung, liebe Feministinnen, sie meinen es natürlich nicht so, befürchten aber ebenfalls einen politischen Rückschritt in die Vergangenheit:
D Zyt söll bittschön retour laufe
drum will me s gärn als Entlaschtig verkaufe
das Bild vo dr lächelnde Frau dehai
dr Maa verdient s Gäld au ganz elai
Ein weiteres, oft auftauchendes Sujet ist die Reihe der Feste in Basel, etwa bei den Schnooggekerzli mit dem gern gehörten Titel «Mir gän ain us!»:
Mir verschärble dä Pulver grad mit baide Händ
für dr ESC z Basel oder d WM am Änd.
Für die Parties schüttet Basel ain hinter d Binse
kai Wunder hesch dr Cramer uff jedem Fotti gsee grinse
Ein ganz anderes Fest feiern die Jungen der CCB, die sich in diesem Jahr Cunterbunt Club Basel nennen und des 80. Geburtstags von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf – kurz: Pippi – gedenken und auf ihrem Zeedel einen Tipp haben:
Gärn verroht ich Euch s Rezäpt zem dii rächt entfalte
Denn gheersch du au no mit 80 Jooor gar nit zue de Alte
Mi Läbe zaigt ganz glaar, bi allem wo duesch mache
goots vill ringer, wenn e Huffe iber dii kasch lache
Originell das Zeedelformat bei den Muggedätscher mit einer Anleitung, wie man ihn in ein «Schiffli» verwandeln kann. Mit dem Sujet «Alles im Griff uf em Basler Schiff» stellen sie die gelungenen Anlässe am Rhein anderen, eher weniger glamourösen entgegen:
Me singt pompöös in Glanz und Glimmer
doch s Bööse luurt und machts nur schlimmer
Dr Dettling schiesst und dasch nit glooge
geege dä ‘pyynlig Räägebooge’
So merggsch, über das loot sich nid stritte,
s hett jede Glanz e Schattesytte
Etwas ganz neues geschah dann so kurz nach 15 Uhr: Der Stamme der «Glunggi erschien und überreichte dem Fasnachts-Comité eine Petition mit dem Inhalt, die Zusammensetzung des Gremiums künftig demokratischer zu gestalten:
Es soll aber niemand sagen, die Damen und Herren des Comité stünden nur rum, «lüpften» die Hüte und liessen sich von den «Wägelern» so manch kleines Fläschchen kredenzen. Das ist harte Arbeit, wie die Fotos unten zeigen. Vor allem wenn man sich – wie Beat Läuchli – noch einer Battle mit der Rätsche stellen muss, oder – wie Linda Atz – mit dem Anstecken der Zugsplaketten nicht nicht so geübt ist:

Und dann gibt es doch immer wieder Formationen, die ihr Sujet exklusiv haben – ein grosses «Chapeau!» an die dortigen Sujetkommissionen. Ein Beispiel liefert die Alte Garde der Olympia, die sich unter dem Titel «Die arme Ryyche z Rieche» um die Finanzkraft der Landgemeinde sorgen und schwere Folgen befürchten:
Die Lange Erle sin au nümmi sicher in dr Nacht
Drum wird dr Tierpark jetz mit scharfe Schäferhünd bewacht
Am Aafang sin dört Riechemer de Änte s Brot go stääle
Denn mit dr Zyt hän blötzlig d Änte sälber afo fääle
Übrigens geht es laut den Olympern der anderen Landgemeinde nicht viel besser:
Do oobe links wär Bettige, do mien si d Stüüre sueche
die heig dr Praktikant am Zuekunftsdaag dörfe verbueche.
Es gibt neben den Stainlemer noch ein zweites Doppel-Jubiläum mit 100 Jahren Schnurebegge-Stamm und 90 Jahren Junge Garde. Sie laufen mit den Sürkrütt-Waggis, die kein Jubiläum feiern, aber mit Gründungsjahr 1950 auf eine stolze Präsenz zurückblicken können. Das Sujet heisst «MS 100», wobei «MS» augenscheinlich für Motorschiff steht, denn sie kommen als Seeleute daher und haben auf dem Zeedel Shanties und andere Lieder mit Schiffsbezug eingestreut:
Ebbis isch au jedem alte Seebäär klar:
Kasch um die ganzi Ärdkugele dampfe,
doch nyt isch so scheen und wunderbar,
wie z’Basel dur s Räpplimeer z’stampfe.
Ja, dann hält es doch auch den Berichterstatter nicht mehr am Bildschirm – ab ins Räpplimeer und allne: E schöne Räschte!


