«Basler Fasnacht – eine hl. Messe»

9. März 2001 | Von | Kategorie: Nachrichten

Unsere «lieben Freunde» von der «Trommelgroup West-Nederland (TWN)» aus Leiden (Niederlande) hat unsere Leserschaft in den letzten Wochen in der Rubrik «… Mool schloofe bis zem Morgestraich» bereits ein wenig kennengelernt. Was kurz nach Neujahr indes noch niemand wissen konnte – die bz hat sieben der 15 Spitzentambouren der TWN an der Fasnacht getroffen. Wir hatten nämlich aus dem Internet erfahren, dass sie mit Anhang am Sonntag vor dem Morgestraich nach Basel reisen würden, um hier an den «drey scheenschte Dääg» aktiv mitzuwirken.

Die freundschaftlichen Kontakte hiesiger Trommelkünstler zu den niederländischen Tambouren nahmen bereits anno 1954 ihren Anfang. Der damals 17-jährige gebürtige Niederländer Rob Verhagen lernte Alfons Grieder, den Lieblingsschüler des legendären «Trommeldoktor» Fritz («Frutz») Berger kennen und wurde von beiden im Basler Trommeln unterrichtet. Er war seinerzeit der erste Niederländer überhaupt, der die Basler Trommelkunst erlernte – und beherrschte. Und zwar so gut, dass ihm auch der Trommelpart des «Geigy Festival Concerto» von Rolf Liebermann (Uraufführung 6. Juni 1958 in Basel) nicht unbekannt war. Dieses Trommelsolo hatte Berger geschrieben und war in der Folge an die 20 Mal in Deutschland und England damit als Solist aufgetreten. Nach seinem Tod im Jahre 1963 übernahm Fons Grieder die Rolle als Botschafter des Basler Trommelns im Ausland.

Basler Trommeltechnik als
Fach am Konservatorium

Ab 1957 gab Rob Verhagen die hiesige Trommelkunst an interessierte Musikstudenten in den Niederlanden weiter. In den letzten 40 Jahren hat er an fast allen niederländischen Konservatorien Gaststunden im Basler Trommeln gegeben. Zusammen mit Fons Grieder und dessen Schwiegersohn Andi Zeller veranstaltete er auch «Workshops» für Tambouren seiner Heimat. In seinem Wohnort Den Haag ist Rob seit zehn Jahren Gastdozent am «Koninklijk Conservatorium» für das Fach «Basler Trommeltechnik».

Der heutige TWN-Präsident hat im Rahmen seiner Tätigkeit als Trommellehrer seit 1993 den meisten Mitgliedern der vier Jahre später gegründeten TWN die Finessen des Basler Trommelns beigebracht. So auch dem 33-jährigen Xander van der Ploeg, einem der sieben Tambouren, die letzten Sonntag nach Basel gereist sind. Er ist Schlagzeuger in der «Brassband Schoonhoven», Schlagzeuginstruktor bei «Marchingbands DVS» und «Laurentius», Tambour, Instruktor und Sekretär der TWN.

Xander war vor zehn Jahren erstmals an einem Morgestraich dabei. Dieses Jahr reiste er mit Rob und den sechs anderen (unter ihnen mit Monique van den Berg auch eine Trommelvirtuosin) von Utrecht her an. Nach der Ankunft um 18 Uhr im Bahnhof Basel SBB begab sich die Trommelgroup ins Hotel Rochat, wo um 21.30 Nachtruhe geboten wurde. Den Morgestraich erlebte die Gruppe als Zuschauer mit. Den Cortège betrachteten sich die niederländischen Gäste ebenfalls vom Strassenrand aus. Doch dann hiess das Motto nur noch «Trommeln»…

Unser Rendez-vous ist für Dienstagmorgen im Restaurant zum Alten Warteck vereinbart, wo Fons Grieder seine niederländischen Freunde am Stammtisch willkommen heisst. Diese kommen gleich in Begleitung des niederländischen Fernseh-Senders «TV West», der die Exkursion an die Basler Fasnacht praktisch rund um die Uhr auf Video bannt.

Sie beherrschen das Trommeln
besser als die Sprache

Rob kann dieses Jahr nicht trommelnderweise dabei sein, weil ihm die Zeit für eine seriöse Vorbereitung schlicht gefehlt hat. Doch wie er seine Kollegen und die Kollegin vorstellt, gerät er lachend ins Schwärmen: «Sie trommeln besser baslerisch, als dass sie deutsch sprechen». Es handle sich durchwegs um Spitzentambouren, die aus verschiedenen Bands der Niederlande stammten und den Wunsch gehabt hätten, sich in einer eigenen Trommel-Show-Formation zu vereinigen. Für die Teilnahme an der Fasnacht haben sie die «Dreier», «Mätzli», «dr Windschdi», «Pumperniggel» und «Pfyffer-Retraite» einstudiert – selbstverständlich nach Berger-Noten.

Und was bedeutet die Basler Fasnacht denn für einen alten «Trommel-Hasen» wie Rob? Sein Gesicht wirkt ganz entspannt, seine Augen glänzen wie er in feierlichem Ton sagt: «Ein eindrucksvolles religiöses Ereignis, ja sie ist wie eine heilige Messe». Die Fasnacht sei etwas Ernstes, Würdevolles, das Trommeln und Pfeifen würde zelebriert. «Es sind eigentliche Festspiele – einzigartig in der Welt.» Sagt es und kann es kaum mehr erwarten, «uff d Gass» zu kommen. Dort sind die sieben TWN-Tambouren – zusammen mit Fons Grieder und anderen hiesigen Trommlern aus verschiedenen Cliquen – abmarschbereit.

Im nächsten Jahr
wieder aktiv mit dabei

«Dreier, vorwärts, marsch!» In flottem Marschtempo biegt die SpitzenGruppe in den Riehenring ein. Auf dem Weg ins Grossbasel, wo spontane Treffen mit Angehörigen Basler Trommelgruppen wahrscheinlich sind, bleiben immer wieder Passanten bewundernd am Strassenrand stehen. Das TWN-Septett darf bis zum Ändstraich noch manche Huldigung entgegennehmen. Das wird auch im nächsten Hornig sein. Rob wird dannzumal mit der ganzen Familie nach Basel reisen und am trommlerischen Zeremoniell selbst wieder aktiv mitwirken.