Das Gesamtkunstwerk Drummeli – Teil 1

3. Februar 2024 | Von | Bilder: Beat Schwald | Kategorie: Nachrichten

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen und ohne alle andern Vorfasnachtskisten zu dissen,  aber die beste und intensivste Motivation für die Fasnachtsstimmung bekommt man am Drummeli.

Die Abteilung „Drummeli“ des Fasnachts-Comités hat den Cliquen den roten Faden bekannt gegeben: „Zämme“! Und die Cliquenhirne haben geraucht. Die einen mehr, die andern weniger. Heraus gekommen ist ein grossartiges Gesamtkunstwerk, welches sich „Drummeli 2024“ nennt. Man könnte die Berichterstattung hier abbrechen und raten: Gehet hin und kauft Euch noch ein Ticket. Mehr Fasnachtsstimmung bekommt ihr sonst nirgendwo! Aber gerne nehme ich unsere Aufgabe wahr und notieren, was wir im ersten Teil erlebt haben:

Das Ensemble

Ja was soll man dazu sagen: Alte Füchse auf der Bühne, und das merkt man. Da können die Texte noch so bieder sein, an den Schauspielenden liegt es nicht. Die Bühnenpräsenz eines Dominik Gysin ist grosse Klasse. Die Eleganz und Erfahrung von Charlotte Heinimann ist unübersehbar. Das junge Blut von Rula Badeen und Phlippe Graff ist ausgleichend (die Susanne Huber hat ein bisschen gefehlt, also mir wenigstens). Und dann die beiden Italo-Helden Basso Salerno und Andrea Bettini. Das ist mehr als gespielt. Das ist authentisch! Der Regisseur Laurent Gröflin hat seine Truppe beisammen und macht einen tollen Job mit dem Ensemble.

D Rääme

Wie langweilig ist doch mittlerweile die Diskussion um die Raamestiggli. Jeder Texter oder jede Texterin hat mal einen schlechten Tag oder dann einen sehr guten. Der Regisseur und irgendeine Kommission müssen dann die Texte auswählen und spielen. Und es scheint, dass auch diese Kommission manchmal einen schlechten Tag haben kann. Im ersten Teil gab es halt richtige Drummeli Rääme. Keine Brüller und keine, die man in einem Fasnachtsquerschnitt ungekürzt bringen müsste. Richtig der Hammer ist das Lied „Drey Daag zämme uff dr Gass“ und natürlich das Duo der beiden Italo-Freunde (Bettini und Salerno). Diese Beiden bringen sackstarke kurze Intros. Der eine erklärt dem andern die Basler Fasnacht. Auf halbitalienisch. Aber man braucht keine Untertitel um den Sprachwitz und die Satire zu erkennen. Forza!

 

D Bängg

Da gab es im ersten Teil nur ein Schnitzelbangg. Der aktuell wohl gesanglich beste Bangg mit einer Bühnenpräsenz, die ganz genau auf die Drummelibühne passt. s Schunggebgebrääbnis. Vier Männerstimmen, seit 13 Jahren aufeinander abgestimmt, man könnte denen den ganzen Abend zuhören. Dann stimmen auch noch die Pointen bei den Versen – besser gehts nicht.

D Cliquene

Da können sich d Bängg noch so übertreffen im Gesang, das Ensemble noch so die Bühne mit Präsenz füllen – das eigentliche Herzstück des Monstre Trommel Concertes (v/o Drummeli) sind und bleiben die Stammcliquen der Basler Fasnacht. Das sind die Formationen, die den Zuschauenden die Herzfrequenz in den Fünferruftaggt einpendeln. Es sind die Klänge der Piccolos und Trommeln und Trompeten, die dafür sorgen, dass man beginnt, sich auf die Fasnacht einzustimmen.

Und im ersten Drummeli-Teil 2024 haben die Cliquen fantastische Arbeit abgeliefert. Das Sujet „Zämme“ wurde aufgenommen und in vielerlei Hinsicht interpretiert.

Begonnen haben die Sans Gêne mit dem Bolero! Die Komposition von Maurice Ravel wurde durch Pascal Nippel als Fasnachtsmarsch neu zämmegesetzt und grossartig vorgetragen. Auf der Bühne standen nicht nur Trommeln und Piccolo, sondern auch die Querflöte und Blasinstrumente und ein Set Pauken. Bravo.

Einen Riesenharst Pfyffer und Tambouren brachte die Spezi-Clique auf die Bühne. Sie spielten den Colonel Bogey Marsch und verliessen die Bühne letztlich singend. Die Spezi zeigen, dass das Drummeli-Motto „Zämme“ auch sehr sehr weit hergeholt sein darf. Die Hauptsache ist, dass die Musik stimmt. Und das hat es bei den Spezi, auch ohne Major…

Sehr konzentrieren musste man sich beim Auftritt der Rhygwäggi. Sie zelebrieren im Hof des Schulhauses eine Geschichte um ein geheimnisvolles Buch. Die Details entnimmt man am besten aus dem Programmheft. Jedenfalls hören wir Fragmente aus sechs Fasnachtsmärschen und die Bühne wird aktiv bespielt. Insbesondere dann, wenn plötzlich die Wettstai-Clique übernimmt und Auprès de ma Blonde spielt. D Rhygwäggi und d Wettstai – zämme. Eine tolle Nummer.

In der ersten Fassung dieses Berichtes ist die Alti Richtig vergessen gegangen, wofür sich der Autor demütigst entschuldigt. Natürlich waren die ARI auch auf der Bühne, und wie: Mit einem super vorgetragenen „Z Basel“ und einem sehr witzigen und hervorragend gemachten Stumm-Film über einen Grossbasler, der sich ins Glaibasel wagt und dort im Schoofegg auf das Glaibasler Leben prallt.

Ganz grosses Kino zeigen die Basler Rolli  – Stamm und die Junge zämme (geschätzt 80 – 100 Fasnächtler). Sie zeigen uns eine fabelhafte Piccolo- und Drummelschuel, als Gaischter goschdymiert. Das macht spätestens beim gemeinsamen Schlussmarsch – dem Glopfgaischt – Sinn. Toll musiziert (wahnsinnige Zierstimmen) und arrangiert.

D Rhyschnoogge 1930 zeigen den Pinocchio zämme mit ein paar artistischen Einlagen vom Quartierzirkus Bruderholz. Eine schöne Idee mit logisch umgesetzten „Zämme“ (vielleicht passt jemand dem armen Fasnächtler, der vom Bühnenrand Popcorn in die Menge schmeissen muss, noch seine oder ihre Larve an. Die arme Figur musste während des ganzen Stücks beim Werfen seine Larve festhalten…

D Gundeli-Clique bietet wahrscheinlich noch die Passiven auf: Rund 140 Menschen stehen während dieser Nummer auf der Bühne und geben ein sackstarkes Beispiel ab, wie man ein Sujet umsetzt: Einfach, klar und deutlich und ohne Geschichten, die eh nur in den Köpfen der Sujetleute lustig sind. D Gundeli-Sektionen präsentieren je einen Marsch in einem andern Tempo, bis man sich zum Schluss auf einen – zämme – einigt. Ein saggstargger „Basler Marsch!“ Punkt. Erfüllt, und wie!

D Junteressli zelebrieren den König Fussball (war hier die Marschwahl oder das Sujet zuerst da?) mit dem schön gespielten Marsch „Dr Keenig“ vom Michi Robertson. Witzig an diesem Auftritt war die Idee, das Publikum als Muttenzerkurze mit einzubeziehen. Die Umsetzung war wohl nicht so einfach wie geplant – besonders weil man das von vorne aufgenommen Fernsehbild der Choreo als Zuschauer kaum sieht – der Mensch vor Dir hält ein Papier in die Höhe und nimmt die Sicht… Ein Tipp, friert das Bild ein und lässt es noch ein paar Takte stehen. Dann können wir auch lesen, was wir aufgehalten haben… – Tolle Nummer, verständliche Idee!

Die letzte Musiknummer im ersten Teil würde eigentlich an den Schluss gehören: Denn es genau das, was eingangs beschrieben ist. Nach dieser Nummer will man raus – in die Schneidergasse oder in die Clarastrasse. Fasnacht marsch! – D Schnooggekerzli und d Fuegefäger bringen – zämme – genau diese Stimmung auf die Bühne, in den Saal und gleich noch ins Foyer. Sagenhaft – Gänsehaut. Super Idee!

Fazit

Es gibt es nicht, das Drummeli wo wir nichts, aber auch gar nicht zu kritisieren haben und wo einem alles gefällt. Aber hier haben wir einen ersten Teil der es schon wert ist, ans Drummeli zu gehen. Gute Nachricht: Man kann es noch. Beim Drummeli gibt es immer Tickets. Nicht, weil das Drummeli „nicht gut“ ist oder „keine Fans hat“. Aber der Saal in der Messe ist dermassen gross, dass es einfach immer Platz hat für solche, die sich jetzt dazu entscheiden.

Wir wünschen viel Vergnügen!

 

P.S. Spieldaten und Ticketverkaufsstellen am Ende des Beitrages zum zweiten Teil!