Mit dem öV zum Morgestraich? BLT fordert Regierungsrat – BVB zieht nach

18. Februar 2022 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die BLT ist bereit, Frühfahrten zum Morgestraich anzubieten, wartet aber auf ein Plazet des Basler Regierungsrates. Dies erklärte BLT-Direktor Andreas Büttiker gestern gegenüber verschiedenen Medien. Die Planung stehe, das Personal sei aufgeboten. Unterschiedlich tönt es von den BVB. Laut deren Mediensprecherin reiche die Zeit nicht mehr, um ein zusätzliches Angebot aufzugleisen. BVB-Direktor Bruno Stehrenberger tönt heute an, doch noch was auf die Beine stellen zu lassen. Sicher ist: Der Basler Regierungsrat kommt (einmal mehr) unter Druck, seinen Entscheid zu überdenken.

Mit verschmitztem Lächeln stand der BLT-Direktor vor der Telebasel-Kamera und bekannte: «Wir sind Freunde der Basler Fasnächtler!» Deshalb habe man frühzeitig einen Fahrplan für den Fall, dass die Basler Fasnacht stattfindet, erstellt und könne problemlos Fahrten zum Morgestraich anbieten: «Der Basler Regierungsrat kann uns noch am Sonntag vor der Fasnacht Bescheid sagen, dann fahren wir.»

Theoretisch wäre die BLT ja frei, die Fasnächtler bis an die Kantonsgrenzen zu kutschieren, also bis «Schänzli», Dreispitz oder Dorenbach. Man wolle die Basler Regierung aber nicht provozieren oder brüskieren und warte auf deren Entscheid. Übrigens auch für Nachtfahrten während der Fasnacht, damit die müden Aktiven sicher wieder in ihre Heimstätten nach Dornach, Therwil oder Aesch kommen.

Bei Comité-Obfrau Pia Inderbitzin weckt das Hoffnungen, wie sie heute morgen beim SRF-Regionaljournal andeutete: «Wir hätten schon gerne Extrafahrten, weil doch 50% der Fasnächtler aus der Agglomeration kommen.» Man wolle nochmals das Gespräch mit der Regierung suchen. Damit liegt der Ball also wieder mal beim Basler Regierungsrat. Doch hier lässt sich Regierungspräsident Beat Jans im selben Beitrag des SRF-Regionaljournals vernehmen: «Wir sehen keinen Anlass, auf unseren Entscheid zurückzukommen.»

Wobei solche Aussagen eine geringe Halbwertszeit haben: Am vergangenen Mittwoch-Morgen hatte Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger vor dem Kaffeeautomaten im Congresscenter gegenüber SVP-Grossrat Beat Schaller noch apodiktisch verkündet, egal, was der Bundesrat beschliesse, an den Bedingungen bei der Basler Fasnacht werde sich nichts ändern. Keine zehn Stunden später gab, der Regierungsrat bekannt, auf die Sperrstunde und Beschränkungen in Cliquenkellern zu verzichten. Dem Entscheid seien um 18 Uhr «engagierte Diskussionen» unserer sieben Weisen vorangegangen, konnte man von für gewöhnlich gut informierten Personen vernehmen.

Nun tagt der Basler Regierungsrat noch mindestens zweimal vor der Fasnacht: an den Dienstagen vom 22. Februar und 1. März. Zeit genug wäre also, um auch auf den Verzicht von öV-Verbindungen zum Morgestraich zu verzichten. Wobei die Zeit eventuell nur für die privatwirtschaftlich organisierte BLT ausreichend wäre. Für die BVB ist es eventuell zu spät, wie deren Sprecherin Sonja Körkel verlautbarte: Die Planung sei gemacht und könne so kurzfristig nicht geändert werden. BVB-Direktor Bruno Stehrenberger dagegen reagierte heute morgen auf Facebook – und das sichtbar genervt: «Es braucht ja viel bis mir der Kragen platzt, jetzt ist es dann aber bald soweit! Während mehreren Wochen haben wir den Fahrplan für die Fasnacht 2022 geplant. Vor etwas mehr als einer Woche hat die Regierung entschieden auf Früh- und Nachtfahrten zu verzichten und wir haben diesen Entscheid schweren Herzens umgesetzt und die Planung neu gestartet. Eine Woche später ist wieder alles anders! Jetzt werden wir nochmals beginnen und versuchen in der verbleibenden Zeit eine Planung aufzusetzen, welche einen geordneten Antransport zum Morgenstraich sicherstellt.»

Ansonsten könnte es sein, dass die Fasnächtler aus dem Leimen- oder Laufental mit dem öV zur Fasnacht kommen, diejenigen aus Riehen oder Pratteln aber auf Taxis oder den autofahrenden Nichtfasnächtler-Partner angewiesen sind. Oder vielleicht spricht man sich mit der BLT ab: Die wäre wohl auch imstande, diese Verbindungen gleich mit zu übernehmen. Damit wäre auch die Sorge des VPOD erledigt: Die Basler Gewerkschaft des Fahrpersonals ist gegen Morgestraich-Kurse und fordert per Twitter Solidarität mit den Drämmlern und Busfahrern: «Trams und Busse werden von Menschen gefahren, die auch ein Recht auf planbare Arbeits- und Freizeit haben.»

Für sein Personal  hat sich Andreas Büttiker übrigens was Schönes ausgedacht, wenn der Basler Regierungsrat nicht umschwenken sollte, wie er gegenüber Telebasel ausführte: «Mir kaufe Määlsubbe und Kääs- und Ziibelewaihe und fyyre denn im Depot Fasnacht mit unsere Lüt.»

Die Chancen stehen also – zumindest für Fasnächtler mit Landschäftler Herkunft – gut. «Wär jung isch, stoot us Heefligkait – dr Dramdiräggder het das gsait» hiess es früher. Vielleicht gibt es bald einen neuen Spruch: «Mit em Drämmli faart me dur d Fasnachtsnacht – dr BLT-Diräggder hets meeglig gmacht».