Die Basler Fasnacht in Zahlen

30. Januar 2016  Text und Bilder  Dennis L. Rhein

Beim Fasnachts-Comité sind 2016 rund 465 Gruppierungen zum Cortège angemeldet, das heisst: 142 Cliquen, Stammvereine, Gruppen. Jüngere und ältere Fasnächtler bis hin zu den Kleinsten. 64 Pfeifer- und Tambouren-Gruppen. 139 Wagencliquen und Kutschen, in Basel Chaisen genannt. 61 Guggenmusiken.

EckdatenÜbrigens: Guggenmusiken wurden erstmals 1923 in der Presse erwähnt. Zwar marschierte bereits 1876 eine Blechmusik am Morgesntreich mit, was jedoch zu heftigem Protest führte. Seit 1934 hatten dann die Guggenmusiken einen grossen Aufschwung, so dass 1948 der damals von den Cliquen nicht benützte Fasnachts-Dienstag – er war und ist auch heute noch weitgehend den Kindern reserviert – als spezieller Tag galt.

Heute sieht alles ein wenig anders aus. Der Dienstagabend gehört zwischen 18.30 und 23.00 Uhr den Guggenmusiken. Mit einem Sternmarsch ab Messeplatz   begeben sich die «Guggen» zum Clara,Barfüsser- und Marktplatz, und geben dort Platzkonzerte,  während sich die Cliquen etwas mehr in die Altstadtgassen zurückziehen. Auf den Morgenstreich verzichten die Guggenmusiken, um während einigen Stunden ausschliesslich den traditionellen Trommel- und Piccoloklängen den Vorrang zu lassen.

Doch zurück zur Aufzählung, denn es gibt noch 59 Einzelmasken und kleine Grüppchen, die beim Comité angemeldet sind. Das heisst, gegen. 12’000 Personen nehmen in organisierten Gruppen an der Fasnacht teil und ungefähr weitere 5- 6’000 Personen geniessen als Familien und Einzelgrüppchen die Fasnacht.

Es steht jedem Basler frei, bei einer Fasnachtsgesellschaft angeschlossen zu sein oder nach seinem Belieben Fasnacht zu machen. So werden wir auch verschiedene Gruppierungen, ob Trommler und Pfeiffergruppen, Schnitzelbänggler anzutreffen sein, die sich den Spass machen, unter dem Dach ihres eigenen Comités aufzutreten, doch dies ist eine kleine Minderheit. Rund 190 Laternen werden mitgetragen oder mitgezogen. EckdatenDiese sind ab Montagnacht durchgehend bis am Mittwochvormittag auf dem Münsterplatz zu bestaunen. Ich wage zu behaupten, dass es sich hier um die grösste Open-Air Kunstausstellung überhaupt handelt. Wer noch keine Fasnachtsplakette am Revers trägt hat auch dort die Möglichkeit eine zu kaufen, denn dies ist ein bescheidenes Eintrittsticket zu dieser einmaligen Kunstausstellung. Ca. 30 Fasnachtswagen und 40 Requisiten die zum Teil mit viel Liebe zum Detail zusammen gebaut wurden, werden parallel zur Laternenausstellung, bei der Kaserne im Kleinbasel zu besichtigen sein. Sowohl auf dem Münsterplatz wie auch bei der Kaserne herrscht speziell am Dienstag fasnächtlicher Hochbetrieb. Nebenbei bemerkt, auf dem Münsterplatz ist sichergestellt, dass Sie weder Hunger noch Durst leiden müssen.

Am Mitwoch ab ca. 17.30 Uhr wird man vor dem Hotel «Les Trois Waggis» oder korrekt gesagt dem Hotel Les Trois Rois  an der Schifflände ca.19 exklusive und wunderbare Chaisen mit ihren prachtvoll kostümierten Insassen in Ruhe bewundern können.

Am Montag- und Mittwochnachmittag ab 13.30 Uhr findet der Cortège sämtlicher beim Comité angemeldeten Teilnehmer auf einer festgelegten oder sagen wir vorgeschriebenen Route im Innerstadtbereich statt. Da die Fasnacht in den letzten Jahren von der Teilnehmerzahl her so gewachsen ist – würde man alle Teilnehmer gleichzeitig wie bei einer Parade laufen lassen, würde man eine Strecke von rund 15 km benötigen – darum musste das Comité einige Vorschriften erlassen. So wird der Cortège – in Basel nennen wir den Umzug nicht einfach Umzug, sondern eben Cortège (tönt doch auch viel besser, oder?) – im Zentrum der Stadt auf einer inneren und einer äusseren Route von je 3,6 km geführt. Einen detaillierten Plan finden Sie im Fasnachtsführer «Rädabäng», in dem auch zahlreiche nützliche Informationen zu finden sind. Der «Rädabäng» erhalten Sie zu Fr. 8.00 an verschiedenen Verkaufsstellen unter anderem in den 26 Filialen der Bäckerei Sutter die in der ganzen Stadt und nähren Agglomeration zu finden sind  sowie an speziellen Comité Inseln auf dem Clara-Markt- und Barfüsserplatz.

Noch etwas zu den Themen oder Sujets der einzelnen Fasnachtsgruppierungen , die in diesem Jahr zu sehen sind. Im Fasnachtsführer «Rädäbäng» sind gegen 200 verschiedene Sujets aufgelistet.  Wobei die Einträge oft konfus sind, darum muss man sich an Hand des Auftritts der jeweiligen Gruppierungen ihren Laternen und «Zeedel» (Zeedel siehe weiter unten)  mehr Klarheit verschaffen

EckdatenZum grossen Teil, werden lokale und zum Teil auch nationale Themen behandelt, dies auf unterschiedlichste Art und Weise. Es gibt auch Gruppierungen, die sich mit allgemeinen und internationalen Themen befassen. In diesem Jahr sind die Themen aussergewöhnlich vielfältig. Man kann über 100 Sujets in zwei Gruppen einteilen. Einerseits sorgen sich gegen 70 Cliquen über den Zustand von Basel wie zum Beispiel das schleichende Ladensterben in der Innerstadt ( auch das Motto der diesjährigen Fasnacht inklusive der Plakette «Mer mache dicht»). Aber auch der Einkaufstourismus über die Landesgrenze wegen des tiefen Euros, die Verkehrsbetriebe mit der Nummer 8 welche die Kundschaft seit diesem Jahr neu mit grossem Erfolg über die Grenze fährt und dies führt dazu, dass  von der toten  respektive trostlosen Innerstadt gesprochen wird. Mangelnde Parkmöglichkeiten, zahlreiche nötige oder unnötige? Baustellen. ein Verkehrskonzept das für viel Zündstoff sorgt, wird uns auf vielfältige Art und Weise präsentiert. Daneben gibt es aber auch Dinge die die Bevölkerung beschäftigt wie Clubsterben, horizontales Gewerbe in Wohnquartieren und natürlich müssen auch unsere Magistraten als Sujets hinhalten. Das zweite Schwergewicht der Sujets zeigen rund 38 Cliquen die sich mit ernsthaften Themen unter dem Kapitel gesellschaftliche Probleme und Politik befassen. Dies widerspiegelt natürlich die heutige eher unerfreuliche Zeit in der wir leben. Hier einige wenige Hinweise zu dem was wir zu sehen bekommen: Flüchtligssituation, Integration, Rassismus, Toleranz, eisiger Wind aus Moskau, die Welt spinnt etc. etc. Trotz diesen ernsten Themen mit denen sich die Fasnächtler auseinander setzten, darf man feinen, manchmal auch ein wenig bissigen Humor erwarten. Beleidigungen und persönliche Diffamierungen wären fehl am Platz und entspräche nicht dem baslerischen Humor Daneben gibt es natürlich auch noch zahlreiche weitere Sujets wie zum Beispiel, FIFA und Sepp Blatter, Sparen, Verhältnis mit dem Nachbarkanton Basellandschaft, Umwelt  oder White Dinner. Dies wird von über 30 Gruppierungen ausgespielt. Dabei handelt es sich .um eine Aktion der Pro Innerstadt  vom vergangenen September in der gesamten Innerstadt inklusive Mittlere Rheinbrücke, wo an weiss gedeckten Tischen mit weissen Stühlen  mehrere hundert weiss gekleidete Baslerinnen und Basler einen gemütlichen Abend bei gediegenem selbst mitgebrachtem Pic Nic   verbrachten.. Diese und noch zahlreiche weitere Themen bekommt man in verschiedenen Variationen auf Laternen und bei den Cliquen Zügen zu sehen. Zahlreiche Gegebenheiten die gewisse Vorkenntnisse  erfordern werden anzutreffen sein. Ich versuchte die wichtigsten stichwortartig hier vorzustellen ohne dabei  ins Detail zu gehen. Auswärtige Besucher werden somit während den drei Fasnachtstagen richtig gefordert die einzelnen Thematiken richtig zu verstehen und  einzuordnen.

Fasnacht in ZahlenDie verschiedenen Cliquen, grössere und kleinere Gruppen gehen auf ihr gewähltes Sujet in schriftlicher Form auch mit einem Pamphlet vertieft ein, wir nennen diese Zeedel. Somit werden über 300 mit spitzer Feder und dem nötigen Witz – im Basler Dialekt – verfassten Zeedel am Montag und Mittwoch, den am Strassenrand stehenden Menschen, verteilt, die dann zu Hause diese Pamphlete sich mit einem schmunzeln zu Gemüte führen.

Dies alles tönt für Sie wahrscheinlich etwas kompliziert, doch trösten Sie sich, Sie stehen damit nicht alleine da. Es ist ja auch nicht so wichtig, sämtliche organisatorischen Details zu kennen, wichtig ist nur zu wissen, dass vom 15. bis 17. Februar  während drei Tagen und Nächten im ganzen Innerstadtbereich, das heisst  zwischen Mustermesse, Wettsteinbrücke, Bankenplatz, Barfüsserplatz, Schifflände und Claraplatz sich die Fasnacht in ihrer Vielfältigkeit und Einmaligkeit abspielen wird. Sollten Sie trotzdem noch Fragen haben, und Sie sprechen einen Fasnächtler an so warne ich Sie hiermit. Denn, je nachdem wen Sie fragen oder ansprechen, können Sie verschiedene Antworten erhalten und alle sind irgendwie richtig, denn die Basler Fasnacht erlebt Jeder individuell und auf seine Art.