Moorn goht d Fasnacht wytter!

6. März 2022 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Auftrag war klar: «Gang in d Stadt und gschpyyr d Stimmig vor dääre spezielle Fasnacht!»

Ich habe also meine Frau in ihr Fasnachtsnäscht gebracht und mich dann auf die Socken gemacht. Es hat Leute in der Stadt. Aber es riecht – um 16.00 – noch nicht nach Fasnacht. Gut, die Blumenrabatten auf dem Wettsteinplatz sind zugebaut. Aber sonst sind einfach viele Menschen unterwegs, beim wahnsinnigen Sonnenschein…

Noch im Claragraben aber die erste, ordnungsgemäss verpackte Ladäärne der Naarebaschi unterwegs zum Apéro. Ich bewege mich über die Wettsteinbrücke zur Rittergasse. Dort steht ein Mitglied des Banggs «Schunggebegräbnis» und flüstert: «Stand do aane, es lohnt sich!». Und tatsächlich, plötzlich kommt der Spitzenbangg aus dem grossen, hölzernen Tor und singt alle Verse. Vor ein paar eingeladenen Gäste, die immer zahlreicher werden. Der Bangg begeht sein 10jähriges Jubiläum und feiert dies mit einem kleinen, intimen Apéro und einem Trommelsolo vom «Schyynhailige». Félicitations!

Im Schulhaushof in der Rittergasse stehen die drei Ladäärne der Breo. Ebenfalls vorbildlich zugedeckt. Auf dem Münsteplatz begegne ich einem Ostschweizer, der Auskunft will, wo die Fasnacht morgen früh beginnt. Ich gebe mir alle Mühe… Auf dem leeren Münsterplatz steht die Ladäärne der Basler Rolli samt vorbereitetem Apéro und dann noch die Lambbe der Märtplatz Alti Garde und BMG mit einem Sujet, das so aktuell nicht gedacht war: «Drey Daag Friide».

Um 17.30 ist die Stadt noch immer ruhig. Gedämpft. -minu, den ich am Spalebuggel bei dem Treffpunkt der Seibi Alti Garde antreffe, sagt: «Es ist etwas gedämpfter als sonst». Ich selbst empfinde die Stimmung einfach sehr speziell. Man spürt die zwei Jahre Pause. Man spürt irgendwie die Ukraine – besonders wenn man über den Marktplatz marschiert und dort die unentwegte Mahnwache sieht.

Später, als ich auf der Lyss zu den Schnurebegge stosse, die tatsächlich auch Ladäärne yypfyffe, merkt man kaum mehr etwas von «bedrückt». Es wird gelacht und der Spruch: «Lägg, Di hany au scho lang nimm gseh» ist standard.

Das Ladäärnedepot in der Hauptpost ist noch leer. Es zieht mich zum Löwenzorn. Der ist fasnächtlich dekoriert und die beiden Frick-Brüder strahlen vom Plakat: «Bi öis döörfet alli». Ich weiss nicht, welcher Dialektteufel den Grafiker dieses Plakates geritten hat…Man sollte ihn – oder sie – bestrafen.

Schungge

10 Joor Schunggebegräbnis

Schyynhailig

Sunscht singt dä Schyynhailigi…

Hutladen

E heerligi Montere!

index

Bereit für die Ladäärneusstellig

Löwenzorgn

Schöne Deko!…

Plakat

Schlechter Dialekt!

D Fasnacht goot wytter

So isch es!

Paraat für d Clique

Baraat für d Clique

Das schön dekorierte Schaufenster des Hutladen an der Ecke, die Gläser, die auf dem Fensterbrett stehen und auf die Clique warten und die Anonymen Piccoholiker, die sich mit den 30jährigen Iibelheerige am Nadelberg in die Sonne setzen .

Die Stimmung ist nun langsam greifbar: Es herrscht eine unbändige Lust auf Fasnacht. Und eine grosse Freude darüber, dass man und frau bei schönstem Wetter drei Tage lang Putin, Omikron und den ganzen Alltagsmist vergessen darf und höchstens darüber lachen kann, wenn ein Schnitzelbangg eine Covid-Pointe bringt.

Der Abschluss meines Rundgangs machen d Lumpesammler mit einem irrsinnig schön gepfiffenen „Au près de ma blonde“ (Bajass Version). Nach dem Abwinken ruft Mimi: „Jetzt waiss i wider, worum i nie uffgheert ha iebe!“.

Ich bin überzeugt: Das gibt eine sehr spezielle Fasnacht. Und es würde mich nicht wundern, wenn der eine oder andere Fasnächtler oder die entsprechende -in sagen wird: Das isch die diggscht Fasnacht gsi, won y je gmacht ha! – Oder so, wie es die Mini-Ladäärne der „DvD“ ausdrückt: „D Fasnacht goot wytter!“

Ich wünsche – im Namen des gesamten fasnacht.ch-Teams – allen Aktiven eine superschöne und erinnerungswürdige Fasnacht. Auch den Angehörigen der Wagencliquen….