Zofingerconzärtli virtuell: Mehr als ein Notnagel

7. Februar 2021 | Von | Kategorie: Nachrichten

Seit diesem Samstagabend ist der Conzärtli-Film online und es zeigt sich: Es war eine gute Idee, den Anlass nicht einfach abzusagen, sondern einen virtuellen Ersatz zu bieten. Der Film ist mehr als ein blosser Notnagel, die Fagunzen haben die erweiterten digitalen Möglichkeiten genutzt und stellten ein wirklich fasnächtliches Vergnügen ins Netz.

Seit 1898 gibt es das Zofingerconzärtli. Die Bühne hatte zwischenzeitlich vom Stadt-Casino in das Kongresszentrum gewechselt, statt fand es aber immer. So auch im 2021, aber halt wie so vieles ganz anders als sonst. Die Fagunzen bieten dem Publikum einen Link auf ihrer Homepage, von dem der gesamte Anlass gratis gestreamt werden kann. (Okay, die beiden alten „Damen“, die auch virtuell ihren Auftritt haben, werden den letzten Satz wohl nicht verstanden haben – sie haben aber sicher Enkel, die ihnen den Stream ein- und extrem laut stellen.)

Der erzwungene Wechsel von real zu virtuell hat natürlich den immensen Nachteil, dass keine Publikumsreaktionen für Stimmung sorgen. Was anscheinend im Vergleich zum CCB nicht ganz so schlimm ist. Einer der Darsteller beklagt denn auch: „S isch kalt und stimmigslos – also wie allewyl im CCB“.

Die virtuelle Aufführung bringt aber auch beträchtliche Vorteile. So kann den Lyyche zum Teil an Originalschauplätzen vorgeführt werden, „wär sich blamiert hett“ – in diesem Fall einem gut getroffenen FCB-Präsidenten Sparhard Wurdemer im Medienzentrum des Joggeli. Herrlich und wie echt ist auch die sich selbst unsäglich bemitleidende alt-Regierungspräsidentin Elianuss Knackermaa. Dazu brilliert in Text und vor allem Gesang der Darsteller unseres obersten Verbieters, ähhh Gebieters Bundesrat Alles Point-de-Presse.

Wie in den früheren realen Vorstellungen kommen auch im 2021 echte Perlen als Nääbe-Lyyche zum Vorschein, etwa der herrlich getroffene Joel Thüring oder ein echt gestörter Basler „Wieder-Grossrat“ mit Schweizerkreuz-T-Shirt.

Ein wahres Vergnügen ist auch der traditionelle Teil mit der klassischen Musik, respektive dem – wirklich professionellen – Gesang von Christian Schmid v/o Tram Giovanni, einfühlsam begleitet von Nick Bersinger v/o Chromo am Flügel. Hier kommt speziell die tolle Ambiance des Safran-Saals zur Geltung. Auch die Basler Bebbi spielen schön mit dem Saal beim Trommeln in corona-gerechten Gruppen.

Alles in allem: Es lohnt sich den Link anzuklicken oder – für den älteren Teil des traditionellen Publikums – sich den Film einrichten zu lassen. Vor allem, da die einzige Alternative ja eine Absage gewesen wäre – und das wäre Sünd und Schad!