Basler Fasnacht 2017: Zahlen und Sujets

4. März 2017  Text:  André Auderset

Beim Fasnachts-Comité sind 2017 482 Einheiten gemeldet; dies sind 20 Formationen mehr als im Jahr davor. Das Total unterteilt sich in 36 Stammvereine (unverändert), 41 Alte Garden (unverändert), 63 Junge Garden und Binggiszügli (+3
), 67 Piccolo- und Trommel-Gruppen (+2), 64 Guggen (+4), 120 Wagen (unverändert), 17 Chaisen (-2) und 65 
Gruppen (+12). Unter „Gruppe“ subsummiert das Comité alles „mit mehr als einer Person, was spielend oder nicht spielend läuft“. Ist es nur eine Person, redet man von 
Einzelmasken; hier haben sich10 angemeldet.

Sujets 2017: sehr politisch

Wie immer ist die Zusammenstellung der Sujets mit Vorsicht zu geniessen. Die Einträge im Rädäbäng sind oft unklar und lassen viel Interpretationsspielraum offen. Klar ist: Wie schon 2016 wird die Fas- nacht 2017 politisch, gesellschaftskritisch und ernsthaft werden.

Von den gemeldeten Einheiten spielen 90% ein Sujet aus. Aufgrund der auch in diesem Jahr sehr vielseitigen Auswahl darf man sich auf eine kritische und nachdenkliche, aber auch witzige und kreative Umsetzung der vielen Sujets freuen.

Aus den rund 180 erkennbaren Sujets sind nachfolgend diejenigen – einzeln oder sinngemäss in Gruppen zusammengefasst – aufgeführt, die mehr als einmal ausgespielt werden.

Die Weltpolitik bzw. die Sorge um den Zustand der Welt beschäftigt sehr viele Cliquen, Guggen, Wagen und Chaisen. Sujets wie:

«Mr hän Angscht – du au?»
«Tyranne und Digdadoore – au du bisch verloore» «Mensch was machsch?»
«E raabeschwarze Daag»
«Affetheater»
«Kopf hoch»
«Uff dr Suechi no dr Wooret»

spielen dieses Unbehagen, verbunden mit grosser Verunsicherung, aus. 32 Einheiten (davon 7 Stammvereine) beschäftigen sich mit diesem Themenbereich.

Dazu kommen gesellschaftliche Themen (9x, darunter 6 Stammvereine), z.B.:

«Numme no Wuet und motze, es isch efang zem Kotze»
«Egolution vom Mensch»
«Groosi Schnuure – nyt derhinder»

oder auch Trump (8x), bspw:

«Ku-Klux Zämme! Willkumme zem amerikanische Albtraum» «Mir verDrumplen alles»

International sind die Sujets auch im Zusammenhang mit dem Brexit (15x), u.a.: «Exit for Brexit – Tea for One» und China (8x), bspw.:

«D Kyynese kaufe – wirsch es gsee – no d Fasnacht mit em Comité» «Mir wärden überrollt»

Aber auch das Lokale kommt nicht zu kurz. Die Toleranzzone im Kleinbasel wird von 25 Einheiten ausgespielt, 21 beschäftigen sich mit der Fasnacht u.a.:

«Imagine – e Wält wie Fasnacht»
»S nei Gsicht vo dr Fasnacht»
«Fasnacht to go»
«Lueg gnau».

Der City Bus und generell Tourismus in Basel wurden 16x ausgewählt. Die Polizei, vor allem die Kantonspolizei Basel-Stadt (14x) diente als idealer Sujetlieferant. Auch Basel mit ganz konkreten Themen wie Hunde-WC und Fähri u.a.m. (13x) oder die Basler Verwaltung und Regierung (8x) sorgen für Sujets, z.B.:

«Basel b(l)oggt»
«Top Secret oder Regierigsarroganz»
«z Basel näärvsch di z Dood»

Die BVB sind Jahr für Jahr dankbare Sujetlieferanten (8x), bspw.: «Mir spränge alli Gränze» Im sportlichen Bereich existieren vor allem Sujets über die Isländer an der EM (11x), das in BL oder BS geplante Schwingfest (6x) oder Doping und Olympische Spiele (7x). Wie jedes Jahr kommen auch kulinarische Sujets von Insekten bis vegan nicht zu kurz (14x).:

«Alles bio, bisch au vegan?»
«Vo wo kunnt d Milch?»

Insgesamt 7 Junge Garden lassen die Pokémonjagd aufleben (insgesamt 12x).

Die unterschiedlichsten Jubiläen werden gefeiert. 100 Jahre Staubsauger, 20 Jahre Klonen des Schafes Dolly, 100 Jahre Muba oder 60 Jahre Bravo (wohlverstanden von einer AG ausgespielt). Die eigenen Jubiläen kommen 24x zum Zuge.

Der Hang zur Nostalgie und Tradition wird 8x thematisiert, mit der Migration und ihren Facetten setzen sich 7 Einheiten auseinander.

Strassenfasnacht

Der Cortège 2017 führt wie in den letzten Jahren an den drei Comité-Standorten Steinenberg, Clarastrasse und Wettsteinbrücke sowie am Tscheggpunggt bei der Schifflände vorbei. Laut Einschätzung des Comités sowie der Verkehrskommission, in welcher die Fasnachtseinheiten repräsentativ vertreten sind, hat sich dieses Konzept bewährt.

Um den Cortège so staufrei wie möglich zu halten, haben das Comité und die Verkehrskommission die Verteilung der Einheiten auf der Route weiter optimiert. Bei einigen Einheiten wurden kleinere Ver- schiebungen beim Abmarschort vorgenommen, jedoch ohne zu stark in ihre Cliquen-Gepflogenheiten einzugreifen.

Ausstellungen von Laternen, Wagen, Requisiten und Chaisen

Auf dem Münsterplatz findet die Laternenausstellung in gewohntem Rahmen statt. Wer diese Aus- stellung besuchen will, sollte dem Anlass entsprechend als freiwilliger Eintritt eine Plakette tragen. Um dem Ansturm der Käuferschaft begegnen zu können, werden wieder Plakettenverkäuferinnen und -verkäufer an den Zugängen zum Münsterplatz stehen. Sie tragen zur Erkennung eine spezielle Comité-Plakette. Den Besucherinnen und Besuchern stehen wie immer auch verschiedene Verpfle- gungsstände zur Auswahl. Der Abfall kann in den dafür bereitgestellten Containern entsorgt werden.

Fasnachtswagen und –requisiten werden wieder auf dem Kasernenareal ausgestellt. Besucher können die Ausstellung, die von der Wage-IG organisiert wird, am Montagabend und am Dienstag besichtigen. Am Dienstag steht ein Verpflegungsstand auf dem Areal.

Die Chaisen-IG führt wiederum am Fasnachtsmittwoch um 17.30 Uhr vor dem Hotel Les Trois Rois die Schäsete durch.

Me het e Blaggedde!

Gold

Nicht nur für die Laternenausstellung auf dem Münsterplatz, sondern für die ganze Fasnacht gilt die Plakette als eine Art freiwilliges Eintrittsbillet. Sie ist ein Zeichen der Unterstützung für die Fasnächt- lerinnen und Fasnächtler und für die Fasnacht als Ganzes.

Zwar besteht kein Kaufzwang, es ist aber Ehrensache, eine oder mehrere Exemplare zu erwerben, denn dieses Geld macht den Löwenanteil der Subventionen aus: Der Reinerlös aus dem Verkauf wird nach der Fasnacht an alle Einheiten verteilt, die sich am Fasnachts-Montag und -Mittwoch am Cortège beteiligt haben. Diese Subvention ist für die Cliquen ein wichtiger Zustupf an die enormen Auslagen für die Umsetzung des jährlich wechselnden Sujets.