Mimösli 2007: Die Show des Piccolo Man

9. Januar 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Ein kurzer Ausrutscher passiert dem Aargauer Entertainer in seinem gut halbstündigen Auftritt trotz aller Integrationsbemühungen aber doch. Während eines Fasnachtsmedleys stimmt Pepe Lienhard plötzlich eine bekannte Zürcher Melodie an. Die Entschuldigung folgt prompt, die Bebbi-Welt ist wieder in Ordnung. Lienhard, der letztes Jahr bei der Mimösli-Premiere noch im Publikum sass, begeistert nicht nur mit seinen Piccolo-Künsten, sondern auch mit seinen alten Hits «Swiss Lady» oder dem «Piccolo Man». Tatkräftig unterstützt wird Pepe Lienhard von den Piccolo- und Saxophon-Virtuosen Thomas&Thomas (Thomas Weber und Thomas Heid) und vier Musikern, allen voran Pino Gasparini. Der in Basel aufgewachsene Entertainer ist seit 1969 mit Pepe Lienhard unterwegs und tanzt auf der Bühne herum wie ein 20-Jähriger.
Jubel, Zugabe-Rufe und donnernder Applaus sind Lienhard, Gasparini und Co sicher – ihre Show ist für die meisten Premiere-Besucher der unbestrittene Höhepunkt des Abends.

Im ersten Teil des Mimösli sind die glanzvollen Moment noch dünner gesäht. «Ganz Basel, ai Polarium», diesem Motto getreu stehen zu Beginn des Programms sechs dicke Pinguine auf der Bühne. Sie trauern ihrem Polarium in der Markthalle nach und ärgern sich entsprechend über zwei entfernt verwandte Federviecher namens Eva und Barbara…

Auch die Rahmestiggli des sechsköpfigen Ensembles um Hausherr Häbse Hersberger überzeugen vor allem vor der Pause nicht durchwegs. Lacher gibt es allemal, etwa wenn in der Beiz einer Dame vom Daig (Hedy Kaufmann) nach einem Glas Basler Trinkwasser ganz schwämpämperlig (siehe Suter Seite 202) wird und sie sich zum Kaffee «Blocherlis» servieren lassen muss. Neben Nicole Loretan und Patrick Allmandinger gehören dieses Jahr erstmals auch Dominique Lendi (Ex-Cafe Bâle) und Renato Salvi zum Ensemble. Vor allem Salvi ist eine tolle Bereicherung, er überzeugt bei seinem Kurz-Auftritt als Surprise-Verkäufer ebenso wie als genervter Englisch-Lehrer für die Basler Drämmler oder als «Weisch-Hey!-Schüler» mit Balkan-Hintergrund. Das Rahme-Stiggli «So lauft’s in der Schuel» trifft den Geschmack des Mimösli-Publikums voll. Häbse als einziger «Caquelon-Fresser» in einer Klasse hat Mühe, sich gegen seine ausländischen Mitschüler durchzusetzen. Die Lehrerin nämlich betreibt Integration der etwas anderen Art.

Den Zuständen in manchen Basler Schulzimmern nehmen sich auch die Vier vom «Bangg-Gheimnis» an. Gammelfleisch, das Polarium, der Sprachenstreit und alle Jahre wieder Gigi Oeri sind weitere Themen des Banggs. Sie zeigen eine solide Leistung, können allerdings nicht mit den «Joggeli» mithalten.
Ihr Auftritt ist der Höhepunkt im ersten Programmteil. Bissig ihre Pointen zu den mangelnden Leistungen des FCB und EHC, gelungen die etwas andere Theorie zum Basler Erdbeben oder die «Entschuldigung» für den letztjährigen Vers über Angela Merkel. Bleibt nur zu hoffen, dass Häbse diesen Bangg auch nächstes Jahr wieder auftreten lässt, obwohl in einem ihrer Verse die Pinguine nach dem gescheiterten Umzug in die Markthalle im Zolli so eng sitzen wie die Zuschauer im Mimösli. Auf solche Kritik hat der Hausherr in der Vergangenheit auch schon humorlos reagiert…

Musikalisch überzeugt das Mimösli 2007 von Anfang bis Ende. Schaurig der Auftritt der Gugge «Ermitage Schränzer Arlesheim», allerdings nur was die Kostüme betrifft. Mit einem fetzigen «She’s a Little Runaway» entlassen die Schränzer das Premiere-Publikum in die Pause.

«Schön!» So kommentierte gestern ein Zuschauer lautstark allein das Erscheinungsbild von Charly Janser’s «Hofnaare» für die «Wilhelm Tell Ouverture», die genauso sauber gepfiffen ist wie die «Pizzikato Telefon Polka» im ersten Programmteil. Die sechs Tambouren der Gruppe «Octopuls» von Rolf Schlebach liefern sich unter den strengen Augen von Captain Jack Sparrow ein Trommelduell und stellen sich dabei mit den Schlegeln entschieden weniger «deppig» an als die Hauptfigur im Film «Fluch der Karibik».

Frostig wie beim eigens für das Mimösli komponierten Trommelmarsch «Nukular» geht es auch im Epilog zu und her. Zum Schluss des über dreistündigen Programms (inklusive Pause) mag den sechs Eskimos ob all den frostigen Geschehnissen in Basel gar nicht mehr warm werden. Aber nur so lange, bis sie die Lösung erkennen. Die dauert exakt 72 Stunden und beginnt am 26. Februar Schlag vier Uhr.