I ha mi ganze Pulfer verbruucht….

16. April 2020 | Von | Bilder: Archiv BFO; diverse | Kategorie: Nachrichten

Francis Schmid – der singende Wirt aus der Uelistube – hat jahrzehntelang Jung und Alt mit seinen Gassenhauern aus dem Glaibasel begeistert.  «Sir Francis» ist zu Beginn dieser Woche 82jährig verstorben.

Was haben wir in der Uelistube gefeiert, gesungen, gegrölt und getrunken! Meistens am Donnerstag Abend, wenn das letzte Schnitzel und die letzte Portion Pommes die Küche verlassen haben, streifte sich der Wirt die Küchenschürze glatt, zündete sich eine Zigarette an und setzte sich ans Klavier auf der kleinen Bühne in seiner Beiz. Er wusste haargenau, was die Gäste hören wollten. Und er liess sie nicht lange warten: Sir Francis zündete seine Gassenhauer-Raketen. Eine nach der andern. Von «Fährimaa» über das «Kommissione-Lied (I ha mi ganze Pulfer verbruucht!) bis hin zur eigentlichen Uelistube-Hymne: «D Schissi isch verstopft im erschste Stogg»…! Die Beiz tobte und das Haus auch…

Ich pflegte zu dieser Zeit im «dritten Stogg» dieser Liegenschaft über der Uelistube zu wohnen (als Junggeselle ging das…). Meine Schissi war nie verstopft, aber es hatte dennoch seine Tücken, über dem Reich von Sir Francis zu leben. Z.B. wenn ich an den  Mustermesse-Abenden nicht nach Hause konnte, weil die Securitas vor dem Haus stand und niemand mehr in die Uelistube reinlassen wollte! Dann musste ich Sir Francis anrufen, der mich dann reinholte («Dä darf, dä woont do»). War es dann ein normaler Abend,  führte meine späte Heimkehr meistens durch die leere, fast dunkle Gaststube, wo Francis mit seinem Ruthli und einigen wenigen Freunden am runden Tisch in der Ecke sass und den letzten der Absacker trank.

Sir Francis mit seinen frankophonen Wurzeln hatte aber noch viel mehr drauf als seine Glaibasler Lieder. Nebst seiner Liebe zum Jazz, sang er auch akzentlos französische Chansons und trat mit vielen Menschen sowohl auf der kleinen Bühnen in seiner Beiz, wie auch zahlreichen andern in der Region auf. Und er hatte viele Ideen, die er mit Freunden umsetzte. Legendär waren die „Uelistuubete“. Einer seiner Weggefährten, Marcel Dogor, erzählt: «Es war eine wunderschöne, kreative Zeit mit Francis. Einmal haben wir eine Stepp-Nummer für die Uelistuubete einstudiert. Dazu mussten wir zusammen in den Steppunterricht zu Angelo Borer! Der ist fast verzweifelt!  Francis wurde nie müde. Jetzt im Oktober wären wir nochmals zusammen aufgetreten. Mit 82! Sein Traum war bis zuletzt, nochmals eine der legendären Uelistuubete aufzuführen. Aber wir waren bald die einzig überlebenden Künstler aus jener Zeit».

Sir Francis war ein leidenschaftlicher Gastgeber in der Uelistube. Mit seiner Frau Ruthli und seinen treuen Servierdamen Dorle, Pierrette und  Maja bediente er seine Gäste oftmals selbst und hatte immer einen Spruch oder ein paar persönliche Worte auf Lager. Als «gute Nachbarn» tauschten wir Rezepte aus und er war live dabei, als ich meine heutige Ehefrau das erste Mal in meine Wohnung einlud (mit Umweg durch die Beiz). Oft sass er mit seinen «Mässmögge» (Freunde von der Messe gegenüber) am runden Tisch und trank seinen Weisswein (erst später wechselte er – aus Angst vor der Gicht – zum Rosé). Da gab er sich als zufriedenen Glaibasler, in seiner eigenen Uelistube-Welt.

Seine letzten Jahre verbrachte er «im Unruhestand» im Glaibasel. Immer wieder konnte man ihn und seine Lieder hören, am Schlurbbi-Geburtstag im Pensiöönli, an Quartierfestern, als Grosserfolg im Charivari und ein paar Tage vor seinem Tod im TeleBasel. Sir Francis hatte immer und überall sein dankbares Publikum!

Kurz nach Ostern fand das irdische Dasein des Glaibasler Originals ein Ende: Sir Francis starb – ohne Publikum – in seiner Wohnung im Glaibasel.  Seine Lieder, seine Worte und sein Wesen werden den ältern Glaibaslern unter uns noch lange in  Erinnerung bleiben. Wir stossen demnächst auf Sir Francis an. Mit einem Glas Rosé!