Nachhaltige Fasnacht: Online-Petition gestartet

1. April 2023 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Es ist der 28. Februar 2023, 04:36 Uhr in der Früh. Die Fasnacht hat die Basler Strassen seit knapp 24 Stunden in Beschlag genommen, Zeit für manche Redaktion ein erstes Resümee über Gelungenes und weniger Gelungenes zu ziehen. So sehen das auch die Schreibenden des Online-Portals «Nau.ch». Unter der Rubrik «Basel» erscheint ein Artikel mit dem Titel «Basler Fasnacht: Zoff um zertrampelte Orangen und Foodwaste». Plattgetrampelte Orangen, Lebensmittel, die wild herumgeworfen werden: der erste Skandal des Fasnachtjahrgangs 23 ist gefunden und bereit, mittels Online-Umfrage ausgeschlachtet zu werden. Konstruktive Vorschläge kann die im Artikel zitierte Foodsaverin gar deren zwei präsentieren: Lebensmittel dem Zuschauer direkt in die Hand geben oder den Menschen ein Körbli zur Selbstbedienung reichen. Beides eher verzweifelte Versuche einer Lösungsfindung.

So sieht es auch Ivana Organic. «Die Basler Fasnacht ist ja nicht gerade die Tomatina von Buñol», sagt die 25-jährige Studentin der Agrarwissenschaften und meint damit die weithin berühmte Tomatenschlacht nahe Valencia. «Und dennoch frage ich mich, ob man es in einer so weltoffenen Stadt wie Basel noch mit gutem Gewissen vereinbaren kann, dass Tonnen bester Lebensmittel so verschwendet werden.» Ihr sei schon bewusst, dass Tradition eng mit Emotion verbunden sei, weshalb schon allein die Diskussion über ein solches Thema zu hoch emotionalen Reaktionen führen kann. Eine Aussage, welche man anhand der Kommentarspalte in besagtem Nau.ch Artikel bestens belegen kann. Was also wäre der richtige Weg?

«Dieser Gedanke hat mir keine Ruhe gelassen», so Organic. Verbieten sei definitiv nicht der richtige Ansatz, blosses Lamentieren ebenso wenig. Und das Fortbestehen der Waggis-Wagen in Frage zu stellen, sei ebenfalls keine Option. Aber vielleicht gäbe es andere Ideen, welche das Problem nicht unbedingt beseitigen, aber einzudämmen vermögen. «Wäre es nicht einfach schon super, wenn die Menge der so vergeudeten Lebensmittel deutlich verringert werden könnte?»

Zusammen mit einer Handvoll Kommilitonen, bepackt mit Körben, Taschen und Rucksäcken, hat sich Organic am Fasnachtsmittwoch auf den Cortège begeben und die zumeist unversehrten Früchte und das Gemüse vom Strassenrand eingesammelt. Zurück in der Studenten-WG wurde das Gesammelte gerüstet, geschnippelt, verkocht und in Portionen eingefroren. «Bis zur nächsten Fasnacht reichen die Vorräte wohl nicht, aber vielleicht können wir mit einer Reise nach Buñol im August die Lücke überbrücken. Leere Tupperware und Bedarf an Tomatensauce für Spaghetti haben wir mehr als genug», witzelt Mitsammler Sämi im Hintergrund.

Beim Einsammeln während der Fasnacht soll es aber laut Organic nicht bleiben. Mittels einer Online-Petition möchte sie einen Wandel beim Fasnachts-Comité und der Wagen IG anstossen. «Wir denken, dass die Wägeler dazu verpflichtet werden sollten, nur noch lokales Bio-Gemüse einzukaufen», denn durch die damit sicher deutlich höheren Einkaufskosten würde die Menge an verteilbarem Gemüse drastisch gesenkt. Auf Orangen sollte auf Grund der schlechten CO2-Bilanz eh verzichtet werden: «In der Schweiz haben wir Äpfel und Birnen im Überfluss, verteilen wir doch diese!»

Die Online-Petition kann unter https://petitionen.com/waggis-gang-bio unterschrieben werden. Sie läuft bis Ende August 2023.

 

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