Charivari 2022 – am C-Wort kommt man eben nicht vorbei

5. Februar 2022 | Von | Bilder: Nicole Messer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Perfekte und oft überraschend arrangierte Fasnachtsmusik, krachende Pointen, aber auch leise Töne bei den Wortbeiträgen und zwei tolle Schnitzelbänke – das ist in aller Kürze das diesjährige Charivari. Passend zum Anfangsbuchstaben dieser Vorfasnachtsveranstaltung dominiert das C-Wort: im positiven Sinn als «chaibeglatt», im negativen aber eben auch als Seuche, die sich im Teil vor der Pause etwas zu stark durch das Programm zieht.

Charivari 2022

Charivari 2022

Charivari 2022

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Man komme an Corona nicht vorbei, wolle das verflixte C-Wort aber nicht mehr als zwei- bis dreimal im Programm nennen, versprachen die Charivari-Macher an der Medienorientierung vor der Premiere. Nun, allein im Prolog (herrlich nervig Tatjana Pietropaolo) kam es ein halbes Dutzend Mal vor und bis auf eine Ausnahme wären alle Rahmenstücke vor der Pause gar nicht möglich ohne Pandemie. Das war etwas viel zu diesem Thema – aber auch schon das Einzige, was man ernsthaft bemängeln kann.

Denn umgesetzt waren die «Rääme» grossartig, vom Kindergarten (Tim Koechlin brilliert als Kindergärtnerin), in dem niemand mehr weiss, was Fasnacht ist, über die Sprüche zu Politiker, denen es Corona verdarb, zum Abschied nochmals auf Laternen oder in Schnitzelbänken «dran» zu kommen, bis zur chaotischen Vorstandsitzung einer Clique, die pandemiebedingt via zoom (Martin Stich grandios als Sekretär) stattfinden muss.

Die bereits erwähnten leisen Töne kommen vor der Pause in einer wirklich zu Herzen gehenden Nummer zur Geltung, in der die singende Olivia Zimmerli ihren verstorbenen Vater ehrt, der ihr die Fasnacht beigebracht hatte. Bevor es dann aber allzu rührselig wird, kommt unmittelbar danach die erwähnte «zoom-Nummer».

Ein guter Griff von Regisseur Lucien Stöcklin – genauso wie Idee, dass sich das Rollaator Röösli ganz von hinten durch den Saal arbeiten muss. Dadurch bekommt fast das ganze Publikum das «Baize-Feeling» mit hautnah agierendem Schnitzelbänk. Der hat übrigens einige sehr feine Verse, mit seinem letzten darf er aber am Gryffemähli oder einem Zunftmahl nicht auftreten (mehr sei nicht verraten).

In nichts nach steht ihm der Hausbank «d Gwäägi», der (Hurra) auf das C-Wort ganz verzichtet, dafür von B(rittney) über S(cholz) bis Q(ueen) vieles gekonnt abhandeln. Besonders grandios ihr Gender-Langvers!

Während im Drummeli die Musik im Vordergrund steht und im Pfyfferli der Wortwitz, findet das Charivari die perfekte Balance zwischen beiden. Das fängt mit der «Regimäntsdochter» der Seibi an, passt perfekt mit «LagoMio» der Fasnachtszunft Rhyburg und endet noch lange nicht mit der schmissigen «Tritsch Tratsch Polka» der «Pyffergrubbe Schäärede». Wuchtige und herrliche Auftritte haben vor und nach der Pause «d Schotte Clique» und «d Hunne», diese mit tollen visuellen Überraschungen und viel Pyrotechnik.

Im zweiten Teil wird dann (nochmals Hurra!) das C-Wort deutlich in den Hintergrund verschoben. So gibt das Duo Pietropaolo/Schluchter auch gesanglich überzeugend charmant Unterricht in Baseldytsch (oder Baselditsch?). Dass das Alemannisch auch jenseits der Grenze verhunzt wird, beweisen ebenso musikalisch gekonnt gleich danach «d Knaschtbrüeder». Wiesentaler auf der Basler Fasnachtsbühne – ein Sakrileg? Nein – eine Bereicherung! Und wenn man meint, nun geht es doch wieder los mit dem vermaledeiten C…, so wird man belehrt, dass auf der Bühne kein Impf- sondern ein Schimpfzentrum steht. Stephanie Schluchter holt sich mit ihrer Tirade zu Recht Spontanapplaus ab. Eine Bereicherung auch Beatrice «Struppi» Waldis, die nun voll ins Schauspielteam integriert ist.

Auch im rein musikalischen Teil legt das Charivari nach der Pause noch eine Schippe drauf. «D Schäärede» entlocken dem Publikum im Zusammenspiel mit der Charivari Rockband und dem Klassiker «500 Miles» zu Recht einen Jubelsturm und bei der Rhyburg-Trommelgruppe hat man tatsächlich das Gefühl, sie seien auf «Speed». Dazu hat es «Top Secret» geschafft, sich teilweise neu zu erfinden und das Publikum mit gelungenen Zusatz-Effekten zu ihrem wie gewohnt perfekten «normalen» Programm zu überraschen.

Nach rund drei Stunden (inkl. Pause) endet das Charivari mit einer phantastischen Schlussnummer. Beschreiben geht kaum – man muss es gesehen haben. Man muss das Charivari 2022 gesehen haben. Denn alles in allem und trotz etwas viel «C»: das Charivari 2022 hat Charme und Charakter, ist manchmal clownesk und vor allem auch sehr clever arrangiert. Kurz und gut: Chapeau!

 

Charivari 2022: 5. – 19. Februar 2022, Vorstellungen jeweils um 20.00, sonntags um 18.00 Uhr und am 12. Februar 15.00 und 20.00. Tickets unter ticket@charivari.ch, im Basel Tattoo Shop an der Glockengasse oder bei Ticketcorner.