Ewägg! – Ein Nachruf auf Basels berühmtesten „Stroossewischer“!

26. April 2021 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Der männliche Teil des „Stroossewischer-Bangg“ ist nicht mehr. Sein Kollege „Singvogel“ hat uns einen Nachruf zur Verfügung gestellt, den wir hier gerne übernehmen. 

Wer kennt es nicht, dieses „Jä wüsch dr Drägg ewägg, ewägg, ewägg, ewägg“? Seit mehr als 25 Jahren haben wir es im Ohr. Der geflügelte Vers ist das Markenzeichen des Schnitzelbanks Stroossewischer. Besser gesagt, war das Markenzeichen. Letzte Woche ist der Stroossewischer-Christian nach schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren gestorben.

Ein Meister des gepflegten, feinen oder scharfen Wortwitzes war er, und ein Allrounder der künstlerischen Gestaltung. Zusammen mit seiner Stroossewischere eroberte er Beiz und Kleintheater, Keller und Säli, und auch auf den grossen Bühnen des Drummeli und des Stadttheaters ernteten die beiden manchen Beifallssturm. Der Auftritt kam aus einem Guss: Starke Larven, prächtige und oftmals bissige Helgen, ein präziser zweistimmiger Gesang voller Energie und Drive. Die Verszeilen lebten von bildhaften Formulierungen und überraschenden Wendungen, und zwischen den Zeilen war oftmals eine zweite Wahrheit versteckt. Satirisches Dichterhandwerk eben. Denken wir nur an die fröhliche Parodie auf die Hippie-Generation, vorgetragen in Blumenbatik und endend mit der beklemmenden Frage: Was ist nur aus uns geworden?

Vo nüt kunnt nüt. An der Umsetzung haben die Stroossewischer jeweils lange gearbeitet, haben verworfen und neu entworfen, haben viel ausprobiert und Ideen gewälzt. Auch die kreativen Zusammenkünfte mit Freundinnen und Freunde konnten nächtelang dauern. Ohne Konkurrenzdenken, laut, fröhlich, ernsthaft und freundschaftlich.

Christian textete auch für andere. Er schrieb Chansons für Colette Greder und coachte Kinder beim Selberschreiben. Er selber spielte jahrelang im Tabourettli bei der Wirrledde mit. Unvergessen bleibt sein zum Schreien komisches Walk on the Wild Side, wo er einen Vordrääbler, der nicht im Schritt laufen konnte, spielte. Sein Guggegwäggi*, das Tootemügerli auf Baseldeutsch, wurde immer und immer wieder verlangt.

Manch eine stadtbekannte Larve ist in seinem Keller entstanden, und viele Kolleginnen und Kollegen hat er geduldig beraten. Christian konnte seine Freunde auch zu Schweissausbrüchen bringen, wenn er fünf Minuten vor der Premiere mit dem Akkuschrauber letzte Änderungen am Bühnenbild vornahm. Der weit verbreitete Spruch, die Farbe auf dem Helgenpapier sei noch nass, war bei ihm nie Koketterie.

Christian war vieles: Er war Dichter, Sänger, Zeichner, Bühnenbildner, Klavierspieler, dazu auch Strahler, Hobby-Geologe, Höhlenforscher. Er war Ehemann, Vater, Grossvater. Ein wissbegieriger, begeisterungsfähiger, verlässlicher und liebenswürdiger Mensch.

*Hier zum Geniessen und als Reminiszenz an Christian sein unvergessener „Guggengwäggi“, nachempfunden dem „Totemüggerli“ von Franz Hohler.