Von Handbesen und Wägeli bis zu grossen Wischmaschinen und einer ausgeklügelten Muldenlogistik. Wie sich die Fasnachtsreinigung über die Jahre verändert hat, was bis heute Handarbeit bleibt und welche Herausforderungen der Einsatz mit sich bringt, erzählt Stefan Pozner, der die Fasnachtsreinigung seit 2013 plant und leitet.
Die Basler Fasnacht lebt davon, dass vieles jedes Jahr wiederkehrt. Der Morgestraich beginnt um vier Uhr, der Cortège zieht durch die Stadt und nach dem Ändstraich ist Schluss. Gleichzeitig verändert sich die Fasnacht laufend. Genau das gehört zu einer lebendigen Tradition. Seit 2017 ist die Basler Fasnacht Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Dieses Kulturerbe zeichnet sich nicht dadurch aus, dass alles unverändert bleibt. Vielmehr werden Traditionen weitergegeben und gleichzeitig immer wieder an neue Bedingungen angepasst.
Dieser Wandel zeigt sich nicht nur in der Fasnacht selbst, sondern auch im Umgang mit ihren Hinterlassenschaften. Wie Basel während der drei Tage gereinigt wird, hat sich über die Jahrzehnte grundlegend verändert.
Als noch von Hand und mit Wägeli geputzt wurde
Lange vor Pozners eigener Zeit bei der Stadtreinigung sah die Fasnachtsreinigung noch ganz anders aus. Wie er erzählt, wurde der Abfall früher von Hand zusammengewischt und mit kleinen Wägeli abtransportiert. Auf dem Marktplatz habe man einen Schacht geöffnet und das eingesammelte Material hineingeworfen. Von dort sei es in den Rhein gelangt und mit dem Wasser weiter über die Landesgrenze geflossen.
Heute wäre ein solches Vorgehen undenkbar. Reinigung und Entsorgung sind inzwischen genau geplante Abläufe. Pozner arbeitet seit 2012 bei der Basler Stadtreinigung und plante und leitete 2013 erstmals die Fasnachtsreinigung. Seither ist er dafür verantwortlich. Eine Frage beschäftigt ihn bis heute immer wieder: «Was kann noch besser organisiert werden?»

Was auf den Strassen zusammenkommt, landet gebündelt in den Mulden
Die Maschinen selbst hätten sich in seiner Zeit weniger stark verändert. Kleine und grosse Wischmaschinen seien schon länger im Einsatz. Ab dem kommenden Jahr sollen jedoch nahezu alle elektrisch betrieben werden. Stärker verändert hätten sich laut Pozner die Organisation und das Zusammenspiel der verschiedenen Beteiligten.
Die Mulden verändern den Ablauf
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Fasnachtsreinigung erfolgte 2014. Damals richtete die Stadtreinigung erstmals einen zentralen Umschlagplatz auf dem Messeplatz ein. Der Abfall wurde dort in grosse Mulden verladen, während die kleineren Reinigungsfahrzeuge rasch wieder auf die Strasse zurückkehren konnten. Daraus entwickelte sich die heutige «Muldenstrategie». Mittlerweile stehen auch an verschiedenen Stellen entlang der Cortège-Route Mulden bereit, in denen Wagen-Cliquen sowie externe Partner:innen ihr Material direkt entsorgen können.
Nicht nur die Entsorgung, auch die Zusammenarbeit habe sich verändert. «Heute arbeiten wir viel enger mit den verschiedenen Beteiligten zusammen als früher», sagt Pozner. Stadtreinigung, Comité, Polizei, BVB, Stadtgärtnerei und Wagen-Cliquen stimmen ihre Arbeiten aufeinander ab. Gerade weil für die Reinigung nur wenige Stunden bleiben, müssen die verschiedenen Abläufe ineinandergreifen.
Vieles ist moderner, der Besen bleibt
Ganz verschwunden ist die frühere Handarbeit aber nicht. Während der Fasnacht 2026 standen rund 280 Mitarbeitende im Einsatz. Für die «Ändreinigung» nach dem Ändstraich waren es rund 210 Personen. Etwa 140 davon arbeiteten mit dem Besen und kehrten den Abfall für die Wischmaschinen zusammen.
Dass trotz der vielen Maschinen noch immer so viele Menschen mit Besen unterwegs sind, zeigt auch eine gewisse Kontinuität. Die Organisation ist moderner geworden, ein Teil der Arbeit bleibt aber Handarbeit.
Genau darin zeigt sich auch etwas, das lebendige Traditionen ausmacht. Sie bleiben nicht unverändert, sondern passen sich neuen Gegebenheiten an. Bei der Fasnachtsreinigung stehen heute elektrische Maschinen, Mulden und ausgeklügelte Einsatzpläne neben einer Arbeit, die teilweise noch immer mit dem Besen in der Hand beginnt.
Auch die Herausforderungen verändern sich. Besonders Glasscherben beschäftigen die Stadtreinigung. «Während der Fasnacht müssen wir jeden Morgen rund drei Reifen wechseln, weil unsere Fahrzeuge durch Glasscherben fahren», sagt Pozner. Waschmaschinen und Badewannen, die während der Fasnacht entsorgt werden, sorgen für zusätzliche Arbeit. Zudem beobachtet Pozner, dass auch bei den Ständen immer häufiger Material einfach zurückgelassen wird, das anschliessend von der Stadtreinigung weggeräumt werden muss.

Glasscherben sorgen während der Fasnacht regelmässig für Reifenpannen.
Wie viel am Ende zusammenkommt, schwankt von Jahr zu Jahr. 2026 waren es rund 272 Tonnen Fasnachtsabfall, deutlich weniger als 2025 mit 350 und 2024 mit 360 Tonnen. Die Zahlen sind allerdings stark vom Wetter abhängig. Bei Regen saugen sich insbesondere die Räppli mit Wasser voll und werden schwerer, wodurch auch die gemessene Abfallmenge steigt.
Eine Arbeit im Hintergrund
Bei all den Veränderungen ist gleichgeblieben, dass die Reinigung schnell gehen muss. Am Dienstag und Mittwoch beginnt der Einsatz bereits um vier Uhr morgens. Wenn die Stadt erwacht, sollen die wichtigsten Arbeiten bereits erledigt sein.
Bei all den Jahren Fasnachtsreinigung sind Pozner auch persönliche Begegnungen geblieben. Besonders erinnert er sich an eine blinde Person, der er während der Fasnacht über mehrere Jahre immer wieder begegnete. «Ich habe ihn jeweils vom Barfüsserplatz in Richtung Bankverein begleitet. Manchmal sind wir uns ein paar Jahre nicht begegnet und haben uns dann plötzlich wieder getroffen. Das war immer schön», erzählt Pozner.
Auch bei den Mitarbeitenden sei die besondere Stimmung der Fasnacht spürbar. Viele freuen sich jedes Jahr auf den Einsatz, und immer wieder melden sich Menschen von sich aus, die bei der Reinigung mithelfen möchten.
Die Basler Fasnacht als lebendige Tradition verändert sich ständig und wird gleichzeitig von Generation zu Generation weitergetragen. Auch die Reinigung hat sich mit ihr gewandelt. Der Besen ist geblieben.
- Dieser Beitrag ist ein weiteres Ergebnis der Partnerschaft zwischen fasnacht.digital und fasnacht.ch. Text: Tabea Page /li>



