Aadie Fasnacht 2021

10. Dezember 2020 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wir waren euphorisch und dankbar, als im September das Comité fast schon trotzig mitgeteilt hat, dass man auf jeden Fall irgendeine Fasnacht 2021 machen wolle. Wenn auch nicht eine „richtige“, dann halt vielleicht eine in den Quartieren.

Mit der Zeit – denn September sind schon drei Monate her und das ist, so wissen wir jetzt, im Leben eines Virus eine Ewigkeit – wurde die Euphorie leiser und heute nun passierte das, was wir alle in den letzten Tagen vermutet haben:

Das Comité gab heute bekannt, dass die Fasnacht 2021 für alle Ü18 nicht stattfinden wird. Es soll eine Fasnacht für die Jungen und den Nachwuchs geben. Eventuell, vielleicht, wenn…

Was heisst das konkret? Alle vom Fasnachts-Comité organisierten Aktivitäten können nicht stattfinden? Es gibt aber kein Fasnachtsverbot. Zitat aus der Medienmitteilung: Alle vom Fasnachts-Comité normalerweise organisierten Veranstaltungen können 2021 nicht stattfinden, insbesondere die Cortèges und die Laternen- und Wagen/Requisitenausstellung. Auch die Guggenkonzerte sowie die Kinderfasnacht sind nicht durchführbar. Musizieren und Gässle wird mit den heutigen Vorgaben des Bundes weder für die Kinder noch für die Erwachsenen möglich sein.

Was bedeutet das genau? Kein Fasnachtsverbot, aber man darf nicht Gässle und nicht Musizieren. Im Goschdym still durch die Strassen ziehen, ginge also. Die Ladäärne darf auch dabei sein, aber Zeedel dürfen nicht verteilt werden. Der Tambourmajor kann seinen Stägge schwingen, aber hat keine Musik zum dirigieren. Eine Tambourmajor-Fasnacht vielleicht?

Wie sehen es die Waggiswagen? Roger Borgeaud, Präsident der Wage IG, sagt, dass bereits viele Mitglieder im Herbst den Entscheid trafen, nicht mit dem Wagenbau zu beginnen. Von den rund 120 angeschlossenen Wagen seien dies rund 70% gewesen, welche bereits vor dem ersten Blätterfall den Wagen eingemottet haben. Nichtsdestotrotz stehen sie hinter dem Entscheid des Comités und freuen sich darauf, im 2022 doppelt so viele Räppli unter die Leute zu bringen. Nicht nur e Hampfle Räppli…

Keine Überraschung war die Absage für den Obmann der Gugge IG, Patrick Müller. Die Guggenproben sind bis Ende Jahr abgesagt. Somit wäre eine musikalisch qualitativ gute Fasnacht äusserst schwierig geworden, sagt der aktive Trompeter. Wie viele Fasnächtler hatte auch er die Vermutung, dass diese abgesagt werden würde.

Etwas interessanter ist da die Aussage von Claude Schrank, Obmann der Fasnachtsgesellschaft Olympia. Sie haben ein Konzept in der Schublade, welches eventuell den Coronaregeln entsprechen könnte. Aber auch sie beratschlagen sich zuerst. „Wenn es die Situation zulässt, können wir das Konzept innerst kürzester Zeit umsetzen“, so Schrank. Man darf gespannt sein.

Bei anderen Fasnachtscliquen ist der Grundtenor, dass man froh war, als die Absage endlich kommuniziert wurde. Damit gerechnet haben quasi alle. In einigen Cliquen gab es sogar Wetten, wann sie kommuniziert wird. Die meisten tippten auf den 2. Dezember 2020, also den Mittwoch nach dem zweiten Wahlgang der Regierungsratswahlen. Ein Schelm, wer Böses denkt… In einem Punkt sind sich jedoch alle Fasnächtler einig: wir „Alten“ können auf eine Fasnacht verzichten, aber macht etwas für die Jungen. Die Jungen in der momentanen Zeit bei der Stange zu halten ist äusserst schwierig. Diejenigen, die dabei bleiben, haben sicherlich neben den roten Blutplättchen auch Räppli in der Blutbahn.

Bei den Schnitzelbängglern klingt es optimistischer. Edi Etter, Obmann des Schnitzelbangg-Comités: „Wir entscheiden im Januar 2021, was für uns möglich ist. Momentan dürfen wir nicht singen, wir haben keine Baizen zum Auftreten und dürften auch keine Musik machen.“

Die Schnitzelbanggorganisationen werden am 20. Januar 2021 kommunizieren, wie ihre Fasnacht aussehen wird. Sie hoffen jedoch, dass sich die Situation so weit entspannt, dass ein Auftritt vor Publikum möglich sein wird.

Aber, was heisst das nun: eine Fasnacht für die Jungen? Ein Cortège durch die Stadt ist genauso unwahrscheinlich wie ein Guggekonzärt. Turnhallen und Aulen werden auch nicht als Comitéstandpunkte herhalten können. Fasnacht im Quartier ist auch nicht gewollt. Es bliebe ein Mini-Cortège mit Goschdym und Larve in der Langen Erle. Vom Eglisee zur Schliessi und retour. Wird das den Jungen reichen? Den Eltern frierend am Waldrand zuzuwinken, ohne Räppli am Boden? Zumindest das Risiko auf einer Orange auszurutschen ist minimiert. Dies erledigt Dreck und Schlamm. Kann man so die jungen Pfeiferinnen und Tambeusen ermuntern weiter zu üben? Oder sagen die Pfeifer und Tambouren sich „jetzt erst recht!“? Wollen junge Guggenmusiker ihr Können stolz im Wald präsentieren? Wir wissen es nicht und wir sollten die Jungen fragen, was sie wollen. Sie tragen jetzt schon eine grosse Last mit den Einschränkungen und vielleicht klammern sie sich gerade an „das bisschen Fasnacht“. Eventuell wollen sie alles machen, was irgendwie und egal wie geht. Einfach, das Goschdym anziehen, die Larve auf den Kopf, Instrument gepackt und z Basel am mym Rhy vorwärts, Marsch!

Es ist so, wie es überall ist: „Nichts ist sicherer, als die Mutter!“. Man kann hinter alle geplanten Massnahmen oder Aktionen ein „vielleicht“ setzten. Wir sehen später, was möglich ist. Darum bleibt uns allen jetzt eins (und das tönt wahrscheinlich so, wie bei unseren Grosseltern in den Kriegsjahren): Lasst die Adventstage vorüber ziehen und uns unter dem Weihnachtsbaum auf das besinnen, was wir im Moment haben. Morgen ist alles anders. Vielleicht!