Die Basler Fasnacht in Zahlen

10. Februar 2012 | Von Dennis L. Rhein | Fotos: Dennis L. Rhein

Beim Fasnachts-Comité sind 2012 rund 484 Gruppierungen zum Cortège angemeldet, das heisst: 142 Cliquen, Stammvereine, Gruppen. Jüngere und ältere Fasnächtler bis hin zu den Kleinsten. 80 Pfeifer- und Tambouren-Gruppen. 140 Wagencliquen und Kutschen, in Basel Chaisen genannt. 63 Guggenmusiken.

Eine der über 60 Guggenmusiken

Eine der über 60 Guggenmusiken

Übrigens: Guggenmusiken wurden erstmals 1923 in der Presse erwähnt. Zwar marschierte bereits 1876 eine Blechmusik am Morgesntreich mit, was jedoch zu heftigem Protest führte. Seit 1934 hatten dann die Guggenmusiken einen grossen Aufschwung, so dass 1948 der damals von den Cliquen nicht benützte Fasnachts-Dienstag – er war und ist auch heute noch weitgehend den Kindern reserviert – als spezieller Tag galt.

Heute sieht alles ein wenig anders aus. Der Dienstagabend gehört zwischen 18.30 und 23.00 Uhr den Guggenmusiken. Mit einem Sternmarsch ab Messeplatz   begeben sich die «Guggen» zum Clara-, Barfüsser- und Marktplatz, und geben dort Platzkonzerte,  während sich die Cliquen etwas mehr in die Altstadtgassen zurückziehen. Auf den Morgenstreich verzichten die Guggenmusiken, um während einigen Stunden ausschliesslich den traditionellen Trommel- und Piccoloklängen den Vorrang zu lassen.

Doch zurück zur Aufzählung, denn es gibt noch 59 Einzelmasken und kleine Grüppchen, die beim Comité angemeldet sind. Das heisst, ca. 12’000 Personen nehmen in organisierten Gruppen an der Fasnacht teil und ungefähr weitere 5-6’000 Personen geniessen als Familien und Einzelgrüppchen die Fasnacht.Es steht jedem Basler frei, bei einer Fasnachtsgesellschaft angeschlossen zu sein oder nach seinem Belieben Fasnacht zu machen. So werden wir dieses Jahr z.B. auch verschiedene Gruppierungen, ob Trommler und Pfeiffergruppen, Schnitzelbänggler antreffen, die sich den Spass machen, unter dem Dach ihres eigenen Comités aufzutreten.

Die über 180 Laternen sind auf dem Münsterplatz zu bewundern

189 Laternen werden mitgetragen oder mitgezogen. Diese sind ab Montagnacht durchgehend bis am Mittwochvormittag auf dem Münsterplatz zu bestaunen. Ich wage zu behaupten, dass es sich hier um die grösste Open-Air Kunstausstellung überhaupt handelt. 27 Fasnachtswagen und über 40 Requisiten die zum Teil mit viel Liebe zum Detail zusammen gebaut wurden, werden parallel zur Laternenausstellung, bei der Kaserne im Kleinbasel zu besichtigen sein. Sowohl auf dem Münsterplatz wie auch bei der Kaserne herrscht speziell am Dienstag fasnächtlicher Hochbetrieb. Nebenbei bemerkt, auf dem Münsterplatz ist sicher gestellt, dass Sie weder Hunger noch Durst leiden müssen.

Am Montag- und Mittwochnachmittag ab 13.30 Uhr findet der Cortège sämtlicher beim Comité angemeldeten Teilnehmer auf einer festgelegten oder sagen wir vorgeschriebenen Route im Innerstadtbereich statt. Da die Fasnacht in den letzten Jahren von der Teilnehmerzahl her so gewachsen ist – würde man alle Teilnehmer gleichzeitig wie bei einer Parade laufen lassen, würde man eine Strecke von rund 15 km benötigen – darum musste das Comité einige Vorschriften erlassen. So wird der Cortège – in Basel nennen wir den Umzug nicht einfach Umzug, sondern eben Cortège (tönt doch auch viel besser, oder?) – im Zentrum der Stadt auf einer inneren und einer äusseren Route von je 3,6 km geführt. Einen detaillierten Plan finden Sie im Fasnachtsführer «Rädabäng», in dem auch zahlreiche nützliche Informationen zu finden sind. Der «Rädabäng» erhalten Sie zu Fr. 8.00 an verschiedenen Verkaufsstellen, u.a. am Kiosk.

Noch etwas zu den Themen oder Sujets der einzelnen Fasnachtsgruppierungen , die in diesem Jahr zu sehen sind. Im Fasnachtsführer «Rädäbäng» sind gegen 130 verschiedene Sujets aufgelistet.  Wobei die Einträge oft konfus sind, darum muss man sich an Hand des Auftritts der jeweiligen Gruppierungen ihren Laternen und «Zeedel» (Zeedel siehe weiter unten)  mehr Klarheit verschaffen

Zum grossen Teil, rund 80% der Sujets behandeln lokale und nationale Themen auf unterschiedlichste Art und Weise. Es gibt auch Einige die sich mit allgemeinen und internationalen Themen befassen.

Die meisten gewählten Sujets drehen sich in diesem Jahr ums Geld. Euro, Finanzkrise, Rettungsschirm Schweizer Franken, Nationalbank und Abgang des Präsidenten   Philipp Hildebrand – ein Politikum.  Auch das Defizit und die Sparwut  des Nachbarkantons und die Auswirkungen auf die gesamte Region ist natürlich ein Thema.
Dass man oft hören wird «s’glemmt» auch im Zusammenhang mit dem Geld hat damit zu tun, dass das Wort «glemmt» das Motto der diesjährigen Fasnacht und der Plakette ist. ( Näheres dazu finden Sie unter Service – Geschichtliche  Eckdaten…)

Weitere Spitzenreiter von Sujets sind:  Energie, Atom, Kriminalität ,Themen also die auch unsere Bevölkerung beschäftigen. Es wird interessant sein wie die mehrfach gewählten Sujets auf unterschiedlichste Art präsentiert werden – dies eine der speziellen Eigenschaften der Basler Fasnacht.
Zahlreiche lokale Gegebenheiten die gewisse Vorkenntnisse  erfordern werden anzutreffen sein. Ich versuche die wichtigsten stichwortartig hier Vorzustellen ohne dabei ins Detail zu gehen. Also eine Herausforderung an den Besucher mehr zu erfahren während den drei Fasnachtstagen..:
Basel Tourismus geht nach Moskau auf Werbetour  – Littering und Abfall Problematik – Titanwurzel im Botanischen Garten – Sexkoffer in den Schulen – Ein Ziegelwerfer im Gundeldinger Quartier  hält die Bevölkerung beinahe 48 Stunden in Atem , der Verkehr  wurde lahm gelegt  – Martha die mit dem Gartenschlauch im Rotlicht Milieu die Freier vertreibt und und und……..

Zeedel zum lesen

Die verschiedenen Cliquen, grössere und kleinere Gruppen gehen auf ihr gewähltes Sujet in schriftlicher Form auch mit einem Pamphlet vertieft ein, wir nennen diese Zeedel. Somit werden rund 300 mit spitzer Feder und dem nötigen Witz – im Basler Dialekt – verfassten Zeedel am Montag und Mittwoch, den am Strassenrand stehenden Menschen, verteilt, die dann zu Hause diese Pamphlete sich mit einem schmunzeln zu Gemüte führen.

Dies alles tönt für Sie wahrscheinlich etwas kompliziert, doch trösten Sie sich, Sie stehen damit nicht alleine da. Es ist ja auch nicht so wichtig, sämtliche organisatorischen Details zu kennen, wichtig ist nur zu wissen, dass vom 27. bis 29. Februar während drei Tagen und Nächten im ganzen Innerstadtbereich, das heisst zwischen Mustermesse, Wettsteinbrücke, Bankenplatz, Barfüsserplatz, Schifflände und Claraplatz sich die Fasnacht in ihrer Vielfältigkeit und Einmaligkeit abspielen wird. Sollten Sie trotzdem noch Fragen haben, und Sie sprechen einen Fasnächtler an so warne ich Sie hiermit. Denn, je nachdem wen Sie fragen oder ansprechen, können Sie verschiedene Antworten erhalten und alle sind irgendwie richtig, denn die Basler Fasnacht erlebt Jeder individuell und auf seine Art.


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