Beery Batschelet – sein Leben spielte im 5/4-Takt

24. Mai 2020 | Von | Bilder: Archiv fasnacht.ch (Foto Prag: zVf gestellt) | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Beery Batschelet revolutionierte die Musik der Basler Piccolos und war selbst ein Musiker der virtuosen Art. Beery ist in diesen Tagen 69jährig in seiner Wohnung in Basel verstorben.

Beery Batschelet

Beery mit Eva Wannenmacher

Beery Batschelet

Beery Batschelet

Beery Batschelet

Beery Batschelet

Beery in Prag

Beery mit Lars Handschin in Prag

Beery Batschelet ist auch in diesem Jahr aus seinem selbst gewählten Exil in Indonesien zur Fasnacht zurückgekehrt und hat erst hier erfahren, dass es gar keine solche geben wird. Sein Rückflug in seine neue Heimat wurde ihm durch die Corona-Pandemie verwehrt, sodass er in den letzten Wochen mit seinen Freunden aus Basel  und seiner Schwester Anna  die Zeit verbrachte. Und es wurde eine Zeit des Abschieds. Als sich Beery zu Beginn der letzten Woche nicht mehr gemeldet hat, fand man ihn in seiner Wohnung, wo er unspektakulär und für immer eingeschlafen ist.

Beerys Fussabdrücke in der Basler Fasnachtsszene sind gross. Und hätten grösser werden können. Begonnen hat seine Fasnachtskarriere als Tambour (!) bei der Märtplatz-Clique. Bald jedoch wurde das Piccolospiel, die wilde Fasnacht und die kleinen Gruppen seine fasächtliche Heimat. Und er hatte eigene Ideen und Vorstellungen von der Fasnachtsmusik, die er mittlerweile selber komponierte. Sein Credo:  «Alte Sachen sind schön, aber es muss weitergehen mit der Entwicklung der Fasnachtsmusik». So definierte er sein erklärtes Ziel, die «Basler Fasnacht aus dem 2/4-Takt herauszureissen». Er verpasste seinen vielen Märsche immer mal wieder einen Rhythmuswechsel, die manch einem Pfyffer oder einer Pfyfferin den Krampf in die Finger trieb. Auch seine Wechsel in den Tonarten gehörten zu seinem Stil. Mit jedem seiner Märsche und mit jedem durch ihn gespielten Töne versuchte er, etwas Revolution in die Musik der Basler Fasnacht zu bringen. Ein typisches Beispiel (ausserhalb der Fasnacht) ist der «Bären-Blues», welcher er für das Spiel der Gesellschaft zum Bären, die ihm natürlich als Idee sehr nahe stand, komponiert hat. Alles, was zu Beery gehört, findet man in diesem Blues: Virtuosität, Tonart-Wechsel, Rhythmuswechsel und schräge Töne. Weitere Fasnachts-Märsche aus seiner Feder: Lumpesammler, Wällesittich, Bonaparte, Lälli, Samba, Sousa, Gazpacho, Husar, Motto Gutzi, Slow Beery Slow und Summervogel.

Auch beim Instrument hat der Flötist Batschelet versucht, die Grenzen zu sprengen. So entwickelte er zum Beispiel – zusammen mit dem Irish Flute Maker Tom Aebi – das Bass-Piccolo, welches ihm erlaubte, tiefe Zierstimmen zu spielen, die die Basler Märsche konzertant machten: «Wenn der Beery den Arabi nach seinen Ideen gespielt hat, dann kam das daher wie ein Barock-Stück» sinniert Lars Handschin, welcher mit ihm musiziert hat. «Wir haben oft Fasnachtsmusik zusammen gemacht. Und waren schon etwas extrem. Oft haben wir improvisiert. Er mit seinem Piccolo und ich mit der grossen Bass-Trommel.» Lars schwärmt vom Höhepunkt dieses Ensemble: «An der Prager Fasnacht, Beery und ich auf der Karlsbrücke. Und plötzlich improvisiert er Die Moldau von Smetana in Moll. Und so zogen wir über die Brücke und vor dem staunenden Publikum durch die Strassen – unvergessen!»

Cornelius Buser erzählt uns von der Zusammenarbeit mit Beery beim Komponieren: «Wir vertraten zwei komplett unterschiedliche Komponier-Ebenen. Und dennoch konnten wir uns gegenseitig unsere Ideen und Kompositionen zeigen, kritisieren und verfeinern!» Buser erinnert sich aber auch an Batschelets Leiden: «Wenn er mit seinen neuen Ideen auftrat, z.B. am Ufftaggt oder beim Museumskonzärtli, dann rief er die Puristen auf den Plan und musste Anfeindungen und Kritik einstecken. Aber er war immer davon überzeugt: Ich bin auf dem richtigen Weg!». Cornelius Buser findet, dass Beery der Basler Fasnacht ein grosses Vermächtnis hinterlässt.

Auch Michi Robertson, ein weiterer Komponist von Fasnachtsmärschen, ist des Lobes voll: «Von Beery habe ich während unserer Zusammenarbeit beim Ufftaggt viel gelernt. Er war ein liebevoller und präziser Instruktor und ich wusste bis dahin nicht, was man alles aus dem Instrument Piccolo herausholen kann! Seine musikalischen Ideen waren grossartig – vor allem für den Ufftaggt!» Michi Robertson erinnert sich aber auch über die Stunden, die er mit Beery über dessen Wunsch, die «Fasnacht aus dem 2/4-Taggt zu reissen», diskutiert hatte: «Er wollte immer zwei Schritte zugleich machen, und das haben nicht alle geschätzt! Ich habe ihn als Mensch und als Musiker sehr geschätzt!»

Beery wird jetzt in den Fasnachtshimmel ziehen und die Harfen-Engel mit Piccolos (vermutlich mit Egger-Kepf!)   ausrüsten. Und dann wird er – einmal mehr – mit einem himmlischen Pfyfferensemble musizieren. Im 5/4-Takt…

 

Beery Batschelet wird im engsten Familienkreis bestattet. Es wird im Juni oder Juli ein Abschiedsfest geplant.