S Zofingerli mit Biss, viel Biss

10. Februar 2012 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Mit dem Zofingerconzärtli fand eine weitere Vorfasnachtsveranstaltung Aufnahme in den Fasnachtskalender 2012. Der vollgepackte grosse Saal der Mustermesse bot hierbei den Rahmen, und die Freunde der bissigen Politsatire kamen voll auf ihre Kosten. Die drei „Lyyche“ wurden nach allen Regeln der Kunst seziert, zum Teil mit feiner Skalpellklinge, mit einem Fleischermesser oder gar mit einem Hackebeil. Die versammelte Basler Politprominenz, aber auch die anderen Gäste, hatten ihr Vergnügen.

Mit dem traditionellen Conzärtlicantus stimmten die Protagonisten zu einem 2 ½ Stunden dauernden Bühnenereignis an, bei welchem sie sich gleich vorab musikalisch entschuldigten:

Reschbäggdvoll simmer nit, `s isch wohr,
doch gschihts jo nit mit beesem Wille.
Ihr hänn Verständnis und Humor
und drage kai so scharfi Brille;
ihr lache hit vor alle Dinge
und lehn is schbile, lehn is singe.

Der Prolog führte die Zuschauer passender Weise auf ein Gummiboot, welches unmittelbar das sinkende Schiff verlassen hatte. Darauf einsam, aber auch verlassen der Kapitän, welcher sich in der Folge über die Polit-, Wirtschafts- und andere selbsternannten Kapitäne bissig und im breitesten Baseldeutsch beschwerte. Sehr gut vorgetragen.

Hey Hambbe Gass bi wirglig froo
Duesch Du jetzt bald Di Schiff verloo

Frédéric Chopin: Fantasie op 49, F-Moll, konnte man aus dem Programmheft entnehmen, stand nun an. Ein vom Pianisten Christian Brunner wunderbar gespieltes 20 Minuten dauerndes Werk, welches nach einem arbeitsreichen Tag jedoch etwas schwer auflag.

„S erschte Stiggli“ führte die Gäste in den Arbeitsbereich von Justiz- und Polizeidirektor Hanspeter Gass alias Hampel Spass. Dieser lässt sich im Beisein von Polizeikommandant Gerry Lips portraitieren und wird hierbei immer wieder gestört. In die Szenerie tritt auch der Schwarze Peter, welcher in der Folge zwischen den Regierungsräten Wessels, Gass und Morin hin und her geschoben wird.
Die zweite „Lyyche“ folgte mit Philipp Hildebrand alias Phiil BIP In dr Hand auf dem Golfplatz, wo er plötzlich auf Altbundesrat Christoph Blocher als Zeitungsausträger stösst.

„Was isch dr Undderschiid zwische em EURO und dr BaZ?
dr EURO isch die 1.20 wärt…

Die dritte „Lyyche“, Frau Bundesrätin Eveline Widmer Schlumpf alias Evi Widdr-Trumpf, war die nächste auf der Satireliste. In lustigem Zusammenspiel mit den aus der Werbung bekannten Bündner Steinböcken, bekam sie ihr Fett weg. Einen besonderen Lacher ernteten hierbei zwei Nacktwanderer, welche unvermittelt die Messebühne überquerten.

Im Anschluss daran wurden Mike Shiva parodiert und mittels Einspielungen über die Videowand prominente Zukunftsforscher zugeschaltet. Ein sehr amüsanter Auftritt und hervorragend umgesetzt vom Laiendarsteller. Über einen tragischen Unfalltod der „Nääbelyyche“ Frau Susanne Leutenegger-Oberholzer, welche mit ihrem Besen fliegender Weise ihr Leben verlor, konnte man in der Folge schmunzeln.

Der zweite Teil begann mit einem grandiosen Auftritt der Alte Stainlemer. In Morgestraichatmosphäre schritten sie mit „z Basel“ auf die Bühne. Was folgte, war ein rassiger, sehr rassiger „Onkel Sam“, bei welchem die Tambouren Gas geben mussten um den spielerisch sehr aufgeweckten Pfeifer folgen zu können. Der in diesem Jahr 100 Jahr feiernden Stammclique wurde nach deren Darbietung von den Veranstaltern eine schöne „Stäggeladärne“ überreicht, auf welcher das Signet der Zofinger abgebildet ist. Eine schöne Geste!

Das „zwaite Stiggeli“ begann im Altersheim, wo zwei Insassinnen mit einem „ja, ja“ sagenden, ausquartierten tunesischen Asylsuchenden konfrontiert worden sind. Alsdann standen im Schiff „Unsinkbar II“ wieder mehrere Schiffbrüchige auf der Szenerie, bevor es in die Villa Rosenau ging, wo Hampel Spass als verdeckter Ermittler in Erscheinung trat, tatkräftig unterstützt von André Auderset alias Gruuselschnauz, welcher mit dem Schaufelbagger bereit stand, die berüchtigte Liegenschaft einzureissen. Mit der in „Fiesta Voltapläzzli und Adioo Rechtsstaat“ umgetexteten Melodie von Toni Marschall endete dieser Linksaufguss.

Danach fand man sich im antiken Griechenland wieder, wo der Blitze schwingende Göttervater versucht, den Staat zu retten. Vergebens, weil die Stromrechung nicht bezahlt worden ist.
Dazwischen kam ein zweites fasnachtliches Element zur Aufführung. Ein Duett aus zwei atomaren Brennstäben sang den melancholischen Song von Freddy Mercury „Who wants to live forever“ auf Baseldeutsch und wiesen damit darauf hin, dass wir die Atomkraft nicht loswerden. Schön unterstützt wurden sie dabei von einem im Skelettkostüm trommelnden Tambour. Scheen isch es gsi! Den Abschluss des „zwaite Stiggli“ machte der Teufel, der Schwierigkeiten hatte, die drei „Lyyche“ in seinem Refugium unterbringen zu dürfen.

Das diesjährige Zofingerconzärtli sparte nicht mit bissigen Wortspielen und gelungenen Persiflagen. Die Anspannung der Darsteller war spürbar, aber die Lust am Theaterspielen übertrug sich ins amüsierte Publikum. Über die nicht immer getroffenen Töne während der Singeinlagen konnte man ebenfalls getrost hinweghören, waren die Texte doch so ausgefeilt, dass man sich daran erfreuen konnte. Die Einspielungen über die Videowand, bei welchen vor allem Peter Malama als Running Gag aufs Korn genommen wurde, überbrückte die Handlungen auf der Bühne problemlos und war ein gelungenes Zusatzelement. Alles in allem und wie erwähnt: Die Liebhaber des Laientheaters und der bissigen Politsatire kamen voll auf ihre Kosten.