Conzärtli 2024: Studentenhumor von seiner besten Seite!

9. Februar 2024 | Von | Bilder: Nicole Messer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wer das Zofinger Conzärtli das erste Mal besucht, braucht eine Gebrauchsanweisung. Denn was hier geboten wird, ist Studentenhumor. Und den sollte man verstehen…

Am Zofingerli, welches nur gerade drei Abende gespielt wird, braucht es keine Promi-Regisseure, keine Gesangs-Coaches und keine Bühnenbilder für fünfstellige Beträge. Die Schauspieler wechseln jedes Jahr und die Pointen sind und bleiben in der Kategorie „Studentenulk“: Wortspiele und ganz versteckte Anspielungen auf so ziemlich alles, was im letzten Jahr in Basel und in der Schweiz passiert ist. Das verspricht der Conzärtlicantus, der den Abend eröffnet („Wenn d Fasnachtszyt uff Basel kunnt…“. Refrain: Was isch im letschde Joor passiert? Wo hett sich naime-n-ain blamiert? s wird kritisiert, s wird parodiert, s wird uff dr Bihni ummegfiehrt: Das isch Fagunzebruuch!“).

Danach kommt ein Solist mit dem Prolog. Das ist ein ellenlanger Zusammenschnitt von Geschehnissen des letzten Jahres. Diese Nummer ist gespickt mit Pointen – das Publikum ist allerding noch nicht so richtig warm und erkennt nicht alle diese Pointen sofort.

Dann das echte „Konzert“ im Konzert: Christian Schmid (Gesang) und Floris Zuur (Flügel) kommen auf die weite Bühne und konzertieren mit Mozart, Bellini, Schubert und Gardel (auf spanisch!). Ihre Schuhe sind auf Hochglanz poliert, die Stimme auch und der Pianist spielt sich in eine andere Welt. Insgesamt eine hochstehende, schöne halbe Stunde.

Und dann, vor der Pause und nach der Pause die sogenannten „Stiggli“. Da treten also die drei auserwählten „Lyyche“  (und ein paar „Nääbe-Lyyche“) auf. Das sind drei Studenten, die hervorragend geschminkt in diesem Jahr Bundes Hans (Beat Jans), Voila Jet-Kläärt (Viola Amherd) und Daschkei Sääge (David Degen) parodieren. Da hat es irgendwo doch ein paar echte Frauen in der Fagunzenwelt. Denn die Schminkkünste bei den Lyyche und auch den Nääbelyyche sind grosse Klasse.

 

Was soll man zu diesen Stiggli schreiben: Eben: Studentenhumor. Viele Pointen, die flach erscheinen, aber eigentlich tief sitzen. Und eigentlich sind alle witzig und treffen:

Sagt der Assistent zum Bundes Hans: „Was mache mr aigentlich gäge das Asylchaos in Ihrem Departemänd?“ – Sagt Bundes Hans: „Nüt. Ussitze. Bis ych au s Departemänt wäggsle kah!“.

Oder auf dem Transferbazar ruft Daschkei Sääge einem Tourist zu: „Ah, dr Vogel“ um ihn bei der nächsten Ansage: „Kasch Haigo – Vogel“ zu nennen.

Oder die parodierte Bundespräsidentin die an der Bar – in reinstem Walliserdiitsch – sagt: „Wenn ych düe Fandant driiche, düen i nid fyyre. Wenn ych düe Fandant driiche, denn düen y schaffe!“

Solche Sprüche, die fast im Sekundentakt abgeschossen werden,  muss man vertragen und verstehen. Und immer vor Augen haben, dass ALLES (Text, Musik, Bühnenbild, Maske, Goschdym, Gesang, Klavier) von den Fagunzen selber kommt. Ob jung oder Alt – die Fagunzen machen ein Konzärtli, mitten in den Semesterprüfungen. Und da hilft auch Chat GPT nicht weiter, welcher von zwei Fagunzen als Intermezzo nach einem Patentrezept für ein „Conzärtli“ gefragt wird. Allerdings antwortet die künstliche Intelligenz auf die Frage nach möglichen Sponsoren: „Die Basler Kantonspolizei“. Und bald sieht man pfiffige Werbung auf dem Monitor für den PolizistInnen-Beruf. Ganz ähnlich der aktuellen Kampagne der Polizei. So heisst es dann: „Auch wir verteilen Karten – Aber nicht nur am Valentinstag! – Und ein Polizist steckt dabei einen Bussenzettel hinter den Scheibenwischer. Sehr witzig gemacht.

Die Fagunzen spielen, witzeln, tanzen und singen auf der Bühne umher, dass es eine Freude ist.

Es kommt dann auch ein bisschen Fasnacht ins Spiel. Die Pfluderi-Clique 1929 bietet dem Publikum den Unggle Sam und den Basler Marsch. Angeführt von einem Tambourmajor, der seinen Stägge – ausser zum An- und Abwinken – immer sofort in die linke Hand wechselt. Das sieht spannend aus. Der Daig-Basler hinter mir sagt nach dem Vortrag zu seinem (Zürcher?) Gast: „Dasch jetzt also en ordelige Vordraag gsi. Es schyynt, als haige die das giebt. Woorschyynts hänn si dä Marsch emoll amme Drummeli gmacht…!“ Das ist wahrscheinlich des Alt-Baslers Art, einen Ritterschlag auszuführen. Drum hier noch die Übersetzung: PFLUDERI, DAS WAR SAGGSTARK! Sehr schön gepfiffen (mit gestimmten Instrumenten), sehr schön getrommelt, ein ganz präzises Tempo. Wunderbar. Schad, war das keine Jury im Saal. Das hätte einen Finalplatz gegeben.

Die Fagunzen geben derweil alles auf der Bühne und irgendwann – als Intermezzo – kommen dann noch die beiden alten Ladies auf die Bühne, die jeden Satz falsch verstehen. Sehr angenehm, dass man die nur noch einmal präsentiert und ersetzt durch verschiedene Intermezzi-Teams.

Der Schluss-Song der Lyyche „Scheen sinn si doo gsi – das isch es jetzt gsi unser Conzärtli“ führt zu langem Applaus und dann zu der Gänsehaut: Die Studenten (man muss nicht gendern – es sind alles Mannen, auch die fesche Frau Amherd), die Studenten also stellen sich im Halbkreis auf und schmettern, mehrstimmig, das Studentenlied: „La Blanche“.

Dann ist das Konzärtli fertig und die Jungs werden wohl irgendwo einen heben gehen. Und anstossen auf diese uralte und grossartige Tradition der Conzärtlis.

Ad multos annos…

 

Das Zofinger Conzärtli findet noch heute Freitag, 9.2. und zur Dernière morgen Samstag 10.2. jeweils um 20.00 im Congress Center Basel / Saal San Francisco statt. Die Abendkasse verkauft noch Tickets zu 45.00. Sie können die Tickets auch online bestellen bei www.zofingia-basel.ch/ticketshop.