Basler Fasnacht 2019: Zahlen und Sujets

8. März 2019  Text:  André Auderset

Beim Fasnachts-Comité sind 2019 490 Einheiten gemeldet; dies sind 20 Formationen mehr als im Jahr davor. Das Total unterteilt sich in 36 Stammvereine (unverändert), 40 Alte Garden (-1), 49 Junge Garden und Binggiszügli (unverändert
), 76 Piccolo- und Trommel-Gruppen (+11), 64 Guggen (+3), 119 Wagen (-1), 18 Chaisen (-2) und 78 
Gruppen (+12). Unter „Gruppe“ subsummiert das Comité alles „mit mehr als einer Person, was spielend oder nicht spielend läuft“. Ist es nur eine Person, redet man von 
Einzelmasken; hier haben sich 10 (-2) angemeldet.

Bild: Comité-Obfrau Pia Inderbitzin, eingerahmt von der Nachwuchsverantwortlichen Katrin von Bidder (links) und dem Verantwortlichen für die Strassenfasnacht, Bruno Kern.

Sujets 2018: Muba und Narrenfreiheit

Von den 490 gemeldeten Einheiten spielen 90% ein Sujet aus. Aufgrund der – auch in diesem Jahr – sehr vielseitigen Auswahl darf man sich auf eine kritische und nachdenkliche, aber auch witzige und kreative Umsetzung der vielen Sujets freuen. Wie immer ist die Zusammenstellung der Sujets mit Vorsicht zu geniessen. Die Einträge im Rädäbäng sind oft unklar und lassen viel Interpretationsspielraum offen. Klar ist:

Nicht nur auf der Blaggette 2019 ist die letzte MuBa ein Thema, sondern auch bei vielen Cliquen, Guggen, Chaisen und Wagen, insgesamt haben wir 34 Nennungen gezählt. Dazu gehört auch das Baizensterben rund um den Messeplatz.

Es war zu erwarten, dass viele Gruppierungen sich Sorgen machen um die Narrenfreiheit an der Fasnacht. Das schlägt sich in vielen Sujets nieder, man rechnet mit rund 10%, die sich kritisch damit auseinandersetzen. Es geht darum, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, man will möglichst neutral bleiben, wer nichts sagt, sagt auch nichts Falsches, man ist um Political Correctness bemüht, man hat Angst um die Fasnacht.

Aus den rund 180 erkennbaren Sujets sind nachfolgend diejenigen – einzeln oder sinngemäss in Gruppen zusammengefasst – aufgeführt, die mehr als einmal ausgespielt werden.

Düsteres Weltgeschehen, Umwelt

Plastik im Meer, wird 19 Mal genannt
Der heisse Sommer und seine Folgen, wird 15 Mal genannt Co2, Klimawandel, Umwelt
T ourismus
Nazis in Deutschland
Nichts mehr zu lachen auf der Welt
Waffenexporte
Hektisches Alltagsleben, alles muss schnell gehen
Fairer Handel, aber nur, wenn es nichts kostet
Kränkelndes Engagement

Digitalisierung Viren und Twitter
Influenzer
FaceBook, Datenskandal Roboter

Basler Sujets
Basel und seine Probleme sind jedes Jahr ergiebige Sujetlieferanten, hier einige Beispiele:

Beschaffung der Teslas bei der Polizei Dreck in Basel und am Rhein Surferwelle im Rhein
Brand im Hafenareal
Buschi im Grossratssaal
Fasnacht ins Kleinbasel zurückholen
Forellen in der Walliserkanne
Tod von Goma
Baustellen, Stadtplanung, Parkraumproblematik Picasso
Käppelijoch
BVB
Zolli, Rückkehr der Pinguine, Nachwuchs, Ozeanium
Zunehmende Kriminalität
Politik im Rathaus
Die Stühle in der Innenstadt
Frauen in Zünfte

Jubiläen

36 Cliquen, Wagen, Chaisen und Guggen feiern ihr eigenes Jubiläum, aber es gibt auch die unterschiedlichsten fremden Jubiläen zu feiern (50 Jahre Mondlandung, 100 Jahre Circus Knie, 90 Jahre Mickey Mouse, 40 Jahre Garfield, 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten, 50 Jahre Woodstock, 75 Jahre LSD, 70 Jahre Knorrli, 500 Jahre Leonardo da Vinci)

Strassenfasnacht

Das Konzept für den Cortège hat sich grundsätzlich bewährt. Deshalb hält das Fasnachts-Comité an der Aufteilung des Cortège in zwei Routen und vier Sektoren (Innerstadt, Clara, Wettstein, Dalbe) fest. Eine kleine Änderung gibt es für die äussere Route: Wegen des Baus eines Parkings beim Kunstmuseum führt sie neu durch die Aeschenvorstadt und via Brunngässlein und Dufourstrasse zurück zur Wettsteinbrücke. Die innere Route geht wie gewohnt durch den St. Albangraben.

Die drei Comité-Standorte bleiben am Steinenberg, in der Clarastrasse und auf der Wettsteinbrücke, der «Checkpoint“ ist erneut an der Schifflände.

Wiederum gibt es Ruhe- und Futterplätze für Tiere, die im Cortège mitgeführt werden.

Ausstellungen von Laternen, Wagen, Requisiten und Chaisen

Auf dem Münsterplatz findet die Laternenausstellung in gewohntem Rahmen statt. Den Besucherinnen und Besuchern stehen wie immer auch verschiedene Verpflegungsstände zur Auswahl. Der Abfall kann in den dafür bereitgestellten Containern entsorgt werden.

Fasnachtswagen und –requisiten werden wieder auf dem Kasernenareal ausgestellt. Besucher können die Ausstellung, die von der Wage-IG organisiert wird, am Montagabend und am Dienstag besichtigen. Am Dienstag steht ein Verpflegungsstand auf dem Areal.

Die Chaisen-IG führt wiederum am Fasnachtsmittwoch um 17.30 Uhr vor dem Hotel Les Trois Rois die Schäsete durch.

Me het e Blaggedde!

Nicht nur für die Laternenausstellung auf dem Münsterplatz, sondern für die ganze Fasnacht gilt die Plakette als eine Art freiwilliges Eintrittsbillet. Sie ist ein Zeichen der Unterstützung für die Fasnächt- lerinnen und Fasnächtler und für die Fasnacht als Ganzes.

Zwar besteht kein Kaufzwang, es ist aber Ehrensache, eine oder mehrere Exemplare zu erwerben, denn dieses Geld macht den Löwenanteil der Subventionen aus: Der Reinerlös aus dem Verkauf wird nach der Fasnacht an alle Einheiten verteilt, die sich am Fasnachts-Montag und -Mittwoch am Cortège beteiligt haben. Diese Subvention ist für die Cliquen ein wichtiger Zustupf an die enormen Auslagen für die Umsetzung des jährlich wechselnden Sujets.