Drummeli 2011 / Endlich angekommen!

26. Februar 2011 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Nach Jahren des „Exils“ ist das „Drummeli“ wieder da angekommen, wo es hingehört: Auf einer echten Theaterbühne. Das spürt man bei jeder Nummer, sei es musikalisch oder Wortbeitrag. Die Premiere im Musical-Theater ist ein grosser Wurf geworden; fast vier Stunden gehen wie im Flug vorbei.

Die Älteren im Publikum spürten das alte „Kiechli-Gfyyl“ wieder, die Jüngeren, die nur die Zeit auf der Messebühne kannten, stellen nun mit Staunen fest: So kann „Drummeli“ sein – so kurzweilig, so spannend und vor allem: So nah am Publikum. Im Messe-Festsaal war die Distanz immer spürbar, war die Bühne nur knapp bespielbar. Hier aber füllen die Formationen wieder den Saal, die Pointen zünden zum Publikum rüber, die Bühnenbilder wirken.

In allererster Linie ist das „Drummeli“ ja eine Leistungs-Show der Stammcliquen. Und da zeigte sich auch dieses Jahr: Das Niveau ist hoch, ja sehr hoch. Das kam – wie gesagt – am neuen Ort noch viel besser zur Geltung. Hervorgehoben werden kann eigentlich keiner der Auftritte, alle Darbietungen waren so gut, dass sie eine Erwähnung verdient haben. Machen wir dies chronologisch:

Die Basler Dybli eröffnen mit einem traditionellen „Waggis“, wobei die Titelfiguren auch gleich ins Publikum intrigieren und „Dääfeli“ verteilen. Das Hauptsujet der kommenden Fasnacht nehmen mit der „Zolli Safari“ die Rhygwäggi in perfekter Form auf, eine Uraufführung mit Affen und Labor-Ratten.

Ob im „neuen“ Drummeli mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird?

Innert küˆrzester Zeit wird im Drummeli füˆr Fasnachtsstimmung gesorgt. Auch auf dem Boden.

Schummelschuel 2011: Tambouren des CCB.

Im Rahmenstück «Sage Si Epfel oder sage Si ֈpfel» umschifft Urs Bihler die diversen Dialektstolpersteine bravouröˆs.

Es gibt zwar noch immer keine Fasnachts-Strasse, dafüˆr sorgen «d‘ Junteressli» füˆr ihren eigenen Platz.

Die Schäˆnzli-Fäˆger machen zusammen mit einem himmlischen Chor ganz auf «Sister Act».

Das wunderbare Schissdräggzygli füˆhrt als Roter Faden unterhaltsam durchs Programm.

Dr Fäärimaa

Wettstein und Basler Mittwoch-Gesellschaft 1907 zusammen mit dem «dr Matroos»

Füˆr einen echten Hingucker haben die Gundeli mit dem «Samba di Basilea» gesorgt.

Sorgen nach der Pause füˆr mächtig Muttenzerkurve Feeling; Alti Glaibasler (AGB)

Kurt Walter mimt in der wiedererweckten Balkonszene den Zeitungsverkäˆufer.

Die Sans Gê‚ne mit ihrem wunderbar vorgetragenen «€žInca»€œ verdienen wohl zusäˆtzlich den ersten Preis bei der Kostüˆmierung.

Die «Alti Stainlemer» geben ein AC/DC Medley zum Besten. Selbst für eingefleischte Anhäˆnger der australischen Altrocker sind die Melodien nicht immer einfach zu erkennen.

d‘ Spale mit dem Spalier (DWUF) sorgen für romantische Stimmung.

Eine sehr schwierige Nummer hat sich die J.B.-Clique Santihans mit „dr Luuser“ ausgesucht. Das ganze wird als Schallplatte gespielt, mit zwischenzeitlichem Steckerrausziehen und einem „Ewig“ als Gags. Sehr aktuell die Junteressli, die mit dem „Spalebärg“ die grösste Baustelle (von vielen in) der Innerstadt bepfiffen und –trommelten. Die Spezi-Clique emigrieren musikalisch mit „Sixty-Nine“ von Irland nach den USA.

Die Alti Richtig feiert ihre 50jährige „Junte“ ebenfalls geographisch mit dem „Rittergässler“. Sehr nostalgisch präsentiert sich das Duo aus Wettstai und BMG mit einem Arrangement der Comedian Harmonists aus den Dreissigern unter dem Titel „dr Matroos“. Sozusagen einen Protestmarsch intonieren die Schnooggekerzli mit „Dr Bonaparte“, der von Berry Batschelet 1986 als Reaktion auf das Chemie-Ereignis in Schweizerhalle geschrieben wurde.

Und gleich noch mal Batschelet, dieses Mal zusammen mit dem verstorbenen Maurice Rossel. Diese beiden standen nämlich für die Coproduktion „Samba di Basilea“, die heuer von den Gundeli dargeboten wurde. Die rassigen Samba-Tänzerinnen lockten bei Fasnachts-Puristen allerdings das eine oder andere Runzeln auf die Stirn. Immer wieder ein Klassiker, der „Monty (Liberty Bell)“ von den Basler Rolli beendete den ersten Teil des Drummeli.

„In dr Monschterkurve“ eröffnete nach der Pause; die Alte Glaibasler machten in einer sensationellen Stimmungsnummer klar: Die Muttenzerkurve lebt.. Das „Offizielle“ persiflierten die Glunggi mit dem „Rossignol“. „Dr Condor säägled, wirsch es gseh, höcher no als e hoches G“ reimen danach die Sans Gêne mit ihrem „Inca“. Sie verdienen wohl den ersten Preis bei der Kostümierung.

Einen sehr alten Marsch präsentiert die VKB mit dem „Nundedie“ (wir berichteten). Mal nicht mit der BaZ, dafür mit „The Washington Post“ befassen sich die Rhyschnoogge. Die Breo lassen mit „Modern Times“ Charlie Chaplin auferstehen. Sehr exotisch kommen die Schnurebegge mit dem „Aloha’Oe“ daher, komponiert anscheinend von der hawaianischen Köngin Lili’uokalani (bitte dreimal schnell nachsprechen…). Es folgen die Alte Stainlemer mit „Glychstrom/Wäxelstrom“ – auch AC/DC genannt. Und dann noch eine DWUF (DrummeliWältUuruffiehrig) von der Spale mit „Spalier“, komponiert von Michi Robertson und Marco Balmelli.

Nicht unerwähnt lassen wir natürlich die Trommel- und Pfeiferschule des CCB, die zur „Schummelschuel 2011“ mutiert, weil der Stamm der Jungen Garde hilft, die stolz auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken kann. Dazu zwei „Guggen“: Mit viel Swissness begehen die Glaibasler Schränzbrieder ihr 50-Jahre-Jubiläum; die Schänzli-Fäger machen als Ordensschwestern auf „Sister Act“.

Immer wieder ein Thema sind am Drummeli ja die Rahmenstücke, wobei erfreulicherweise schon letztes Jahr eine markante Besserung hatte festgestellt werden können. Im 2011 ist nun eine Qualität entstanden, die tatsächlich mit alten „Kiechli-Zeiten“ konkurieren kann. Oder trügt die Erinnerung und es war damals alles gar nicht so lustig? An der Premiere wurden auf alle Fälle Tränen gelacht beim Revival der „Balkon-Szene“, auch wenn – oder gerade weil – sich das glänzend aufgelegte Ensemble köstlich über sich selbst und die Anforderung lustig machte:

S Volgg will daas
S Comite will daas
also gänn mir ihne halt daas

Ein Schyssdräggziigli dient als Roter Faden. Dieses ist zum einen für die „Rääme“ verantwortlich, kommt aber auch einzeln in Solonummern – teils sehr lustig, teils besinnlich – ausgezeichnet zum Zug. Auch hier zeigt sich die Nähe zum Publikum dank des „Guckkasten-Theaters“. Die Paradenummer unter dem Titel „Sage Si Epfel oder Öpfel?“ nimmt die neue Basler „Sprachregelung“ auf s Korn:

Säge Si Helzer oder saage Si Hölzer?
Wääge Si Wulle oder wooge Si Wälle?

Bei Prolog, Epilog und dem Drummelibangg kommt der 30-köpfige Chor Syndicats als Unterstützung dazu – auch dies eine Bomben-Idee. Apropos Schnitzelbängge: Die Verse des Fäärimaa waren herrlich lakonisch und dabei bissig, und der Drummelibangg glänzte mit grossem Einfallsreichtum.

Alles in allem schlicht ein sensationelles Drummeli, bei dem die kleineren Ton-Schwierigkeiten wohl in den nächsten Vorstellungen behoben sein werden und vielleicht irgendjemand eine passende Larve für den Major der Schänzli-Fäger findet. Das wäre aber schon alles an kritischen Anmerkungen. Das Fazit lautet: Das „Drummeli“ ist endlich wieder eine Einheit – etwas Ganzes!

Drummeli 2011 im Musical Theater Basel. Vorstellungen wochentags 1.30 Uhr, am Sonntag 14.00 Uhr. Es hat noch einige Tickets (93% der Plätze verkauft). Tickets gibt es noch auf www.drummeli.ch oder beim Fasnachts-Comité am Blumenrain 16.

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